House of Cards, House of Gucci, House of the Dragon – nun also House of Guinness. Die Historienserie von Netflix widmet sich der süffigen Geschichte der weltbekannten Brauereidynastie aus Dublin. Grund, die Gläser zu erheben oder fehlen der Mischung die „Umdrehungen“?

Darum gehts’s in House of Guinness
House of Guinness erzählt eine epische Geschichte, deren Inspiration eine der ältesten und berühmtesten Dynastien Europas ist: die Familie Guinness. Die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert in Dublin und New York und setzt direkt nach dem Tode von Sir Benjamin Guinness ein. Er ist der Mann, dem der außerordentliche Erfolg der Guinness-Brauerei zuzuschreiben ist. Sein letzter Wille entfaltet weitreichende Auswirkungen auf das Schicksal seiner vier erwachsenen Kinder Arthur, Edward, Anne und Ben sowie einer Gruppe von Menschen in Dublin, die mit dem Phänomen Guinness zu tun haben.
Knight-typisch – nur eben in Irland diesmal
Steven Knight ist wahrlich ein vielbeschäftiger Mann – auch nach dem Ende von Peaky Blinders. Soll er doch demnächst das Skript zum nächsten Bond-Film beitragen, hat mit A Thousand Blows ein aktuelles Disney Plus-Projekt am Laufen und werkelt er eben noch am Fortsetzungsfilm zu seiner Saga rund um die Gangs von Birmingham.
Zwischen all den Projekten schüttelt er für Netflix dann noch House of Guinness aus dem Ärmel, was sich entsprechend über weite Strecken eher wie eine Fingerübung eines Workaholics anfühlt: Ein bisschen was von Gangs of New York trifft den bekannten Blinders-Charme, wird angereichert durch ein paar audiovisuelle Spielereien, eine richtig gut reinziehende Musik und tolles Kostümbild und dann vorgetragen durch durch die Bank weg engagierte Darstellende, von denen man sich einige Gesichter merken wird. Das wirklich innovative Element ist, dass man sich diesmal eben nicht in England, sondern auf der grünen Insel befindet – und Knight es durchaus schafft, einen Kontrast zu den vorherigen Projekten zu kreieren.
Lebendiges Dublin
Man bemüht sich in Teilen schon sehr, „Coolness“ auszustrahlen, sei es durch Zeitlupen-Sequenzen, durch Hip-Hop-Musik und eine entsprechende anachronistische Brechung in der Tonalität und durch immer wieder aufwendig choreografierte Action-Szenen. Das fühlt sich schon sehr danach an, also wollte Knight die bekannten Peaky-Blinders-Formeln anwenden und so in erster Linie die Fans dieser Gangart anzusprechen. Doch auch wenn der Neuigkeitswert hier schon merklich fehlt, wird die Stadt Dublin doch als pulsierende Metropole verlebendigt, wodurch man den Eindruck eines stimmigen World Buildings bekommt.
Es ist dann eben auf der einen Seite schon auch eine Epochen-Skizze, wie beispielsweise die HBO-Show The Gilded Age sie über fast den gleichen Zeitraum in einem Stadtteil von Manhattan wiedergibt. Nur hier ist es eben die irische Hauptstadt und man mischt eine Geschichte von Intrigen und Rivalitäten mit ein, die auf wahren Begebenheiten beruht, aber doch schon ziemlich durch den Succession- und Game of Thrones-Dramaturgie-Automaten geschickt wurde.

Temporeicher Bier-Geschichtsunterricht mit starker Figurendynamik
House of Guinness ist laut, aggressiv, manchmal etwas plump in seinen Gesprächssequenzen, aber hat einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann – eben genau das, was auch Peaky Blinders jahrelang zum Kulthit avancieren ließ. Die Formel hat sich noch nicht abgenutzt und die Frischzellenkur durch das neue Ensemble und den neuen Schauplatz gelingt mit Bravour – wenn man mit den Blinders immer mitfiebern konnte. Wer hingegen eine dokumentarische Aufarbeitung einer Familiengeschichte mit hohem Anspruch an Akkuratesse erwartet, der wird abgeneigt die Augen verdrehen, wenn hier immer mal wieder Figuren ein Verhalten an den Tag legen, das klipp und klar aus einem Drehbuch und nicht aus einer Familienchronik stammt. Aber sind wir mal ehrlich: Unterhaltsamer ist diese Form des Geschichtsunterrichts – mit oder ohne einem Glas des irischen Gebräus in der Hand.
© Netflix
Unser Fazit zu House of Guinness
Steven Knight liefert mit House of Guinness einen perfekten Wartezeit-Versüßer für Blinders-Jünger, der sich tatsächlich eher wie ein Spin-Off à la "Peaky Blinders go Ireland" als wie eine eigenständige Produktion. Das tut dem Sog des Intrigenspiels und der Spielfreude der Darstellenden keinerlei Abbruch.
House of Guinness läuft seit dem 25. September 2025 auf Netflix.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

