MobLand ist eine weitere Guy Ritchie-Serie. Statt Netflix (The Gentlemen) diesmal auf Paramount +, doch dem Gangster-Setting bleibt er natürlich treu – und auch der Cast ist vielversprechend. Hält dies dem Erwartungsdruck stand?

MobLand – Die offizielle Handlungsangabe
Die Macht steht zur Disposition, als die Harrigans und Stevensons, zwei rivalisierende Londoner Verbrecherfamilien, in einer Schlacht um Leben und Tod zusammenstoßen, die Imperien zu stürzen und Leben zu ruinieren droht. Im Kreuzfeuer befindet sich dabei Harry Da Souza, der street-smarte „Fixer“, der ebenso gefährlich wie gut aussieht und nur zu gut weiß, wo Loyalitäten liegen, wenn gegnerische Kräfte kollidieren. Wenn Königreiche clashen, werden die Grenzen überschritten – und die einzige Rettung ist eine Garantie für ein Leben: Familie über allem.
Gangs of London 2.0?
Schon die Inhaltsbeschreibung klingt verdächtig nach der Sky-Serie von Gareth Evans, die vor allem mit ihrer ersten Staffel vor ein paar Jahren ordentlich Wind in der Gangster-Serienlandschaft aufgewirbelt hat. War es aber bei Gangs of London stets das Wie, mit dem man Punkte zu sammeln versuchte – vor allem in Sachen Brutalität, Action und Kameraarbeit – so ist es in MobLand doch eine andere Schwerpunktsetzung, wenngleich einige Schnittmengen nicht von der Hand zu weisen sind. Im Gegensatz zu richtig harter Kämpfe kredenzt uns Guy Ritchie sein typisches Gangster-Schach, dieses mal eben in London. Zwei rivalisierende Clans treffen aufeinander, so weit, so vorhersehbar und uninnovativ. Nach dem doch etwas skurrileren Setting in The Gentlemen geht der Brite hier bei der Ausgangslage einen Schritt zurück.
Doch damit sind wir dann auch beim zweiten großen Unterschied zu Gangs of London, denn während die Martial-Arts-lastige Sky-Produktion weitestgehend ein Ensemble aus eher zweitrangigen Stars vor der Kamera versammelt hatte, fährt Ritchie hier doch in Sachen Besetzung andere Geschütze auf: Mit Ex-Bond-Darsteller Pierce Brosnan, Mad Max-Star Tom Hardy und Oscar-Preisträgerin Helen Mirren ist die absolute A-Riege hier am Start – und wird noch unter anderem durch House of the Dragon-Liebling Paddy Considine gespickt.
Ursprünglich sollte MobLand mal ein Spin-Off zu Ray Donovan sein, aber nun soll das Projekt doch auf komplett eigenen Beinen stehen. Ironischerweise tut es das dann auch, aber steht dafür auf den Schultern von ziemlich viel, was das Genre und die Filmografie von Guy Ritchie so zu bieten hat.
Typisch Ritchie – oder: Im MobLand nichts Neues
Ja, die erste Staffel von Gangs of London ging für ein paar meisterhafte Action-Setpieces in die Seriengeschichte ein, aber auch mit einem Hauch von Shakespear’scher Dramaturgie und einer bewussten Überzeichnung des Gangster-Milieus hob sich die Gangster-Ballade von der Konkurrenz ab. Damit fischte die Sky-Show eigentlich genau in dem Tümpel, den unter anderem Guy Ritchie seit Ende der 90er-Jahre mitgeprägt hatte – und brachte dort ein paar frische Ansätze rein.
MobLand hingegen verlässt sich nun auf klassische dramaturgische Schemata, die man seit jeher im Gangster-Setting verwendet: Intrigen, Machtspielereien, falsche Freundschaften und zwischen den clashenden Clans noch ein paar Ordnungshüter. Hart ist zwar auch hier die Gewalt, wenn sie sich mal Bahn brechen darf, aber dafür extra einschalten braucht man nicht. Technisch ist das Ganz grundsolide bis in Ansätzen gar Kino-reif, trotzdem locken die Schauwerte anno 2025 nur die Wenigsten wohl noch hinterm Ofen hervor. Das Go-to-Argument der neuen Paramount-Show ist, wie geschrieben, der namhafte Cast, der darstellerisch durch die Bank weg abliefert und insbesondere auch seitens der weniger großen Namen zu begeistern vermag, wenn man ein gewisses Grundinteresse an dieser Art von Gangster-Ränkespielen mitbringt.
Kaum Humor, viel Standard
Während sich die letzten Gangster-Filme – das Kriegsfilmexperiment The Covenant ganz klar ausgenommen – von Guy Ritchie wieder nachdem anfühlten, was der Brite einst zu seinem Steckenpferd gemacht hat, nämlich coole Sprüche, schwarzer Humor und viel schrullige und skurrile Figuren, schraubt er auch im Vergleich speziell mit seiner letztjährigen Serie zu The Gentlemen in MobLand seinen charmant-rasanten Humor auf ein Minimum herunter, wodurch man einerseits noch näher an Gangs of London in der Tonalität heranrückt und andererseits ein Stück weit auch in Richtung Beliebigkeit abdriftet. Die Figuren sind hier zwar wieder gut ausgearbeitet und mit Sicherheit keine Abziehbilder ohne Ecken und Kanten, aber verglichen mit dem, was man in Snatch oder auch Bube, Dame, König, GrAss einst lieben lernte, fehlt es hier den Charakteren an der Ritchie-Note. Es wirkt alles in allem mehr nach einer Auftragsarbeit des Regisseurs als nach einer Produktion, in die Herzblut und Liebe floß.
Zum Glück gibt es Star-Appeal
Vor der Belanglosigkeit rettet sich MobLand aber doch recht gekonnt damit, dass die Starpower der „Headliner“ perfekt genutzt wird und man merkt, dass die Darstellenden mal wieder richtig Bock auf ihre Rollen hatten. Pierce Brosnan hat in seiner Post-Bond-Ära, beispielsweise als Antagonist zu Jackie Chan in The Foreigner oder auch in Black Adam ein Gespür für einen Archetypus des charmant-ekligen Schurken entwickelt, dass er nun auch hier wieder ausleben darf. Überraschender ist dann schon die Performance von Helen Mirren, die derzeit in einer Rolle, die konträrer zu der hier nicht sein könnte in 1923 an der Seite von Harrison Ford zu sehen ist. Hier aber ist sie auch nochmal durchtriebener und man kauft es der Grande Dame mit Hochachtung und Genuss ab.
Tom Hardy ist da zwar auch ein gewohnt starker Act, aber irgendwie hat man bei ihm am ehesten noch das Gefühl, dass er nicht an seine darstellerischen Höchstleistungen anknüpft und etwas mit Fuß auf der Bremse agiert. Wer also wegen Hardy einschaltet wird eher enttäuscht werden, wer für die anderen Stars kommt, kommt voll auf seine Kosten

© Paramount+
Unser Fazit zu MobLand
Hin und Wieder fällt es schwer, ein Fazit zu ziehen, wenn zwei Herzen in einer Brust schlagen. So ist es nun bei MobLand: Bei weitem ist die Guy Ritchie-Show nicht dessen stärkste Arbeit der letzten Jahre, aber auch kein Totalausfall. Und auch wenn Tom Hardy und Co. teils nicht ganz die Erwartungen erfüllen, macht es dennoch wieder viel Spaß dem Starensemble hier zuzuschauen. Wer von der Serie zu viel Action oder auch inhaltliche Innovation erwartet, der wird mit Sicherheit am meisten enttäuscht werden. Wer jedoch einfach einen grundsoliden, technisch überzeugenden Gangster-Thriller im Serienformat sehen möchte und für das typisch Englische eine Soft Spot mitbringt, der wird hier noch zufriedengestellt werden.
MobLand läuft seit dem 30. März 2025 in den USA und hierzuland ab dem 30. Mai bei Paramount+ im wöchentlichen Rhythmus.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

