Einer der Macher von Homeland, Akte X und 24 versammelt für den neuen Thriller The Beast in Me das Genre-Who-is-Who – was soll da noch schiefgehen?
Darum geht’s in The Beast in Me
Die erfolgreiche Autorin Aggie Wiggs (Claire Danes) hat sich seit dem tragischen Tod ihres kleinen Sohnes aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Das Schreiben ist für sie unmöglich geworden und sie ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Doch dann findet sie unerwartet ein Thema für ein neues Buch, als der bekannte Immobilienmogul Nile Jarvis (Matthew Rhys) das Nachbarhaus kauft. Als seine Frau spurlos verschwand, war er der Hauptverdächtige. Aggie fühlt sich von ihm gleichzeitig abgestoßen und fasziniert und will um jeden Preis die Wahrheit herausfinden. In einem möglicherweise lebensbedrohlichen Katz-und-Maus-Spiel jagt sie die Schatten seiner Vergangenheit, um denen ihrer eigenen zu entfliehen.

Das beste aus Spy-TV kommt zusammen
Claire Danes hat über acht Staffeln in Homeland als bipolare Agentin Carry Mathison eine der prägenden Serien der 10er-Jahre getragen, doch im Anschluss war sie lediglich noch in den Miniserien Fleishman is in Trouble und Full Circle zu sehen – und dort auch nur mit wenig Screentime. Jetzt bringt The Beast in Me sie mit dem Star aus der ebenfalls gefeierten Cold-War-Spy-Show The Americans, Matthew Rhys, zusammen und stellt diese beiden ausdrucksstarken Charakterdarsteller in ein explosives Verhältnis:
Matthew Rhys als Nile Jarvis hier ist hingegen über weite Strecken ein Mysterium, dem wir zusammen mit Aggie auf den Grund gehen. Die Ungewissheit, ob er gut oder böse, ein Psychopath oder ein ehrlich trauender Witwer ist, hält die Neugier auf hohem Level. Rhys schafft es diese Ambivalenz beängstigend authentisch zu vermitteln und spielt dabei nicht nur mit der Autorin innerhalb der Geschichte, sondern auch mit uns Zuschauern nach Belieben.
Top auch in der zweiten Reihe
Im Windschatten dieser beiden Gegenpole hat diese Miniserie jedoch auch noch ein paar andere bekannte Namen an Bord, die jeweils abzuliefern wissen: Brittany Snow spielt eine ähnlich angelegte Rolle wie in The Hunting Wives, also eine Frau, die man aufgrund ihrer nach außen hin naiven Ausstrahlung gern mal unterschätzt; David Lyons spielt einen recht stereotypen absturzgefährdeten Ermittler auf die bestmögliche Weise; Jonathan Banks veredelt mit seiner schieren Teilnahme das Format und Hettienne Park (Hannibal) ist eine Konstanz als seriöse Antipart zu den vielen eher abgehalfterten Figuren.
Ein Routine-Krimi der besseren Art
Von der Länge und Struktur her erinnert in The Beast in Me einiges an die Harlan-Coben-Formate, doch diese Netflix-Serie ist handwerklich auf jeden Fall um mindestens eine Klasse besser: Das Skript ist zwar wendungsreich und twisty, aber gleitet nicht ins albern-hanebüchene ab. Die Figuren sind zwar mit Marotten gesegnet, aber werden von den Darstellenden nicht durch Over-Acting der Lächerlichkeit preisgegeben. Der Look ist auf dem Level von HBO-Produktionen und besonders Schnitt und Musikeinsatz strahlen Sachverstand aus und wirken nicht wie Auftragsarbeit nach Schema F.
Der Thriller hat einen immer weiter zunehmenden Psycho-Faktor, wobei hierzu nicht zu viel verraten werden darf. Hingegen kann man ausdrücklich hervorheben, dass es wirklich auf höchstem Niveau ist, wie hier die Spannungsschraube von Folge zu Folge, von Twist zu Twist, von Enthüllung zu Enthüllung angezogen wird und so die acht Folgen nahezu prädestiniert dafür sind, sie in einem Rutsch durchzuschauen.

Ein Hauch von Gone Girl, aber doch genug eigenes
The Beast in Me erinnert immer wieder an Gone Girl und tonal vergleichbare Genre-Vertreter, auch hier läuft es auf ein eher ungewöhnliches Duell hinaus – in Finchers Romanadaption waren es zwei sich entfremdende Ehepartner, hier sind es die Autorin und ihr, nennen wir es mal „Rechercheobjekt“. Auch die Gillian-Flynn-Story war inhaltlich nicht die Neuerfindung des Krimis, hatte aber ein enorm fesselndes Charakterskript und wusste exzellent mit dem Leser zu spielen, was Fincher dank eines fantastischen Cast dann perfekt auf die Leinwand übertragen konnte. Nun ist es hier auch diese Kombination aus solidem Krimi-Fundament, sanften Neuerungen, gut geschriebenen Charakteren und vor allem den passenden Stars in den handlungstragenden Rollen, die diese Produktion zu einer der spannendsten des Jahres macht!
© Netflix
Unser Fazit zu The Beast in Me
The Beast in Me ist starbesetztes Paranoia-Kino im Serienformat. Auf den Spuren von Gone Girl und Co. fesselnd die Folgen von Anfang bis zum Schluss und entlassen das Publikum mit einem Paukenschlag, der so schnell nicht an Wirkung einbüßt. Eine hervorragende Netflix-Produktion auf der Zielgeraden des Streaming-Jahres.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

