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    Last Samurai Standing

    Jan Wernervon Jan Werner13. November 2025Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    © Netflix
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    In Videospielen längst und in Serienform seit Shōgun erleben die edlen japanischen Schwertkämpfer einen Hype. Und wo ein Hype auszumachen ist, ist Netflix in der Regel nicht weit: Last Samurai Standing ist nun das neue fernöstliche Blockbuster-Projekt. Und wie sieht das Ganze aus?

    Darum geht’s in Last Samurai Standing

    1878 werden im Japan der Post-Samurai-Ära 292 Samurais in ein Spiel ums Überlebens gelockt. Der Gewinner erhält ein Riesenvermögen. Die Schlachtfeld erstreckt sich vom Tenryuji Tempel in Kyoto, einem historischen Zentrum und Heiligtum, bis hin nach Tokio. Bei diesem mysteriösen, tödlichen Spiel kann es nur einen Überlebenden geben.

    Key-Art © Netflix

    Squid Game trifft Shōgun

    Last Samurai Standing basiert auf der „Ikusagami“-Romanreihe des Historienautors Shogo Imamura, der mit dem 166. Naoki-Preis ausgezeichnet wurde. Die Geschichte des als höchst unterhaltsam gelobten historischen Romans spielt im späten 19. Jahrhundert, als sich das Zeitalter der Samurai dem Ende zuneigt. In der Meiji-Zeit versammeln sich bei Einbruch der Dunkelheit 292 erfahrene Samurai beim Tenryuji-Tempel in Kyoto. Sie alle wurden vom Versprechen eines riesigen Geldpreises angelockt. Die Regeln sind einfach: wem immer es gelingt, die hölzernen Anhänger zu klauen, die alle bekommen haben, und damit Tokio erreicht, gewinnt das Geld. Unter ihnen ist Shujiro Saga, der mit nur einem Ziel an dem tödlichen Spiel teilnimmt: Er will seine erkrankte Frau und sein Kind retten.

    So schreibt die PR von Netflix bereits vor einem knappen Jahr zum Release dieser Serie. So kommuniziert der Konzern zu Neustarts sehr selten, also kann man sich nun etwas ausmalen, welche Hoffnungen und Ambitionen das neue japanische Original auf sich vereint. Nicht wenige haben hier die Symbiose aus der Battle Royale/Squid Game-Formel und der historischen Verortung des FX-Megahits Shōgun ausgemacht – und liegen damit tatsächlich ziemlich nah dran, was dieses Format vereint. Doch hat es auch etwas Ureigenes, um nicht nur als Mash-up zweier Hits auf wackeligen Beinen zu stehen?

    Viele Déjà-vus zu Beginn

    Tatsächlich erinnert die Auftaktfolge – nach einer gut gemachten One-Take-Flashback-Szene – über weite Strecken so, als hätte man die prägenden Squid Game-Elemente ins Feudaljapan verpflanzt. Das beginnt schon bei der Charakterisierung des traumatisierten, verzweifelten Protagonisten, der in der Teilnahme an dem sich später als „Spiel“ entlarvenden Kampfkunstturnier um 100000 Yen eine einmalige Chance ausmacht. Dann gibt es die Einführung mitsamt eines Spielleiters, der in seiner Zeichnung ebenfalls aus dem koreanischen Welthit stammen könnte, es gibt die „überraschende“ Wendung, dass es um Leben und Tod geht, dann die Eskalation, die die „Spreu vom Weizen“ trennt, es gibt scheinbar skrupellose Zuschauer analog zu den VIPs aus Squid Game und es gibt bereits nach wenigen Minuten im Spiel erste Intrigen, Allianzen und heroische Momente. Wüsste man es nicht besser, man könnte Last Samurai Standing mühelos als ein Spin-Off oder Prequel verkaufen.

    Doch bei all den inhaltlich vergleichbaren Anteilen, ist es dann doch das Setting, das hier soweit von der „Kinderspielserie“, die im heutigen Korea spielt, entfernt ist, dass man trotz des Gefühls hier eine Variation abgetragener Motive vorgesetzt zu bekommen, erstmal neugierig bleibt, wohin sich das Ganze im Verlauf entwickeln wird. Es gibt hier zudem einige offenen Fragen zu den Hintergründen des Todesspiels, den Motiven der verschiedenen Teilnehmer, der Absicht der Veranstalter. Außerdem: Trotz all der Formelhaftigkeit sind diese Battle Royale-artigen Formate einfach packend, weil man immer jemanden im Teilnehmerfeld findet, mit dem man mitfiebern kann, weil man Wettkämpfen nunmal gerne beiwohnt – und weil die Konsequenz des unmittelbaren Todes aus uns allen den verkappten Voyeur nach außen kehrt.

    Action mit einigem Leerlauf

    Immer wenn es hier – im Duell, im Massenkampf oder im Einer-gegen-Alle – zur Sache geht, macht die Serie ordentlich Spaß. Dabei rollen Köpfe, spritzt richtig deftig Blut, die Teilnehmerzahl reduziert sich in Windeseile. Last Samurai Standing hätte sich allein auf diesen pulpigen Aspekt eines Battle Royale zwischen ausrangierten Schwertrecken, verzweifelten Glücksrittern und Berserkern, denen es nur um des Kämpfens Willen geht, fokussieren können und wäre vermutlich eine richtig leichtfüßige, kurzweilige Action-Serie geworden. Stattdessen aber muss es hier immer wieder menscheln. Und das nicht zu knapp für die lediglich sechs Episoden lange Staffel. Die Schicksale und Figuren-Storys sind alles andere als schlecht zusammenkonstruiert, aber in großen Teilen erwartbar – und bremsen nun mal dann das Vorankommen des Spektakels, für das mutmaßlich ein Gros der Zuschauerschaft einschaltet, immer wieder erheblich aus.

    Die Geschichte wird hier sehr groß angelegt und überfüllt mit einer politischen, einer soziokulturellen, einer nationalistischen Dimension, sodass man wirklich den Eindruck bekommt, die Macher wollen tatsächlich eher mit Shōgun konkurrieren als sich auf die lockerleichte Unterhaltung in der Tradition leichtgängiger Samurai-Actionfilme zu besinnen. Aber für die Epik der FX-Produktion fehlt es Last Samurai Standing einerseits an der historischen Verwurzelung und andererseits auch an der dafür angepassten Inszenierung.

    Last Samurai Standing © Netflix

    Charaktere wachsen – andere sterben

    Zwar scheitert die Netflix-Serie ein bisschen daran, einer der besten Serien der letzten Jahre überhaupt die Stirn zu bieten, aber das macht noch keinen Schiffbruch aus dem Vorhaben, hier eine weitere packende Show im feudalen Japan zu erzählen. Denn der maßgebliche Aspekt der Sympathieträger und verabscheuungswürdiger Bösewicht ist in Last Samurai Standing zu genüge – und mehr als nur rudimentär – vorhanden. Wenn man sich mal an die eher abgedroschen implementierte Charaktermotivation des Hauptakteurs gewöhnt hat, dann fiebert man doch mit diesem recht schnell und intensiv mit. Das liegt auch daran, dass sich hier eine klassische Gruppe aus Underdogs formiert, die zwar ebenfalls wieder dem Klischee entspricht – aber nunmal auch wieder funktioniert.

    Was ebenfalls gut zum Tragen kommt, ist der Etappenaspekt des Spiels, der sich dann über die Folgenstruktur transportiert und rechtfertigt, dass man aus diesem Sujet nicht gleich einen Film gemacht hat. Hätte man die ein oder andere emotionale Szene nicht melodramatisch in gestreckt, hätte dieser historisch-fremdländische Roadtrip aber noch einen ticken mehr Schwung und Immersion gehabt.

    Bei all den inhaltlichen Kritikpunkten ist Netflix mit diesem Original aber produktionstechnisch schon sichtlich in die Vollen gegangen, denn nicht nur die Action kann sich sehen lassen, auch die Kostüme machen Eindruck und der Kulissenbau hat alle Arbeit geleistet. Audiovisuell kommt man ziemlich nah ran an die Qualitäten des augenscheinlichen Vorbilds von FX.

    © Netflix

    Unser Fazit zu Last Samurai Standing

    3.5 Sehenswert

    Last Samurai Standing ist von Netflix mutmaßlich als direktes Konkurrenzprodukt zu Shōgun auserkoren worden. Diesen Vergleich kann die Serie wegen einiger dramaturgischer Unzulänglichkeiten nicht gewinnen, aber Spaß macht die Serie trotzdem, weil man in Sachen Action einige Argumente in die Waagschale werfen kann, weil die Figuren größtenteils gut geschrieben sind und weil man sich trotz aller Melodramatik am Ende selbst nicht zu ernst nimmt. Eine kurzweilige Action-Sause im feudalen Japan - die die Wartezeit auf die nächste Staffel von Shōgun würdig verkürzt.

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

    • Jan Werner
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