The White Lotus ist ein Phänomen und ein Hit für Netflix-Konkurrent HBO. Kein Wunder also, dass der Streaming-Marktführer nun auch ins Business der Holiday-Dramedy rein will. Doch ist The Four Seasons auch Luxus- oder eher Holzklasse?
Worum geht’s in The Four Seasons
Eine sechsköpfige Freundesgruppe will ein entspanntes Wochenende miteinander verbringen – nur um zu erfahren, dass eines der Paare in der Gruppe sich trennen wird. Die Nachrichten werfen die Paare – das sind Kate (Tina Fey) und Jack (Will Forte), Nick (Steve Carell) und Anne (Kerri Kenney-Silver) und Danny (Colman Domingo) und Claude (Marco Calvani) – völlig aus der Bahn. Im Laufe eines Jahres sehen wir die befreundete Gruppe auf vier Urlaubsreisen und erleben mit, wie sich die Veränderungen auf die Dynamik unter ihnen allen auswirken: sowohl alte als auch neue Probleme können nicht mehr länger unter den Teppich gekehrt werden.

Starbesetztes Remake statt Rip-Off
Sorry für den clickbaity Vergleich mit The White Lotus, der sich schon allein wegen des Urlaubs-Anstrichs förmlich aufdrängt und nahezu in allen Vorberichten zur Miniserie Anklang fand. Doch de facto könnte The Four Seasons von der HBO-Show kaum weiter entfernt sein – sowohl thematisch, leider aber auch in Bezug auf den Spaß beim Schauen.
In vier Doppelfolgen, die jeweils eine der vier Jahreszeiten abdecken – untermalt natürlich von der weltbekannten Vivaldi-Musik – begleiten wir hier nun also die drei befreundeten Paare, deren verschiedene Beziehungskonstellationen innerhalb dieser Etappen beleuchtet werden. Doch mit der satirischen Abhandlung a la The White Lotus hat das alles nichts zu tun. Vielmehr hat das Ganze den Charme von einem mittelmäßigen Woody Allen-Romcom-Drama auf Urlaub – inklusive der leicht neurotischen Art des Altmeisters der verschrobenen Perspektiven auf Beziehungen.
Interessanter Start, …
Grundsätzlich fängt die Serie im „Frühling“ recht vielversprechend an: Steve Carells Nick verrät bei einem Wochenende in einer entlegenen Villa seinen Freunden, pünktlich zum 25. Hochzeitstag seine Frau Anne verlassen zu wollen. Gleichzeitig will diese neuen Schwung in die Ehe bringen, in dem sie zu Nicks Überraschung arrangiert hat, in diesem Umfeld das Ehegelübde zu erneuern. Daraus ergibt sich in den ersten beiden Folgen ein schönes, kleines Versteckspiel mit einigen ziemlich guten Beobachtungen und starken charakteretablierenden Momenten.
Alle drei Pärchen haben ihre Probleme, aber prinzipiell sind die natürlich wirkenden Beziehungen in ihrer Dynamik gut gecastet und die Dialoge zum Teil messerscharf auf den Leib geschrieben. Doch ehe man sich versieht, ist dieser Part mit einer nicht ganz überzeugenden Pointe vorbei und die dritte Folge setzt mit einem Zeitsprung im „Sommer“ in einem Luxusressort, das am ehesten noch White-Lotus-Vibes versprüht, ein. Von da an wird die Serie jedoch mehr und mehr klischeehaft, die Figurenentwicklungen kontraintuitiv und irgendwie bleibt der erhoffte Biss komplett auf der Strecke.
… wenig Erkenntnis im Verlauf
Mal wieder spielt Carell doch einen Mid-Life-Crisis-Typen mit jugendlicher Freundin, natürlich kreuzen sich die Wege mit der Ex-Frau und es kommt zu einer Eskalationsspirale, die eher aus Meet the Fockers stammen könnte. Und hat man in den ersten Folgen noch Interesse an der homosexuellen Paarung von Colman Domingo (The Madness) und Marco Calvani beim Publikum wecken können, verlieren auch diese beiden schauspielerischen Powerhouses mehr und mehr an Punch.
Tina Feys und Will Fortes Ehe war von Beginn an schon der uninteressanteste Part, aber wenn man dann über acht Folgen nahezu keine Entwicklungen beobachten kann, dann ödet das schon ziemlich an. Und irgendwie gilt das dann leider auch für nahezu die ganze Miniserie, die ganz nett und mit dem ein oder anderen gelungenen Gag und emotionalen Moment vor sich hindümpelt, aber rein gar nichts an Erkenntnisgewinn parat hält.
© Netflix
Unser Fazit zu The Four Seasons
Ein bisschen Gesellschaftssatire, ein bisschen Klischee-Eat-the-Rich-Comedy, ein bisschen Woody Allen-Neurotik und ganz viel Ziellosigkeit. The Four Seasons ist in achtmal 30 Minuten ziemlich erkenntnisarm, nicht lustig oder pointiert genug und schon gar nicht erst bissig. Kann man machen, muss man aber definitiv nicht.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

