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    Those About To Die

    Jan Wernervon Jan Werner17. Juli 2024Keine Kommentare7 min Lesezeit
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    THOSE ABOUT TO DIE -- Episode 110 -- Pictured: (l-r) Jóhannes Haukur Jóhannesson as Viggo, Moe Hashim as Kwame -- (Photo by: Reiner Bajo/Peacock)
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    Roland Emmerich hat immer wieder mit futuristischen Szenarien die Welt am Abgrund gezeigt und den Katastrophenfilm so mitgeprägt. Nun aber hat er mit Those About To Die eine Serie produziert, die sich mit den Machtspielen im Alten Rom auseinandersetzt. Wie passt das zusammen?

    Those About To Die – Die offizielle Handlungsangabe

    Panem et Circenses – Brot und Spiele; Rom im Jahr 79 n.Chr.: Das Zentrum des römischen Reichs ist die reichste Stadt der Welt und es herrscht ein starker Zustrom an Sklavenarbeitern aus dem wachsenden Imperium, die die täglichen Arbeiten übernehmen. Die römische Bevölkerung – gelangweilt, ruhelos und zunehmend gewalttätig – wird vor allem von zwei Dingen unter Kontrolle gehalten: kostenloses Essen und spektakuläre Unterhaltung in Form von Wagenrennen und Gladiatorenkämpfen. Those About To Die taucht in die Welt der Spiele ein – eine Welt, die von Blutdurst, Geldgier, dem Streben nach Macht und von Korruption geprägt ist.

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    Die Rennen im Circus Maximus werden von vier patrizischen Unternehmen, den Fraktionen Blau, Rot, Weiß und Grün, kontrolliert – Anteile an den vier Fraktionen sind das Wertvollste, das es in Rom gibt. Da der Unterhaltungsgeschmack der Bevölkerung immer abgestumpfter und blutrünstiger wird, braucht es für die Gladiatorenkämpfe ein eigens dafür konzipiertes Stadium – das Kolosseum. Das Ausmaß des Stadiums, aber auch der Gladiatoren- und Tierkämpfe sind enorm, ebenso wie die Unterwelt mit dem florierenden Wettgeschäft. Unter den Tribünen arbeiten und leben tausende Menschen – viele von ihnen werden für die Spiele ihr Leben lassen.

    Game of Thrones lässt grüßen – Abklatsch oder Inspiration?

    Die Synopsis deutet an, was dann direkt der Vorspann der neuen Serie direkt bestätigt: Auffälliger könnte man kaum versuchen, im Fahrwasser von Game of Thrones zu schwimmen – beziehungsweise die trotz House of the Dragon noch immer hinterlassene Lücke zu füllen. Blut fließt über die Diorama-Version des antiken Roms, so wie im Intro der ersten Staffel des GoT-Spin-Offs das Blut den Targaryen-Stammbaum überflutete. Auch die Art und Weise, wie hier die Machtspiele zwischen den Familien angelegt sind, erinnert doch sehr an die Welt von Eis und Feuer. Dennoch ist es ja nicht verwerflich, sich an einem Erfolgsformat zu orientieren. Wenn man an anderer Stelle eigene Idee ergänzt, ist es womöglich sogar legitim.

    Zudem ist Those About To Die auch seit etlichen Jahren die erste Serienproduktion, die sich an die Zeit des Römischen Reiches herantraut. Zwar waren Rome und Spartacus im „golden age of television“ bahnbrechende Formate und noch heute genießen die Serien für viele Fans Kultstatus – doch gleichzeitig sind inzwischen einige Jahre ins Land gezogen und längst wurde nicht die ganze Epoche der Römer schon allumfassend in fiktionalen Formaten abgebildet. So widmet man sich in diesem Neustart nun also dem Zeitraum rund um die Erbauung des Kolosseum und spinnt darum ein „Spiel der Throne“ in der altrömischen Unterhaltungsindustrie bzw. Sportwettenwelt.

    Das klingt dann wiederum so nach Emmerich, dass eigentlich jedem klar sein dürfte, dass die Serie keinerlei Anspruch hat, historisch akkurat zu sein, sondern einzig und allein eben Rom als Setting auserkoren hat, um ein Alleinstellungsmerkmal für eine Konstellation zu haben, die vielleicht in jeder X-beliebigen Ära ebenfalls hätte Platz finden können.

    Optisch eigen, aber hochwertig

    Und obgleich man selten den Eindruck vermittelt bekommt, hier tatsächlich ins Rom kurz nach Jahr Null zurückversetzt zu werden, gelingt es Emmerich durch einen speziellen Look eine ganz eigene Welt zu kreieren. Das Bild hat ein fast groteskes Level an digitaler Schärfe, die Kontraste sind überdramatisch, doch die Effekte sind gleichermaßen stimmig in diesem Zusammenhang. Auch in Sachen Color Grading ist man deutlich näher dran an Zack Snyder und 300 als an beispielsweise Wolfgang Petersens Troja. Der Himmel ist permanent gülden, als wäre den ganzen Tag Sonnenuntergang. Diese Künstlichkeit aber steht der in allen Belangen anachronistischen Darstellung Roms gut zu Gesicht.

    Die Dialoge sind dann ebenfalls so weit entfernt davon, was man womöglich auf Basis rudimentärer Erinnerungen an den schulischen Lateinunterricht als authentisch bezeichnen würde, wirken streckenweise fast schon grotesk modern. Aber sind wir mal ehrlich: Kein Mensch – Lateinlehrer und Bewohner des Vatikan ausgenommen – würde sich auch nur fünf Minuten eines Unterhaltungsformats ansehen, würden Gespräche wirklich so ausgetragen, wie uns in der Schule weißgemacht wurde.

    Ein Ränkespiel, das sich komplexer verkauft als es ist

    Am Unterfangen, sich mit Game of Thrones messen zu wollen, haben sich Dutzende Formate in den letzten Jahren, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, versucht. So konnten insbesondere die Serien, die sich der nordischen und angelsächsischen Historie zugewandt haben, durchaus punkten. Vikings, The Last Kingdom, Britannia sind allesamt gelungen, während das deutsche Pendant Barbaren eher belächelt wurde. Allen genannten Titeln ist dabei eins, was auch Those About To Die von GoT unterscheidet: auch wenn die Szenarien teils mythisch aufgeladen, überdramatisiert und zugespitzt sind, wird auf die Fantasiewelt-Element, wie sie sich George R. R. Martin erdacht hat, verzichtet. Dementsprechend muss sich jedoch die Spannung noch mehr aus den Intrigen und den politischen Sphären ableiten. Das wiederum führt dann zum zweiten großen Einflussgeber der Genannten: Denn dramaturgischen bedient sich nahezu jedes Historiendrama aus der Shakespeare’schen Mottenkiste.

    Damit ist dann irgendwann aber auch der Fundus an möglichen Konfliktkonstellationen zwischen oder innerhalb von Familien und zwischen rivalisierenden Clans ausgeschöpft. Hier merkt man dann am ehesten, dass obgleich die Verortung in Rom für frischen Wind im Genre sorgt, leichte Vorhersehbarkeits- beziehungsweise Abnutzungsprobleme. Diese können immer ganz gut noch aufgefangen werden, werden die Handlungsträger so interessant sind, dass sie kaschieren, dass man eigentlich den Ausgang schon absehen kann. An dieser Stelle hat man auf jeden Fall unter anderem mit Iwan Rheon und Anthony Hopkins schon einmal Personal im Cast, das qua Reputation Interesse für die Figuren mitbringt.

    Brot und Spiele – für Streamingabonnenten

    Laut Emmerich soll in seiner Serie auch vermittelt werden, wie sich im damaligen Rom die politischen Spiel in der Arena im Sport spiegelten. Paradoxerweise sind ja quasi solche Produktionen wie Those About To Die das moderne Äquivalent zu der Materie, die innerhalb der Serie beleuchtet wird: Gladiatorenkämpfe und Pferderennen waren die (Live-)Unterhaltung der Antike, Streaming und Fernsehen liefert uns heute Brot und Spiele ins Wohnzimmer, aufs Smartphone oder auf die Leinwand.

    Dementsprechend sollte man dann bei allem Anspruch an verschiedene Qualitätsparameter nie außer Acht lassen, worum es im Kern doch geht. Und zwar: gut unterhalten zu werden. Bei allem Stumpfsinn und Trash-Charme, kann man der Emmerich-Serie nicht absprechen, dass ihr gelingt einen gewissen Sog aufzubauen und Spaß zu machen. Ich würde an dieser Stelle auch dem Macher unterstellen, hier nie mit der Absicht angetreten zu sein, ein authentisches Historiendrama zu verfilmen, sondern tatsächlich ein theatralisches Hochglanz-B-Movie-Serienformat – und das ist dem Independence Day-Macher gelungen.

    Immer wieder hat die Staffel hochspannende Szenen und kulminierende Momente, bei denen man den Blick nicht abwenden kann. Darüberhinaus sind die Kämpfe wuchtig, haben eine gewisse Härte und Rohheit (deutlich von Spartacus entfernt) und das leicht zum Over-Acting neigende Spiel des Starcast macht auch Laune, wenn man sich damit arrangiert.

    Gladiatoren im Sand – Kampf um Leben und Tod © Peacock

    Gut für Amazon, keine Konkurrenz für Scott

    Die Peacock-Produktion, die hierzulande bei Prime Video lizensiert läuft, ist definitiv kein schlechter Titel, um den Streamingkatalog des Versandriesen in Sachen Erwachsenenunterhaltung zu verbreitern. Mit der Promo zielt man dabei eindeutig auf die blutdurstigen Fans der HBO-/Starz-Gladiatoren-Vorläufer und wird diese mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht enttäuschen. Dramaturgisch schlägt der Newcomer in eine ähnliche Kerbe und hat den leichten B-Movie-Touch ebenfalls übernommen. Lediglich, wer sich eine ähnlich epische und tiefgehende Charakterisierung altrömischer Heroen erwartet, wie wir sie in Gladiator bekommen haben, sollte besser die Daumen drücken, dass das Sequel hierzu, das Ende des Jahres ins Kino kommt, nochmal an die Sternstunde Ridley Scotts anknüpfen kann. Wer sich aber allein schon über die popkulturelle Beachtung des römischen Reichs freut (also laut TikTok wohl alle Männer…), der darf sich freuen, dass in diesem Jahr zwei so hochwertig produzierte Formate sich der Epoche annehmen.

    © Amazon Studios/Peacock

    Unser Fazit zu Those About To Die

    3.0 Okay

    Those About To Die ist ein durchaus spannender Ansatz, eine Historienserie wie ein modernes Sport-Business-Drama zu erzählen. Und dieses Konzept geht auch über weite Strecken auf, weiß zu unterhalten und vor allem die verwendeten Versatzstücke richtig einzusetzen. Dennoch können all das Blut innerhalb der Folgen und das hohe Budget, das in das Projekt geflossen ist, nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Emmerich-Werk eine wirklich eigene Identität abgeht. Dementsprechend wäre womöglich mehr drin gewesen und mehr nötig gewesen, um tatsächlich später in einer Reihe mit Rome und Spartacus genannt zu werden.

    Bislang gibt es nur diese Staffel und ob es eine weitere geben wird, ist unklar. Was man der Serie zugute halten muss, ist, dass sie auch ganz gut als Miniserie stehen bleiben könnte.

    Those About To Die startete am 18. Juli 2024 mit allen Folgen bei Amazon Prime Video.

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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