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Alessandro Borghi als Remus im Kampgetümmel

The First King – Romulus & Remus

Matteo Rovere zeigt mit The First King – Romulus & Remus seine raue und unbarmherzige Interpretation der Sage um die Gebrüder Romulus und Remus.

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TitelThe First King – Romulus & Remus (OT: Il primo re)
Jahr 2019
Land Belgien, Italien
Regie Matteo Rovere
Drehbuch Filippo Gravino, Francesca Manieri, Matteo Rovere
Genre Action, Historienfilm
Darsteller Alessandro Borghi, Alessio Lapice, Tania Garribba, Massimiliano Rossi, Michael Schermi, Max Malatesta, Vincenzo Pirrotta
Länge 123 Minuten (uncut)
FSK ab 18 Jahren freigegeben (uncut)
Verleih Capelight Pictures
Das Steelbook zu The First King - Romulus & Remus
Das Cover des deutschen Blu-ray-Steelbooks | The First King – Romulus & Remus © capelight pictures

Die Sage von Romulus und Remus stellt einen historischen Klassiker dar. Der Legende nach werden beide Brüder am Tiber ausgesetzt und dort durch Zufall von einer Wölfin gefunden. Diese brachte beide in ihre Höhle und umsorgte sie dort. Hirten sahen dieses ungewöhnliche Spektakel, nahmen die Knaben auf und ließen sie unter ihrer Obhut aufwachsen. Am Ende einer Odyssee aus Familienzwist und Ränkespielen wurde beiden erlaubt, an der Stelle, an welcher sie als Knaben ausgesetzt wurden, eine neue Stadt zu gründen. Mittels Orakel wurde Romulus zum Namensgeber und Herrscher der Stadt ernannt. Als er jedoch Mauer und Graben anlegen ließ, übersprang sein Bruder Remus die notdürftigen Mauern und verspottete Romulus dadurch. Romulus wurde außer sich vor Zorn und erschlug seinen Bruder mit den Worten: “So möge es jedem ergehen, der über meine Mauern springt!”

In The First King werden Sklaven in einer Arena zu Kämpfen gezwungen
Beide Brüder sind gezwungen, sich in brutalen Sklavenkämpfen zu beweisen. | The First King – Romulus & Remus © capelight pictures

Düstere Historie

Regisseur Rovere unterzieht die Sage einer radikalen Entschlackung und zeichnet ein brutales Schlachtengemälde. Hier gibt es keine gnadenvoll eingreifenden Götter und auch keine verklärte Romantik. Roveres Geschichtsstunde präsentiert sich dreckig und blutig – und gerade deswegen als geerdet.

So werden Romulus und Remus nicht von einer Wölfin aus ihrer misslichen Lage befreit, sondern allein durch körperliche Gewalt: Als Sklaven in Alba Longa müssen sie sich in gnadenlosen Kämpfen beweisen. Lange vor Spartacus proben die Brüder erfolgreich den Sklavenaufstand, bei dem allerdings Remulus schwer verwundet wird. Mit der Vesta-Priesterin Satnei als Geisel befindet sich die Gruppe von nun an auf der Flucht vor den rachedürstenden Soldaten aus Alba Longa…


Ihr Weg führt sie dabei durch vermeintlich verfluchte Wälder und morastige Felder. Das Setting trägt viel zur düsteren und gefahrvollen Atmosphäre bei. Auch wenn Götter und sonstige Mysterien keinen grafischen Einzug halten, so schwebt deren Allmacht, gleich einem Damoklesschwert, dennoch über allen Dialogen und Handlungen der Protagonisten. Unterstrichen wird diese mythische Atmosphäre von der famosen Optik: Dichter Nebel wallt über den Boden und verschluckt das Sonnenlicht, welches in surrealer Weise als god rays durch die Baumkronen schimmert.

Hinzu kommen die brachialen Auseinandersetzungen, die zwar nie in riesige Schlachten ausarten, sich aber gerade deswegen durch ihre Unmittelbarkeit und individuelle Gefahr auszeichnen. Rovere lässt auch keinen Zweifel an der Endgültigkeit dieser archaischen Zusammenstöße von Klinge oder Beil mit Haut und Knochen aufkommen. Die Kämpfe sind naturalistisch und zeichnen sich durch wuchtige Direktheit aus. Deren Brutalität findet sich erfreulicherweise auch in der Anwendung praktischer Effekte wieder.

Alessandro Borghi als Remus und seine Männer annektieren ein Dorf | The First King - Romulus & Remus
In den mystischen Wäldern herrscht eine eben solche Lichtstimmung vor. © capelight pictures

Romulus – The First King

Historische Filme nach ihrer historischen Akkuratesse zu beurteilen, ist natürlich schwierig bis nahezu unmöglich. Rovere gibt sich allerdings große Mühe, seinem Film einen authentischen Anstrich zu verleihen. Ähnlich zu Gibsons letzten historischen Werken (Die Passion Christi, Apocalypto) ist die Ausstattung glaubwürdig. Kleidung, Bauten und Landschaften wirken angemessen, zumal es wenige Filme gibt, die in dieser Zeitepoche spielen. Zusätzlich wird in Muttersprache kommuniziert, zumindest in der originalen Tonspur. Viel gesprochen wird zwar nicht, ein nettes Detail ist diese Art der Vertonung dennoch.

The First King – Romulus & Remus ist also kein wortgewandtes Drama, sondern überzeugt eher mit seiner greifbaren Struktur. Wer das Prinzip der zu Grunde liegenden Erzählung kennt, den wird der Ausgang des Filmes also weniger überraschen. Schauspielerisch kann er dafür aber überzeugen. Als spannend gestaltet sich insbesondere der Aspekt, den Zuschauer in seiner Sympathie für Romulus und Remus schwanken zu lassen.

Remus, im Original Remo, durchläuft dabei den größten Wandel: Vom aufopferungsvollen Verteidiger seines geschwächten Bruders über den gnadenlosen Eroberungskrieger hin zum völlig wahnsinnigen Despoten erinnert er dabei fast schon an Colonel Kurtz aus Apocalypse Now. Das sumpfige, undurchdringliche und feindselige Land verstärkt diese Atmosphäre nur.

Romolo, wie Romulus im originalen Wortlaut heißt, liegt über lange Zeit hilf- und beinahe leblos auf einer Bahre. Erst gegen Ende des Films entsteigt er seinem Totenbett und füllt die Rolle des vernunftbegabten Gegenpols zu seinem zusehends größenwahnsinnigeren Bruder.

Alessandro Borghi als Remus am Krankenlager seines Bruder Romulus, gespielt von Alessio Lapice in The First King - Romulus & Remus
Remus (Alessandro Borghi) kümmert sich um seinen Bruder Romulus (Alessio Lapice). | The First King – Romulus & Remus © capelight pictures/Fabio Lovino

Aus Stahl geschmiedet

Die brutale Geschichtsstunde erhielt von der FSK den ungeschnittenen Segen für volljährige Konsumenten. Von Capelight Pictures veröffentlicht, haben Interessenten seit dem 8.11.2019 die Wahl zwischen einer DVD, einem Blu-ray-Steelbook und diversen VOD-Anbietern. Für Sammler ist natürlich das Steelbook von besonderem Interesse, zumal es sich mit seiner glatten Haptik und dem geprägten Schriftzug durchaus sehen lassen kann.

Freunde brachialen Geschichtsunterrichts, die endlich wieder Schwert und Schild schultern wollen, kommen hier auf ihre Kosten. Wenngleich The First King – Romulus & Remus kein monumentales Epos im Stile eines Gladiator, Troja oder Alexander wird und auch gar nicht mit den alten Sandalenfilmen wie Lawrence von Arabien oder Ben Hur verglichen werden kann, weiß er durch seine kleine und feine Ausstattung zu überzeugen. Die Reduktion der sagenumwobenen Geschichte von der Gründung Roms lässt die Historie plastischer und nachvollziehbarer auferstehen.

Matteo Rovere hat das zweite Jahrzehnt des 2000er-Jahrgangs sicherlich nicht in puncto Historienepos wiederbelebt, aber einen äußerst sehenswerten Beitrag geliefert. Intensive Gefechte und mystische Bilder entführen den Zuschauer mit Leichtigkeit in das Jahr 753 vor Christi. So paradox es klingen mag: Es ist vor allem diese kleine Größe, die The First King – Romulus & Remus so nahbar werden lässt. Nicht der monumentale Bombast lässt den Atem stocken, sondern die brutale Auseinandersetzung mit den Figuren.

Unsere Wertung:

 

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