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The Tale

The Tale – Die Erinnerung mit Laura Dern ist die Verfilmung einer Kurzgeschichte aus der Jugend von Jennifer Fox, in der sie über die Erfahrungen und Misshandlungen an einem Reiterhof berichtet, die sie zunächst verdrängt hatte und nun wieder hochkommen. Lest in diesem Beitrag, warum man Regisseurin Fox für diesen Film und die Tatsache danken sollte, den Zuschauer so schonungslos an ihrer Vergangenheit teilhaben zu lassen!

TitelThe Tale – Die Erinnerung (Originaltitel: The Tale)
Jahr2018
ProduktionslandUSA
RegieJennifer Fox
DrehbuchJennifer Fox
GenreDrama, Thriller
DarstellerLaura Dern, Elizabeth Debicki, Ellen Burstyn, Frances Conroy, Common, Noah Lomax, Laura Allen, Chelsea Alden, John Heard, Jason Ritter, Isabella Amara, Matthew Rauch, Isabelle Nélisse, Jaqueline Fleming, Jodi Long, Tina Parker, Emily Sandifer, Scott Takeda, Thom Bishops, Grant James, Gretchen Koerner, Brett Justin Koppel, Daniel Berson
Länge110 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihCapelight Pictures
Das DVD Cover von The Tale - Die Erinnerung. © Capelight Pictures
Das DVD Cover von The Tale – Die Erinnerung. © Capelight Pictures

Die Story von The Tale – Die Erinnerung

Eigentlich führt Jennifer Fox (Laura Dern) ein glückliches und modernes Leben. Sie wohnt in New York City und ist als Dokumentarfilmerin tätig. Als ihre Vergangenheit sie jedoch in Form einer Kurzgeschichte aus ihrer Jugendzeit einholt, gerät ihr bisheriges Leben aus den Fugen. Jennifers Mutter Nettie (Ellen Burstyn) ist über diese Kurzgeschichte gestolpert, in der Jennifer im Alter von 13 Jahren über ihre Zeit auf einem Reithof berichtet. Besonders beunruhigend ist das, was sie über ihre Reitlehrerin (Elizabeth Debicki) und ihren Lauftrainer (Jason Ritter) geschrieben hat. Als ihre Mutter immer mehr darauf pocht, dass sich Jennifer noch einmal mit ihrer Vergangenheit auseinander setzen solle, sieht diese ihre ehemaligen Lehrer auf dem Reithof in einem völlig anderen Licht. Kann sie ihr Leben nun überhaupt noch wie bisher weiterführen?

Erinnerung und Realität

Laura Dern und Jason Ritter in The Tale - Die Erinnerung. © Capelight Pictures
Laura Dern und Jason Ritter in The Tale – Die Erinnerung. © Capelight Pictures

Kannst du mir nicht einfach meine eigenen Erinnerungen lassen?

Es spricht Bände für die emotionale Aufgeladenheit des Streifens, dass Regisseurin Jennifer Fox 40 Jahre brauchte, um diese Vergangenheit zu verdauen und diese auf die Leinwand zu bringen. Dieses autobiografische Werk, das sie damals im Alter von 13 geschrieben hat, ist an vielen Stellen berührend, wundervoll und grausam. Hut ab dafür, dass Fox gemeinsam mit dem Zuschauer oder Leser ihre eigene Vergangenheit so schonungslos erkundet. An dieser Stelle sei euch übrigens wärmstens empfohlen, den Film mit dem Kommentar der Regisseurin zu schauen.

Es ist wahnsinnig schön, mit ihr in ihren verwaschenen Erinnerungen zu schwelgen. Und es ist wahnsinnig ergreifend, wenn sich der Nebel in diesen Erinnerungen lichtet. Wenn sie nach und nach ihr eigenes Selbstbild hinterfragt. Dabei wird das Thema komplex und auf vielen zusätzlichen Ebenen, wie dem Mutter-Tochter-Konflikt, behandelt und geht mitunter recht schonungslos vor. Auf die Frage hin, warum Jennifer Fox in ihrem Film Sexszenen zeigt, sagte sie, dass man es erst dann wirklich verstehen und fühlen könne, wenn man es zu sehen bekommt. Und das tut man. Diese Szenen sind zwar im Rahmen einer FSK 12 Freigabe, aber nur schwer zu ertragen, da man stets im Hinterkopf hat, dass das Mädchen erst 13 Jahre alt ist. Dennoch sind diese Szenen aber auch gleichzeitig mit jeder Menge Feingefühl inszeniert, da Fox von einer eigentlich liebevollen Beziehung sprach, die jedoch im starken Kontrast zu den Grenzüberschreitungen stehen sollte.

Warum ein Spielfilm und kein Dokumentarfilm?

Fox beim Aufschlüsseln ihrer Vergangenheit in The Tale - Die Erinnerung. © Capelight Pictures
Fox beim Aufschlüsseln ihrer Vergangenheit in The Tale – Die Erinnerung. © Capelight Pictures

Eine Frage, die Jennifer Fox oft gestellt wird ist, warum sie einen Spielfilm und keinen Dokumentarfilm gedreht hat. Immerhin hat sie die vergangenen 30 Jahre Dokumentarfilme gedreht. Der Grund dafür sei laut Fox einfach: Die echten Mr. und Mrs. G. würden sich niemals zu den Vorkommnissen und Misshandlungen äußern. Außerdem ließe sich über dieses Medium weitaus besser mit dem Thema Erinnerung spielen, was ihr anbei bemerkt hervorragend gelingt. Inwieweit entsprechen Erinnerungen der Realität? Wo muss man die Grenzen ziehen? Sollte man sich für die Wahrheit oder das eigene, unbedarfte Glück entscheiden?

Helden und Opfer in Fox’ Geschichte

Isabelle Nélisse als Jennifer im Alter von 13 Jahren in The Tale - Die Erinnerung. © Capelight Pictures
Isabelle Nélisse als Jennifer im Alter von 13 Jahren in The Tale – Die Erinnerung. © Capelight Pictures

Komisch, wie man die Leute im Kopf behält. In der Erinnerung bleiben sie immer gleich. Und man ist glücklich mit ihnen. Man will nicht, dass sich je etwas ändert.

Trotz all dem, was Fox in ihren jungen Jahren durchgemacht hat, ist sie überzeugt davon, oder zumindest ein Teil von ihr, dass sie obgleich der Misshandlungen nicht das Opfer dieser Geschichte ist. Sehr zum Leidwesen ihrer Mutter, die sie stets bemüht ist, sie von dem Gegenteil zu überzeugen, damit die Täter die harten Konsequenzen zu spüren bekommen. Aber die junge Fox hat sich dazu entschieden, sich als Heldin der Geschichte zu sehen, denn ihrer Meinung nach waren es letzten Endes ihre Peiniger, die an ihrem Handeln zerbrachen und somit zu den Opfern wurden.

Schmerzhaft muss Fox feststellen, dass einige Menschen in der Realität widerlich sind, die vorher so stark gewesen zu sein schienen. Letztlich lag wohl nur in ihren Worten Stärke. Auch das Thema der Scham wird in The Tale – Die Erinnerung behandelt. Muss man sich schämen? Kann man sein Leben dann überhaupt noch normal weiterführen? Ihr jüngeres Ich hat sich bewusst für die schamlose Heldenrolle und das Schweigen entschieden. Ihr erwachsenes Ich konfrontiert sie jedoch mit der erschütternden Wahrheit, und die Wichtigkeit der offenen Akzeptanz und Auseinandersetzung mit dieser wird deutlich.

Mein Fazit zu The Tale – Die Erinnerung

Seien es die Darsteller oder die Geschichte: The Tale – Die Erinnerung glänzt in beiden Belangen. Laura Dern (Hard Powder, Star Wars 8 – Die letzten Jedi) spielt wirklich hingebungsvoll, brilliert in ihrer Rolle und Ellen Burstyn (Requiem for a Dream) kann ohnehin nur herzzerreißend spielen. In diesem kraftvollen Film werde ich gewiss noch ein weiteres Mal wie in bittersüßen Erinnerungen schwelgen. Danke für diese schonungslose und mutige Selbstoffenbarung, Ms. Fox, und danke für diesen Film.

Unsere Wertung:

 

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© Capelight Pictures

FilmFreund

Ein Tag ohne einen Film ist wie ein Sommer ohne Sonne. :)
Filme sind für mich mehr als nur einfacher Eskapismus oder psychedelischer Zeitvertreib; Was jetzt nicht bedeuten soll, dass ich mich mit der Möglichkeit via Filmen andere Leben zu (er)leben nicht auch gerne mitunter vordergründig hingebe.
Ich bin offen für jedes einzelne Genre und lasse mich eigentlich gerne positiv überraschen, greife aber eher zum hundertelfzigsten mal zu einem bekannten Film, statt mich sofort ins "Neuland" zu stürzen.
Mit FilmToast habe ich eine tolle Plattform gefunden, meine Gedanken ansprechend niederzuschreiben und ich freue mich stets über regen Austausch unter Gleichgesinnten, aber ebenso unter Ungleichgesinnten.
Und jedem, der so weit gelesen hat, wünsche ich noch einen tollen Tag.
(^-^)/

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