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Debra Winger als Sissy blickt John Travolta als Bud Davis in "Urban Cowboy" leidenschaftlich an, während sich dieser an einem Bartresen mit ihr unterhält.

Urban Cowboy

40 Jahre nach seinem Kinostart erscheint das Western-Liebesdrama Urban Cowboy auf Blu-Ray. Wir haben uns den Film mit dem jungen John Travolta zu Gemüte geführt, um in Erfahrung zu bringen, wie er heute wirkt.

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TitelUrban Cowboy
Jahr1980
LandUSA
RegieJames Bridges
DrehbuchJames Bridges, Aaron Latham
GenreDrama, Romanze, Western
DarstellerJohn Travolta, Debra Winger, Scott Glenn, Madolyn Smith Osborne, Barry Corbin, Cooper Huckabee, Mickey Gilley, Bonnie Raitt, Charlie Daniels, Johnny Lee
Länge132 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihParamount Pictures
John Travolta mit Cowboyhut auf dem Cover der neuen Blu-Ray von "Urban Cowboy".
Das Cover der neuen Blu-Ray von “Urban Cowboy”. Quelle: “Urban Cowboy”, erhältlich auf DVD & Bluray, (© Paramount Pictures)

Die Handlung von Urban Cowboy

Der junge Hilfsarbeiter Bud Davis (John Travolta) zieht aus seiner Heimatstadt nach Pasadena, Texas, um Arbeit zu finden. Sein Onkel Bob (Barry Corbin) nimmt ihn vorübergehend bei sich auf und verschafft ihm einen Job in einer Ölraffinerie, in der er selbst arbeitet. Nachts nimmt er Bud in den riesigen Saloon „Gilley’s“ mit. Dort macht dieser die Bekanntschaft der jungen Frau Sissy (Debra Winger). Trotz anfänglicher Antipathie verlieben sich die beiden ineinander und heiraten schließlich.

Jedoch kommt es alsbald zu Spannungen; ausgelöst durch Buds Leidenschaft für das Reiten eines mechanischen Rodeo-Bullen. Da er Sissy dieses verbietet und sie zudem Interesse für den neuen „Gilley’s“-Mitarbeiter Wes (Scott Glenn), einen ehemaligen Sträfling, entwickelt, zerstreiten sich die beiden. Sie flüchten sich in Affären: Sissy zieht zu Wes, Bud beginnt ein Verhältnis mit der extravaganten Pam (Madolyn Smith Osborne). Da sich Wes jedoch als gewalttätig entpuppt und Buds Beziehung mit Pam ihm keine Erfüllung bietet, sehnen die beiden sich bald wieder nach dem jeweils anderen. Wird es dem Urban Cowboy gelingen, seine Liebe zurück zu gewinnen?

Urban Cowboy – der erfolgreichste Film John Travoltas in den 80er Jahren

Urban Cowboy war John Travoltas größter Erfolg bei Publikum und Kritik, den er in den 80er Jahren hatte. Zwar gab es finanziell erfolgreichere Filme mit seiner Mitwirkung wie Staying Alive und Kuck mal, wer da spricht, diese stießen allerdings auf ein gemischtes bis negatives Kritikerecho. Mit Urban Cowboy gelang es ihm, vorübergehend auf der Welle von Saturday Night Fever und Grease, die ihn Ende der 70er Jahre berühmt gemacht hatten, mitzureiten und gleichzeitig Kritiker wie Zuschauer zu überzeugen. Freilich war dies auch das Verdienst von Regisseur und Drehbuchautor James Bridges.

John Travolta reitet als Bud Davis in "Urban Cowboy" auf einem mechanischen Rodeobullen.
Bud Davis (John Travolta) entwickelt eine Leidenschaft für das Rodeoreiten. Quelle: “Urban Cowboy”, erhältlich auf DVD & Bluray, (© Paramount Pictures)

Bridges, dessen vorherige Regiearbeit Das China-Syndrom für vier Oscars nominiert worden war, gelang es, eine formelhafte Geschichte mitreißend zu erzählen. Die Handlung von Urban Cowboy basiert auf einem Artikel aus dem „Esquire“-Magazin von Co-Drehbuchautor Aaron Latham über das Nachtleben in Pasadena. Dieser handelte von der Romanze zwischen zwei echten „Gilley’s“-Stammgästen, die als Inspiration für die Hauptfiguren des Films dienten. Und obwohl Bud und Sissy keine tiefgründigen Charaktere sind und der Verlauf ihrer Beziehung vorhersehbar ist, entwickelt die Geschichte einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann.

Talentierte Darsteller in einer souveränen Inszenierung

Was zum einen James Bridges’ Inszenierung zu verdanken ist, welche die Handlung zunächst zügig voranschreiten und kaum Langeweile aufkommen lässt. Unterstützt von Reynaldo Villalobos, der hier sein Debüt als Chefkameramann gab, und die dynamische Montage David Rawlins’ konnte Bridges vor allem die Nachtclubszenen sehr unterhaltsam gestalten. Der real existierende Drehort „Gilley’s“ wurde optimal genutzt. Besonders eindrucksvoll ist dabei ein lasziver Tanz Debra Wingers auf dem mechanischen Rodeo-Bullen geraten.

Debra Winger als Sissy blickt John Travolta als Bud Davis in "Urban Cowboy" leidenschaftlich an, während sich dieser an einem Bartresen mit ihr unterhält.
Bud und Sissy (Debra Winger) lernen sich im “Gilley’s” kennen, verlieben sich ineinander… Quelle: “Urban Cowboy”, erhältlich auf DVD & Bluray, (© Paramount Pictures)

Zum anderen sorgen die hervorragenden Akteure dafür, dass sich eine Bindung zu ihren Figuren aufbaut. Der junge John Travolta ist als naiver und ungestümer Bud ebenso überzeugend wie die bis dahin kaum bekannte Debra Winger (Ein Offizier und Gentleman) als schlagfertige Sissy. Scott Glenn als zwielichtiger Wes strahlt in seinen Szenen Coolness und Bedrohlichkeit aus. Schauspielveteran Barry Corbin (No Country For Old Men) als einfühlsamer Onkel Bob, Cooper Huckabee (Gettysburg, Django Unchained) als Buds lebenslustiger Freund Marshall und Madolyn Smith Osborne in ihrem Filmdebüt als verführerische Pam füllen ihre Rollen ebenfalls mit Leben.

Eine weniger gelungene Erzählung mit konservativem Subtext

Zu kritisieren ist an Urban Cowboy aber, dass ihm etwa ab der Hälfte die Puste ausgeht. Nachdem es zwischen Bud und Sissy zum Zerwürfnis kam, schleppt sich die Handlung eher dahin. Mehr als eine Szene ist redundant und hätte besser rausgekürzt werden sollen. Zumal Urban Cowboy mit seinen über zwei Stunden Laufzeit auch zu lang ist. Erst kurz vorm Showdown kann der Film wieder Tempo und Spannung aufbauen.

Außerdem ist die Romanze zwischen Bud und Sissy leider nicht ganz glaubhaft geraten. Beziehungsweise wird sie eher ungeschickt erzählt. So folgt die Hochzeit der beiden ziemlich unvermittelt direkt auf eine Szene, in der sie sich zuvor heftig stritten und sich Bud zudem sehr aufdringlich gegenüber Sissy verhielt. Damit einher geht auch eine eher konservative Grundhaltung. Bud macht Sissy in der Ehe beispielsweise andauernd Vorschriften und erwartet, dass sie sich seinem Willen fügt. Auch wenn sie als toughe Frau gezeichnet wird, die selbst arbeitet und auch viele Szenen aus ihrer Perspektive gezeigt werden, so ist in Urban Cowboy doch eine Tendenz erkennbar, die stärker mit seiner Sichtweise sympathisiert.

John Travolta als Bud und Debra Winger als Sissy sind in "Urban Cowboy" lachend als weiß gekleidetes Ehepaar zu sehen.
…und heiraten schließlich. Quelle: “Urban Cowboy”, erhältlich auf DVD & Bluray, (© Paramount Pictures)

Der Antagonist Wes erscheint so einfach nur als der schlimmere Macho von beiden. Auch wenn in der zweiten Hälfte Buds Wandlung zu einem verständnisvolleren Menschen Thema ist, so reproduziert Urban Cowboy doch in erster Linie Western-Mythen mit einem antiquierten Rollenbild. Seinen Titel trägt er so immerhin nicht zu Unrecht. Und man kann es ihm auch hoch anrechnen, dass die sexuell freizügige Pam nicht als eindimensionales Luder gezeichnet wird. Etwas mehr Grauzeichnung und Raffinesse im Pacing und Storytelling hätte dem Film aber gut getan.

Urban Cowboy als Wiederbelebung für das Country-Musikgenre

Womit Urban Cowboy aber definitiv noch punkten kann, ist sein Soundtrack. Dieser setzt sich zusammen aus zahlreichen flotten und auch gefühlvollen Country-Songs. Mehrere Interpreten treten dazu selbst im Film auf. Darunter die Charlie Daniels Band, welche hier ihren größten Hit „The Devil Went Down To Georgia“ zum Besten gibt. Auch zu sehen sind u.a. Bonnie Raitt, Johnny Lee und Mickey Gilley, der auch im echten Leben Besitzer des nach ihm benannten Clubs war. Das „Gilley’s“ erhielt einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als „Größter Honky-Tonk der Welt“. Ende der 80er Jahre musste der Club jedoch schließen und brannte kurz darauf ab.

Kurz nach dem Kinostart von Urban Cowboy gelangte Mickey Gilley aber noch auf den Höhepunkt seines Erfolgs. Der Film machte ihn, seinen Club und das Country-Genre an sich einer sehr breiten Öffentlichkeit bekannt. Durch ganze sechs ausgekoppelte Singles konnte der Soundtrack den auftretenden Musikern einen Erfolgsschub verleihen. Gilleys Cover von Ben E. Kings „Stand By Me“ sowie die Lieder von Johnny Lee und Anne Murray stiegen sogar auf Platz 1 der US-Country-Charts ein. Alle drei Musiker zehren noch heute vom Bekanntheitsgrad des Films.

Die Chalie Daniels Band tritt in "Urban Cowboy" auf einer Nachtclubbühne als sie selbst auf.
Die Chalie Daniels Band sorgt im “Gilley’s” für gute Stimmung. Quelle: “Urban Cowboy”, erhältlich auf DVD & Bluray, (© Paramount Pictures)

Unser Fazit zu Urban Cowboy und der neuen Blu-ray

Urban Cowboy ist so insgesamt zwar nicht der große Wurf, da die Handlung vorhersehbar, klischeehaft und eher ungeschickt erzählt ist. Die flotte Inszenierung, die herausragenden Schauspieler und der energiegeladene Soundtrack wiegen das jedoch mehr als auf. Wer Country-Fan ist und sich gerne Liebesfilme anschaut, macht mit dieser kleinen 80er-Jahre-Perle definitiv nichts falsch.

Ganze 40 Jahre nach seinem Kinostart erscheint Urban Cowboy nun erstmals auf Blu-ray. Bild und Ton wurden hervorragend restauriert, sodass das Filmkorn erhalten blieb, das Bild aber dennoch gestochen scharf ist. Dazu finden sich mehrere interessante Extras auf der Disc. Darunter ein aktuelles Interview mit Mickey Gilley, in dem dieser selbstironisch auf seine Karriere, die Geschichte seines Clubs und den Film zurück blickt. Sowie mehrere entfernte Szenen, die etwas zusätzliche Charakterzeichnung beifügen, aber aus verständlichen Gründen rausflogen. Und zuletzt sind noch Outtakes und Probeaufnahmen von den Tanzszenen enthalten.

Urban Cowboy ist ab dem 23.07.2020 als Blu-ray von Paramount Pictures erhältlich.

Unsere Wertung:

 

 

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