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Victoria und die Jungs stehen in einer Reihe in einem Parkhaus, sie sehen angespannt aus

Victoria

Eine packende Crime-Story, erzählt in nur einem einzigen Take? Victoria hat sich mit seiner anspruchsvollen Inszenierung ein ganz schön hohes Ziel gesteckt. Aber kann der deutsche Krimi auch abseits seiner spektakulären Kamera überzeugen oder verkommt das Gimmick zum reinen Selbstzweck?

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TitelVictoria
Jahr2015
LandDeutschland
RegieSebastian Schipper
DrehbuchSebastian Schipper
GenreDrama, Krimi, Romanze
DarstellerLaia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burat Yigit, Max Mauff, André Hennicke
Länge138 Minuten
FSKAb 12 Jahren freigegeben
VerleihSenator Home Entertainment
Close-Up von Victoria mit dem Titel des Films im Zentrum © Senator Home Entertainment
Offizielles Poster zu Victoria © Senator Home Entertainment

Worum geht’s in Victoria?

Die junge Spanierin Victoria ist erst vor Kurzem nach Berlin gezogen und verdingt sich als Kellnerin in der deutschen Hauptstadt. Ihr Deutsch ist eher schlecht als recht und wirkliche Bekanntschaften hat sie auch noch nicht gemacht. Nach einer Partynacht trifft sie auf dem Heimweg vom Club auf eine Gruppe junger Männer, die ihr auf Anhieb sympathisch sind. Sonne, Blinker, Fuß und Boxer, so stellen sich die Berliner Jungs vor, haben zwar etwas Zwielichtiges an sich, doch Victoria lässt sich auf die Bekanntschaft ein.

Was als gemütlicher Ausflug aufs Dach eines Mehrfamilienhauses beginnt wird schnell romantisch, denn besonders Sonne scheint ein Auge auf die junge Spanierin geworfen zu haben. Doch bevor die beiden sich näher kommen können, schlägt plötzlich Boxer Alarm: Ein mysteriöser Anruf kippt die Stimmung sofort und die Männer scheinen wie aus dem Nichts etwas erledigen zu müssen. Victoria schließt sich der Gruppe an und der Abend nimmt eine Wendung, die keiner der Anwesenden für möglich gehalten hätte.

Victoria. Sonne und Boxer unterhalten sich, sie lachen
Victoria lässt sich völlig auf die Berliner Jungs ein © Senator Home Entertainment

Ein großer Take, ein großes Problem

Adressieren wir direkt den Elefanten im Raum: Victoria wurde komplett ohne Schnitte gedreht und besteht somit aus einer einzigen Kamerafahrt durch das nächtliche Berlin. Wo Filme wie 1917 oder Birdman tricksen, um diese Illusion zu erzeugen, haben Regisseur Sebastian Schipper und sein Team Ernst gemacht. Hier gibt es keine versteckten Schnitte, sondern nur eine einzige, über zwei Stunden dauernde Plansequenz. Zugegeben, aufgrund des Settings ist das auch weniger aufwendig als beispielsweise bei den beiden genannten Filmen, eine beeindruckende Leistung ist es aber dennoch. Und das Endergebnis kann sich auch durchaus sehen lassen. Es gibt eine ganze Menge Szenenwechsel, die Charaktere steigen mehrfach in Autos ein und aus und sogar eine Actionszene gibt es; Und immer ist die Kamera hautnah dabei.

Das sorgt einerseits für ein tolles Gefühl von Immersion, als wäre man wirklich gerade dabei. Leider ist diese Herangehensweise aber auch der größte Kritikpunkt an Victoria. Da die Kamera immer bei den Figuren bleibt, gibt es logischerweise keine Zeitsprünge, der Film spielt sich also in Echtzeit ab. Obwohl es zwar interessant ist zu sehen, was in knapp über zwei Stunden alles passieren kann, wirkt die Handlung etwas aufgesetzt. Gerade in der zweiten Hälfte trifft besonders die namensgebende Hauptfigur Entscheidungen, die wohl die wenigsten treffen würden, wenn man den Rest der Charaktere gerade einmal knapp eine Stunde kennt. Der Film ist einfach zu sehr an erzählerische Konventionen gebunden, als dass er seine Geschichte in allen Facetten glaubwürdig vermitteln kann.

Victoria und die Jungs stehen in einer Reihe in einem Parkhaus, sie sehen angespannt aus
Es ist faszinierend, wie die Kamera auch ohne Schnitte tolle Bilder und inszenatorisch nachvollziehbare Szenen einfängt © Senator Home Entertainment

Ein Trip durch Berlin

Immerhin versucht der Film sein Bestes, immer wieder von dieser Tatsache abzulenken, und das schafft er besonders durch seine ungeheure Authentizität. Ausnahmslos alle Charaktere wirken wie echte Menschen und nicht wie Figuren aus einem Drehbuch, sowohl in ihrer Sprache als auch in ihrer Attitüde. Der Straßen-Slang wirkt nie aufgesetzt und die Interaktionen zwischen den Charakteren könnte man so überall auf den Straßen Deutschlands verfolgen. Zwar bleiben so Figurenentwicklung und Katharsis auf der Strecke, darum geht es in Victoria aber auch überhaupt nicht. Im Gegenteil, es ist faszinierend zu sehen, wie man auch in einer so kurzen Zeitspanne und auf sehr indirekte Weise genug über die Figuren erfahren kann, um sie alle einschätzen zu können.

Essentiell für diese Authentizität ist natürlich auch das Schauspiel, das zweifelsohne zum Besten gehört, was das deutsche Kino in den letzten Jahren produziert hat. Durch die One-Cut-Herangehensweise lernten die Darsteller nicht ihre einzelnen Dialoge auswendig, sondern improvisierten den jeweiligen Wortlaut. Damit umgeht das Team gekonnt einen der größten Kritikpunkte, den sich deutsche Filme in den letzten Jahren immer wieder (zu Recht) anhören müssen: Und zwar dass sie zu hölzern und theaterhaft gespielt würden. Der gesamte Cast von Victoria macht aber einen herausragenden Job, allen voran natürlich Laia Costa und Frederick Lau in den Hauptrollen. Gerade erstere wirkt durch ihren echten Akzent sehr nahbar und realistisch und harmoniert hervorragend mit der Gang aus Berliner Freunden.

Sonne formt mit seinen Fingern eine Pistole und richtet sie auf Boxer, sie stehen in blauem Licht
Das Schauspiel in Victoria ist wirklich herausragend © Senator Home Entertainment

Unser Fazit zu Victoria

Es ist immer wieder schön, wenn das deutsche Kino nicht nur billige Komödien oder pathetische Historiendramen hervorbringt. Victoria ist das beste Beispiel dafür, was dabei herauskommen kann, wenn man ein ambitioniertes Team einfach mal seine Vision umsetzen lässt. Die extrem authentische und spannende Geschichte rund um die Geschehnisse dieser schicksalshaften Nacht glänzt durch seine fantastischen Darsteller und Dialoge sowie den bis auf die letzte Szene durchgezogenen One-Take. Lediglich die Tatsache, dass sich der Film etwas zu sehr an erzählerische Konventionen klammert und damit im Kontrast zu einer Erzählung in Echtzeit steht, sind ein kleineres Manko. Nichtsdestotrotz sollte jeder Victoria mal eine Chance geben, und sei es nur, um das deutsche Kino abseits des Mainstreams kennen zu lernen.

Unsere Wertung:

 

 

 

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