Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe soll frischen Wind ins RomCom-Genre bringen. Der Cast ist vielversprechend, aber reicht das aus, um selbst Liebesfilm-Muffel weich zu kriegen?
Darum geht’s in Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe
Basierend auf dem gleichnamigen New-York-Times-Bestseller erzählt Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe die Geschichte von Olive Smith (Lili Reinhart), einer brillanten Doktorandin, die ihre Zukunft ganz der Wissenschaft verschrieben hat. Als ihre beste Freundin Ahn (Rachel Marsh) Gefühle für Olives Schwarm Jeremy (Nicholas Duvernay) entwickelt, trifft Olive eine spontane Entscheidung: Um zu beweisen, dass sie längst über ihn hinweg ist, küsst sie den gefürchteten Professor Adam Carlsen (Tom Bateman). Was als verzweifelte Freundschaftsgeste beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Fake-Beziehung – mit klaren Regeln, Grenzen und gegenseitigen Vorteilen. Doch als die Grenzen zwischen Inszenierung und Realität zunehmend verschwimmen, muss Olive ihre bislang gewagteste Hypothese überprüfen: Vielleicht ist Liebe doch das Risiko wert.

Die RomCom lebt!
Dachte man vor einigen Jahren noch, die „altehrwürdige“ RomCom sei komplett in der Hallmark-Nische verschwunden, so wurde man in den vergangenen Jahren regelmäßig eines Besseren belehrt: Ja, es gibt auch noch gute romantische Komödien mit erwachsenen Protagonisten und nicht nur unzählige, gleichförmige Teenie-RomComs im Schul-Setting mit Coming-of-Age-Schwerpunkt à la Heartstopper.
Da waren allein in diesem Jahr nun schon die zuckersüße Urlaubs-Lovestory People we meet on Vacation mit Emily Bader und Tom Blyth, die in ihrem Umgang mit dem Trauerthema reife und bewegende Netflix-Produktion Voicemails for Isabelle mit Zoey Deutch und Nick Robinson und erst in diesem Monat die frische Genre-Brise Finding Emily mit Spike Fearn und Angourie Rice. Was dabei bei unterschiedlichen Settings diese Ausrufezeichen in einem immer noch dicht frequentierten Filmbereich verbindet, war vor allem, dass sie in der wichtigsten Disziplin viele Punkten machen konnten: bei der Chemie des Paars, um das es im Kern geht.
Mit diesen aktuellen „Rivalen“ geht nun also Prime Video mit Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe in direkte Konkurrenz und muss sich demnach auch vor allem daran messen lassen, ob das zu verkuppelnde Paar glaubhaft funktioniert. Und hieran werden sich wohl die Geister scheiden. Für mich wollte – um das direkt an dieser Stelle vorwegzunehmen – zwischen Lili Reinhart und Tom Bateman der Funke nicht so richtig überspringen, weswegen die ohnehin schon – erwartbar – konstruierte Geschichte nicht aufgehen wollte.
Vorhersehbare Standardware
Die Geschichte per se könnte selbst innerhalb eines Genres, das jetzt nicht gerade für Experimentierfreudigkeit bekannt ist, kaum vorhersehbarer sein. Dass hier das Element des Flunkerns zwischen den beiden Protagonisten glücklicherweise wegfällt und die beiden bezüglich ihrer Motivation, das (anfängliche) Fake-Bündnis einzugehen, mit offenen Karten spielen, mag den Machern als progressiv vorgekommen sein, aber macht eigentlich dann doch in der Dynamik der Kategorie „from haters to lovers“ keinen großen Unterschied. Und auch dass dann noch ein weiterer Akteur, der plötzlich zur Bedrohung wird, für die Beziehung eine weitere Hürde darstellen soll, ist weder überraschend noch überzeugend.
Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe ist im Gegensatz den besagten positiven Beispielen irgendwie ein Schritt in die falsche Richtung, weil sich vieles nicht wie ein Film aus dem Jahr 2026 anfühlt, sondern eher wie einer, der vor zehn bis 15 Jahren entstanden ist, was sich vor allem bei den Botschaften bei den Geschlechterrollen im universitären Kontext äußert. Also, nicht dass hier irgendwas aufgegriffen wird, was heute schon wieder gesellschaftlich kritisch bewertet wird, aber wie hier mit der karrieristischen Attitüde von Olive gespielt wird, wirkt nicht so selbstverständlich, wie es in anderen aktuellen Filmen und Serien inzwischen gemacht wird.
So seicht und zahnlos sich aber die gesamte Geschichte hier entwickelt, fällt das aber dann auch kaum ins Gewicht. Wer also einfach nur eine ganz klassische RomCom nach Schema F sehen will, bei der sich aus einem Zweckbündnis dann doch echte Gefühle entwickeln, kann den Prime Video-Film durchaus schauen, weil etwas Verwerfliches kann man ihm auf keinen Fall vorwerfen und für knapp zwei Stunden Laufzeit hält die Produktion durch ein flottes Pacing auch ihr Publikum bei Laune.

Zu offensichtlich kopiert
Wenn man den Machern aber dann doch etwas vorwerfen kann, dann ist es die Tatsache, wie offensichtlich man versucht hat, einen gerade sehr beliebten Charakter aus gerade einer sehr beliebten Apple TV-Serie aufzugreifen für die Figur, die Tom Bateman spielt. Der etwas brummige, anfangs sogar gefürchtete Professor ist schon fast dreist an Ted Lasso’s Roy Kent, gespielt von Brett Goldstein, angelehnt. Doch zum einen schafft es Bateman nicht, die mürrische Art so sympathisch rüberzubringen wie Goldstein, was ihn schon mal zu einem grundsätzlich unsympathischen Charakter in dieser Konstellation macht. Zum anderen aber hat selbst Goldstein selbst in diesem Jahr in Office Romance an der Seite von Jennifer Lopez schon bewiesen, dass seine Ted Lasso-Rolle auch wirklich nur in dem dortigen Ensemble funktioniert und sich nicht in jede X-beliebige Beziehungskonstellation übertragen lässt.
Da nutzt dann auch Nichts, dass sich gegen Ende dann doch so etwas wie Chemie zwischen ihm und Lili Reinhart einstellt, weil der Weg bis dahin zu oft nicht glaubwürdig rübergebracht wird. Irgendwann sagt im Film Olives beste Freundin, sie hätte es zwar gewusst, dass anfangs die Beziehung vorgetäuscht war, aber sie fand die beiden zusammen „süß“. Nun, in diesem Fall ist es mal wieder so, dass wenn etwas extra noch verbalisiert werden muss, es sich nicht von selbst erklärt – und das ist nach dem Prinzip von „Show, don’t tell“ selten ein gutes Zeichen.
© Amazon MGM Studios
Unser Fazit zu Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe
Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe ist grundsätzlich kein schlechter Liebesfilm. Auch zünden die meisten kleinen Gags und dass man auf peinliche Momente verzichtet und auf Bodenständigkeit setzt, kann man dem Prime-Film auch zugutehalten. Doch während sich andere RomComs zuletzt frisch und modern anfühlten, tritt dieser Genrebeitrag auf der Stelle. Und dass dann auch noch die Chemie zwischen den Hauptfiguren maximal mittelmäßig ist, spricht auch nicht unbedingt dafür, dass dieser Film lange im Gedächtnis bleibt.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.
