Clayface ist unter der Ägide von James Gunn und Peter Safran der erste Ausflug nach Gotham-City. Wie eigenständig funktioniert das Schurken-Drama des DC-Universe – und wie schlägt sich die Figur im Vergleich mit anderen Batman-Bösewichten in ihrem Solo-Film?
Darum geht es in Clayface
Matt Hagens kometenhafter Aufstieg vom Jungen aus den Straßen Gothams zum Schauspielstar in Hollywood findet ein tragisches Ende, als er durch die Machenschaften eines örtlichen Gangsterbosses auf grausame Weise entstellt wird. Von seinem Team im Stich gelassen und völlig mittellos, wendet sich Matt einer bahnbrechenden neuen Behandlungsmethode zu, die ihn auf wundersame Weise zurück in sein altes Ich verwandelt. Doch völlig unerwartet beeinträchtigt diese Therapie auch seinen Realitätssinn – und treibt ihn in eine zerstörerische Spirale aus alles verzehrenden Rachegelüsten.

Horror-Kabinettstückchen im Franchise-Korsett?
Zugegeben: Auch wenn unter den Batman-Schurken Clayface einer der bekannteren ist, wirklich im Mainstream angekommen – wie beispielsweise die Kollegen Joker, Riddler oder Poison Ivy – ist der tragisch gefallene und auf die mordende Bahn geratene Schauspieler sicher nicht. Seine bemerkenswerten Bewegtbildauftritte hatte er entsprechend auch nur in Animations-Filmen und -Serien aus dem Hause DC. Dass nun in der Ära Gunn-Safran bei Warner-DC ausgerechnet dieser Figur das erste Solo-Abenteuer einer Schurkenfigur gewidmet wird, kann demnach wahlweise als mutig oder in Anbetracht der Tatsache, wie losgelöst das Ganze vom bisher etablierten neuen „großen Ganzen“ funktioniert (und wie gering das kolportierte Budget der Nummer ist), als eine Art Testballon verstanden werden.
Mit dem „Experiment“ soll vor allem auch abgeklopft werden, ob so etwas wie damals mit dem Todd Philips-Joker auch in der neuen strategischen Ausrichtung nochmal „passieren“ kann. Mit Sicherheit hat man sich aber schon in Verbindung mit Rezeption und Kassenerfolg der Joker-Fortsetzung Gedanken gemacht, ob tatsächlich eine weitere eher unkonventionelle Comic-Verfilmung riskiert werden kann, zumal einerseits durch den Zusammengang mit Paramount und den verhaltenen Erfolg in der bisherigen Gunn-Zeit es nicht verwunderlich gewesen wäre, wenn so ein vermeintlich „entbehrliches“ Projekt zu einer weiteren Warner-Steuerabschreibung geführt hätte und nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken würde. Doch dass in den Turbulenzen im neuen Skydance-Konzern an Release-Strategie und Co. von Clayface festgehalten wurde, hat zumindest bei mir schon mal einige Zweifel an dem Projekt ausgeräumt und mich nochmal neugieriger gemacht. Und dann kam der erste Trailer und mein Interesse war vollends reaktiviert.
Von Fesseln befreit oder trotzdem auf der Bremse?
Wenn man den Film dann sieht, fragt man sich womöglich, weshalb es dieser langen Einleitung zum“großen DC-Plan“ bedurfte, denn tatsächlich braucht man weder Comic-Vorwissen noch etwas von den letzten DC-Filmen gesehen zu haben. Und ob man Clayface selbst später nochmal brauchen wird, um eines der zukünftigen Werke gänzlich zu umreißen, darf genauso angezweifelt werden. Denn: Dieser kleine, und ja: feine Horror-Thriller mit Chrakterdrama-Elementen spielt zwar mit der Origin-Story des aus Batman bekannten Antagonisten, aber kann vollkommen für sich allein stehen und krankt auch nicht daran, irgendwie mit Biegen und Brechen Anspielungen oder Referenzen unterbringen zu müssen.
Das haben in ähnlicher Weise zwar auch die Marvel-Sony-Schurkenfilme im Spider-Man-losen Spider-Verse, also Venom und Co. versucht, aber dort krankte quasi jeder einzelne Beitrag an besagtem zwanghaftem Implementieren in ein eigentlich non-existentes Gesamtbild. Clayface nun wiederum ist ein ganz klar abgeschlossener, extrem klassischer, aber dadurch angenehm kleingehaltener Reißer, bei dem man noch rudimentär auch merkt, dass Mike Flanagan am Skript mitgeschrieben hat, weil dem Streifen zu jedem Moment anzumerken ist, dass hier Horror-Macher am Ruder waren und – Gott sei Dank! – keiner von außen irgendwie mitreden wollte, der die Materie nicht ehrt.
Vorhersehbar, aber kein Beinbruch
In der Geschichte des gefallenen Stars, der zum mordenden Monster wird, ist zwar kaum ein Gramm inhaltlicher Innovation zu finden. Man bedient sich in der Symbolik bei Märchen-, Sagen-, und Literatur-Stoffen, was ja generell in der Comicwelt ein probater Weg ist, wenn es in erster Linie um die Fähigkeiten in ihrer ganzen Pracht geht. Dementsprechend hat Clayface natürlich etwas von der Faust’schen Tragödie oder auch aus der griechischen Mythologie Entliehenes, was in einer doch von Beginn an hohen Voraussehbarkeit mündet. Sprich: Eigentlich kann man schon bevor Matt Hagens Transformation überhaupt eingeleitet wird, erahnen, wer später dem Rachefeldzug zum Opfer fallen wird, in Teilen sogar wie, wobei das wiederum auch als smartes Foreshadowing gewertet werden kann.
Clayface versucht also erst gar nicht seine Twists aufzublasen, aber ein paar kleinere Überraschungen hat er doch parat. Überraschend ist dann aber vor allem, wie explizit – für eine Comicverfilmung eines Mainstream-Labels – die Gewalt hier abgebildet wird. Es gibt ein paar Kills, bei denen man gern auch vorher hätte abblenden können, aber hier hält die Kamera extra nochmal auf das blutige Resultat drauf, fast um extra zu zeigen, welche Narrenfreiheit Watkins hier hatte. Gut so!
Tolle Maske, fantastische Effekte, …
Seine Stärken hat Clayface eindeutig auf dem Wie. Denn auch wenn Tom Rhys Harries tatsächlich ein Besetzungscoup ist und auch der Rest im Cast stark performen kann, bleiben vor allem die audiovisuellen Qualitäten und die damit erzeugende permanente Ekel- und Schock-Atmosphäre wesentlich nachhaltiger haften. Speziell die Maske und die Body-Horror-Transformations-Szenen lösen mehrfach ein richtig fieses Unwohlsein aus, selbst bei Hartgesottenen, und erinnern so beispielsweise an die drastischen Bilder, die man auch von The Substance nie wieder aus dem Gedächtnis bekommt. Vor allem Zuschauerinnen und Zuschauer, die mit Dingen, die mit Augen und Wunden gemacht werden, Schwierigkeiten haben, sollten vorab gewarnt werden, wie heftig hier mit dieser Angst aus nächster Nähe gespielt wird.
Auch die Tötungsszenen glänzen mit fieser Kreativität und das gleich mehrfach auf eine Art und Weise, wie man es so noch nie tatsächlich durchgespielt und gezeigt hat. Das alles wird in starke Bilder gepackt, vor allem in den Nachtaufnahmen schafft es Watkins ein Gotham zu etablieren, von dem Comic-Nerds nur Schwärmen können. Auch das Spiel mit Licht und Schatten ist atemberaubend gut in Anbetracht der Tatsache, dass hier nur ein Bruchteil dessen an Budget einfloss, das die Konkurrenz von Marvel in die Schurkenfilme gesteckt hat und die zum Teil mit grauenhaftem CGI aufwarteten.

… aber Leerstellen in der Logik
Das Manko – und das ist leider dann doch nicht ganz unerheblich – von Clayface besteht in der Beliebigkeit mit der im weiteren Verlauf mit den Fähigkeiten der Titelfigur umgegangen wird oder auch mit der Entwicklung des Verständnisses von Matt von den selbigen. Denn irgendwie sind die Schritte ziemlich groß und kommen auch für die Zuschauenden teils vollkommen aus dem Nichts: Zerfließt in einem Moment noch lediglich das Gesicht des Schauspielern durch die Nano-Technologie, kann er in der nächsten Szene plötzlich blitzartig seinen ganzen Körper switchen.
Vielleicht hätte der Transformationsprozess vom überforderten Opfer zum eiskalten Killer ein paar mehr Zwischenstationen vertragen, aber das hätte wiederum den Film in seinem Tempo ausgebremst. Und leider gibt es vor allem im Finalakt dann noch ein paar Abzüge, weil Clayface doch in ein paar Comicfilm-Klischee-Fallen tappt und in Teilen auch nicht mehr die Qualität der Effekte der ersten Stunde halten kann. Speziell die – nennen wir es mal – Endstufe der Kreatur sieht im Vergleich mit der vorher durch ihren Realismus glänzende Maske grauenhaft aus, aber leider nicht das „grauenhaft“, das man in einem Horrorfilm sehen will.
© 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved
Unser Fazit zu Clayface
Clayface schwächelt typisch für so viele Comicfilme leider ausgerechnet am Ende und hinterlässt damit nicht den komplett überzeugenden Eindruck, der sich über weite Strecken des kleinen, geradlinigen Charakterdramas mit Horror-Schwerpunkt halten konnte. Trotzdem ist dieser DC-Beitrag besser als jeder Marvel-Schurken-Solofilm und seit dem ersten Joker-Film wohl der für sich genommen stärkste Film aus dem Hause Warner-DC.
Vor allem die Body-Horror-Elemente sind überaus gelungen, das CGI dafür nur Mittelmaß und die Geschichte ist zweckdienlich, aber doch sehr vorhersehbar. Atmosphärisch ist den Machern ein Coup gelungen, sodass man alles in allem eher mit positivem Gefühl - aber womöglich leicht angeekelt - aus dem Kino kommen wird.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

