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    Startseite » Fazit zur Berlinale 2020
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    Fazit zur Berlinale 2020

    Jan Wernervon Jan Werner5. März 2020Keine Kommentare7 min Lesezeit
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    John Magaro stars as "Cookie" in director Kelly Reichardt's FIRST COW, released by A24 Films. Credit : Allyson Riggs / A24 Films FIRST COW_11.09.18_AR_0641.ARW
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    Bei weit über 300 Filmen auf der diesjährigen Berlinale konnten wir natürlich nicht jeden Film sehen und auch nur einen Bruchteil ausführlicher vorstellen. Trotzdem wollen wir das Festival aus Sicht unserer Autoren vor Ort, Stefan Janke und Jan Werner, nochmal im Rückspiegel betrachten und die Höhepunkte herausstellen. Nachdem inzwischen auch die offiziellen Preise vergeben sind, werdet ihr hier lesen, ob unsere Meinungen mit der Jury-Bewertung konform gehen: Unser Fazit zur Berlinale 2020!

    [su_youtube url=“https://www.youtube.com/watch?v=DAzK1LM8cNQ“]

    Die Wettbewerbsbeiträge 2020

    Von den 18 Filmen im Hauptfeld dieses Jahrgangs haben wir tatsächlich alle gesehen und die meisten davon auch schon in separaten Artikeln besprochen. Hier nun noch einmal eine Übersicht mitsamt den Links zu den jeweiligen Kritiken:

    • Undine
    • Berlin Alexanderplatz
    • Schwesterlein
    • Siberia
    • All The Dead Ones
    • DAU. Natasha
    • The Roads Not Taken
    • Bad Tales
    • Days
    • Delete History
    • First Cow
    • Hidden Away
    • Intruder
    • Irradiated
    • Never Rarely Sometimes Always
    • There Is No Evil
    • The Salt Of Tears
    • The Woman Who Ran
    Der Südkoreanische Beitrag zur Berlinale 2020
    Ein ganz alltägliches Gespräch zwischen Gamhee (rechts; Kim Minhee) und einer alten Bekannten © Jeonwonsa Film Co. Production

    Zu den beiden Filmen Filmen Siberia und The Roads Not Taken folgt hier noch jeweils eine kompakte Einschätzung von Jan, da die Filme nicht ausführlich rezensiert worden sind:

    Siberia:

    Willem Dafoe in Siberia von Abel Ferrara
    Willem Dafoe in einer surrealen Höhle © Vivo film/maze pictures/Piano, 2020

    Kaum zu ertragendes, wirres Machwerk von Abel Ferrara. Willem Dafoe irrt durch die winterliche Landschaften, stolpert von einem fieberhaften Albtraum zum nächsten und am Ende weiß wohl nicht mal der Regisseur selbst, welche tieferen Botschaften in diesen teils ekelhaften, teils absurd witzigen Bildern liegen sollen.

    The Roads Not Taken:

    The Roads Not Taken im Berlinale Wettbewerb
    Javier Bardem und Elle Fanning als Vater und Tochter © Adventure Pictures

    Javier Bardem, Elle Fanning, Salma Hayek und Laura Linney können nicht verhindern, dass dieser Film von Sally Potter leider nur eines ist: nämlich anstrengend. Die Geschichte eines Mannes, der in tagtraumartigen Parallelleben verpassten Chancen seines Lebens hinterher trauert und dabei vor allem seine Tochter in Mitleidenschaft zieht, hätte durchaus ein herzergreifendes Drama werden können. Schade, dass der Funke nicht überspringt und der leidende Bardem in dieser Rolle nur nervt und nicht schauspielerisch überzeugt.

    Filme aus den anderen Sektionen:

    Neben dem großen Wettbewerb hat es in diesem Jahr erstmals die Encounters-Sektion gegeben. Auch hier wurden die 15 Filme, die wegen besonderer Kreativität und Bedeutung kuratiert wurden, von einer eigenen Jury letztlich bewertet. Auch aus diesem und weiteren Bereichen haben wir Filme sehen können und hier ist nun auch ein Überblick über die Artikel hierzu:

    • Die Netflix-Serie Freud
    • Nackte Tiere
    • Minamata
    • My Salinger Year
    • Onward
    • Shirley
    • Futur Drei
    • Time To Hunt
    Ian (Tom Holland) und Barley (Chris Pratt) beschwören Onward: Keine halbe Sachen ihren verstorbenen Vater.
    Ian (Tom Holland) und Barley (Chris Pratt) beschwören ihren Vater ins Reich der Lebenden. © The Walt Disney Company Germany

    Die Tops unserer Autoren

    Um in aller Kürze nochmal die persönlichen Highlights für unser Team in Berlin abzubilden, hier nun jeweils die Top 5 bzw. 6 der gesehen Filme und weshalb man die Filme sehen MUSS:

    Stefan Janke:

    1. First Cow: „Ein Männerfreundschaft im Westernsetting, die die Entwicklung der freien Marktwirtschaft anhand einer Kuh erklärt. Ganz großes Kino!“
    2. Favolacce (Bad Tales): „Eine bitterböse Gesellschaftsanalyse über das Verhältnis zwischen den Generationen. Schwere Kost, aber bleibt gerade deshalb im Gedächtnis.“
    3. Shirley: „Die geniale Elisabeth Moss brilliert in diesem atemberaubenden Psycho-Thriller, der einige kluge Ideen zum Thema Feminismus in petto hat. Gänsehaut garantiert.“
    4. Futur Drei: „Ein Comic-Of-Age Drama, das mit so viel Freude Diversität und Vielfalt propagiert, muss man einfach lieben. Es ergibt sich ein eindrucksvolles und unterhaltsames Porträt verschiedener Migrationsgenerationen in Deutschland.“
    5. Time To Hunt: „Dieser koreanische Thriller hat es in sich. Aus einer einfachen Ausgangssituation macht der Streifen immens viel und weiß in seinen Action-Sequenzen a la Heat zu begeistern.“
    6. Rizi (Days): Tsai Ming-Liang ist der Meister des langsamen Erzählens und stellt das auch in seinem neuen Film unter Beweis. Ungemein sanftes und einfühlsames Kino, wie man es selten erlebt.

    Jan Werner:

    1. First Cow: „Eine außergewöhnliche und doch so bodenständige kleine Westerngeschichte von einer Männerfreundschaft und einer Kuh mit wundervollen Kulleraugen.“
    2. There Is No Evil: „Der Film hat mich kalt erwischt. Hatte mich vorher nicht groß informiert und wurde dann von einem unerwarteten Schock völlig übermannt. Die Bilder werde ich wohl lange nicht vergessen.“
    3. The Woman Who Ran: „Nach Parasite hatte ich hohe Erwartungen an den koreanischen Beitrag im Wettbewerb. Und auch wenn dieser Film etwas komplett anderes ist, haben mich die kurzen Geschichten hier wirklich ein paar mal herzlich zum Lachen gebracht und bestens unterhalten.“
    4. Never Rarely Sometimes Always: „Ein schwieriges Thema darf ohne Dramaturgie für sich stehen. Das gibt es in normalen Hollywoodfilmen einfach nicht. Außerdem ist die Hauptdarstellerin für mich die Siegerin der Herzen im Wettbewerb.“
    5. Berlin Alexanderplatz: „Eine emotionale Reise durch neonbeleuchtete Berliner Parallelwelten. Bleibt in über drei Stunden auf Hochspannung und lässt mich als Zuschauer durch das dramatische Ende mit einem Magenschlag aus dem Kinosaal.“

    Die offiziellen Sieger:

    Goldener Bär: There Is No Evil

    Silberne Bären:

    • Großer Preis der Jury: Never Rarely Sometimes Always
    • Beste Regie: The Woman Who Ran
    • Beste Darstellerin: Paula Beer (Undine)
    • Bester Darsteller: Elio Germano (Hidden Away)
    • Bestes Drehbuch: Bad Tales
    • für eine herausragende künstlerische Leistung: Jürgen Jürgens für die Kameraarbeit in DAU.Natasha
    • Sonderpreis der 70. Berlinale: Delete History

      Berlin Alexanderplatz
      Jella Haase und Welket Bungué in Berlin Alexanderplatz © Stephanie Kulbach/2019 Sommerhaus/eOne Germany

    Unsere Gewinner:

    Stefan:

    Der große Wert der Berlinale liegt weiterhin, trotz Leitungswechsel, in ihrer politischen Relevanz. Mit There Is No Evil und Never Rarely Sometimes Always wurden die beiden Hauptpreise auch entsprechend an die Filme mit der dringendsten politischen Botschaft vergeben. Gerade in aktuell brisanten Zeiten braucht es klares, politisches Kino mit deutlichen Worten (gänzlich unpolitisches Kino gibt es schließlich nicht). Es gewinnt der politische Film und das ist gut so!

    Jan:

    Meine Gewinner ist die neue Leitung der Berlinale, Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, die im ersten Jahr nach der Ära Kosslick ein sehr stimmiges Gesamtprogramm zusammengestellt und mit Bedacht die Weichen Richtung Zukunft gestellt hat. Damit hat für mich auch das Publikum gewonnen, da man größtenteils zugängliche, wenn auch weiterhin anspruchsvolle Filme in Berlin erwarten darf. Die Quote der Totalausfälle war wirklich gering.

    There Is No Evil
    Eine Diskussion zwischen Kadetten in There Is No Evil © Cosmopol Film

    Unseren Verlierer:

    Stefan:

    Über keinen anderen Film wurde so viel diskutiert wie über die beiden präsentierten Ergebnisse von Ilja Chrschanowski. Mit DAU. Natasha und DAU. Degeneration präsentierte der Regisseur zwei von 13 Filmen, die im Rahmen seines Mammutprojektes entstanden sind. Der Versuch, ein Exempel gegen faschistische Regime zu statuieren, geht allerdings schief. Skandale begleiteten die Produktion und wurden während des Festivals präsent und auch der Wettbewerbs-Film ist kaum zu ertragen. Der als Genie bezeichnete Regisseur stürzt tief und muss sich nun der Öffentlichkeit erklären. Er und sein Projekt sind die großen Verlierer der diesjährigen Berlinale.

    Jan:

    Mein persönlicher Flop des Jahres ist Willem Dafoe mit seinem fragwürdigen Soloauftritt in Siberia. Ich finde es immer traurig, wenn ein Schauspieler, den ich in vielen Filmen bewundert habe, mit einer einzigen Rolle so viel Kredit bei mir verspielt. Ich habe selten etwas Erniedrigenderes gesehen als die Art, wie sich Dafoe hier im Rausch verliert.

    Kang und Non beim Essen
    Kang (Lee Kang-Sheng) und Non (Anong Houngheuangsy) beim gemeinsamen Essen in Rizi © Homegreen Films

    Auf 20 folgt 21 – Unser Fazit zur Berlinale 2020

    Wir bedanken uns für alle Leser der Berlinale-Beiträge und hoffen, dass wir euch einen guten Eindruck vermitteln konnten. Aus dem breiten Programm wird bestimmt einiges demnächst in den deutschen Kinosälen laufen und dann seid ihr schon vorbereitet und wisst, wofür es sich lohnt, ein Ticket zu lösen.

    Man weiß nie, was die Zukunft bringt, aber womöglich werden wir auch im nächsten Jahr wieder aus der ersten Reihe für euch den Sektionen-Dschungel durchforsten. Nach den tollen Tagen in diesem Jahr, spricht für uns nicht viel dagegen!

    Jan Werner und Stefan Janke (vlnr) mit dem Fazit zur Berlinale 2020
    Unser Team für Berlin: Jan Werner und Stefan Janke (vlnr)
    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

    • Jan Werner
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    • Jan Werner
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    • Jan Werner
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