Emma Thompson fügt sich in Dead of Winter in die Reihe der Stars ein, die in ihrer Spätkarriere nochmal auf den Putz hauen wollen. Mit Erfolg?
Darum geht’s in Dead of Winter
Barb (Emma Thompson) reist in die Abgeschiedenheit des nördlichen Minnesotas, um den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes zu erfüllen: seine Asche an jenem einsamen See zu verstreuen, an dem ihre gemeinsame Geschichte einst begann. Tief in der Wildnis, ohne Handyempfang und Meilen entfernt von jeglicher Zivilisation, wird Barb Zeugin eines grausamen Verbrechens: eine junge Frau wird verschleppt und in einer verlassenen Hütte gefangen gehalten. Ganz auf sich allein gestellt, setzt Barb alles daran, das Mädchen zu befreien. Es beginnt ein nervenzerreißender Überlebenskampf, nicht nur gegen das skrupellose Entführer-Pärchen (Judy Greer und Marc Menchaca), sondern auch gegen die tödliche Kälte Minnesotas.

Die Kälte springt über
Zwar fokussiert sich die Promo von Dead of Winter schon ziemlich auf die Hauptdarstellerin des Thrillers, doch der eigentliche Star ist in dieser eher kleinen Produktion, die unter anderem auch von deutschen Filmemachern kreiert wurde, doch das Setting in der eiskalten Abgeschiedenheit des winterlichen Minnesotas. In tollen Luftaufnahmen und Panoramen fängt die Kamera zu Beginn die Szenerie ein und schafft es dabei direkt zu vermitteln, wie fernab der Zivilisation sich hier die Geschehnisse abspielen. Es gelingt außerordentlich gut, die Unwichtigkeit des Menschen in der weiten Natur zu unterstreichen. Da man dann von Beginn an weiß, wie allein die Akteure dort sind, kann man sich auch einigermaßen gut auf diverse Drehbuchentscheidungen einlassen, wobei trotzdem das Skript hier weder Preise für Logik noch für Ausgefeiltheit bekommen wird.
Zusätzlich zu den Naturaufnahmen ist jedoch auch die Maske überaus authentisch, um die Kälte zu vermitteln, denen die Figuren hier ausgesetzt sein sollen. Insbesondere mit Marc Menchaca bibbert man am ganzen Leib mit, wenn er mehrfach von den Tücken, die in diesem Setting eben so lauern – ohne zu viel zu verraten – gepeinigt wird. Aber auch Judy Greer und natürlich Emma Thompson spielen das Frieren realistisch und sorgen so dafür, dass man beim Zuschauen auch die warme Decke immer enger um sich legen will.
Überraschungsarm, aber solide gespielt
Die Story per se ist, wie geschrieben, geradlinig, schnörkellos, aber eben auch absolut vorhersehbar. Wenn ein bestimmter Gegenstand früh in die Kamera gehalten wird, weiß man schon ziemlich exakt, dass und wie dieser später nochmal zum Einsatz kommen wird. Der USP von Dead of Winter ist eindeutig die Unerwartbarkeit der gecasteten Stars in den jeweiligen Rollen – und dabei meine ich nicht nur Emma Thompson, sondern viel mehr noch Judy Greer, die eigentlich ausnahmslos in komödiantischen Rollen bekannt ist, aber der man durchaus hier die Bösewicht-Figur abnimmt. Thompson war zuletzt schon in Down Cemetery Road ordentlich auf Krawall gebürstet, ihr nimmt man die toughe, unerwartete Überlebenskünstlerin hier mühelos ab.
Ordentlich spannend, aber zu wenig, um nachzuhallen
Wer jedoch hier einen so krassen Reißer mit einem älteren Star aus dem Action-fernen Spektrum erwartet, wie beispielsweise die inzwischen zum Synonym dessen gewordenen Liam Neeson-Filme oder wie Bob Odenkirks Nobody, der wird enttäuscht sein. Ja, auch das hier ist einer dieser „Will eigentlich nur“-Filme, bei denen der Hauptcharakter eigentlich etwas ganz anderes vor hat, aber dann mit dem Verbrechen in Kontakt kommt: Die Thompson Figur ist hier Witwe, die eigentlich nur die Asche ihres Gatten zur letzten Ruhe bringen will, aber dann beobachtet sie eben zufällig die Entführung und kann nicht anders als der Gerechtigkeit genüge zu tun. Doch auch wenn man hier mit Andeutungen und Rückblicken verdeutlicht, dass es auch um Muttergefühle geht, so hat ab einem gewissen Punkt die Protagonistin kaum eine Wahl, will sie selbst lebend aus der Sache rauskommen.

Ein paar Momente haben dann auch eine akzeptable Härte, aber alles in allem reißt der Film als Action-Thriller hier niemandem vom Hocker. Das ist insbesondere schade, weil man gefühlt aus dem Eissetting nur ein Minimum dessen rausholt, was hier eigentlich inszenatorisch möglich ist. Dadurch ist die Spannung zwar auf einem soliden Grundlevel vorhanden, aber um im Gedächtnis zu bleiben, fehlen neuralgische Momente und Szenen, in denen der Schmerz der Figuren fürs Publikum fühlbarer vermittelt wird. So dümpeln die gut 90 Minuten vor sich hin, ohne dass man komplett emotional an die Protagonistin rankommt oder sich zumindest vereinzelte Bilder expliziter Gewaltspitzen auf die Netzhaut brennen.
© Leonine Studios
Unser Fazit zu Dead of Winter
Dead of Winter ist ein kurzweiliger Thriller in einem Setting, das zwar optisch gut eingefangen, aber bei weitem inszenatorisch nicht ausgeschöpft wird. Dabei überzeugt Judy Greer in ungewohnter Rolle und Emma Thompson spielt einen soliden Part, rechtfertigt aber kaum, weshalb man diesen Streifen so auf sie zugeschnitten hat. Kann man machen, aber verblasst nach dem Ende so schnell, wie Fußspuren im Schnee während eines Blizzards.
Dead of Winter kommt am 19. Februar 2026 in Deutschland ins Kino.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

