Nobody war 2021 so etwas wie ein Achtungserfolg unter den zahllosen John Wick-Klonen: profitabel und mit überraschend vielen Fans im Rücken. Doch nimmt Nobody 2 den Schwung des Erstlings mit in Runde zwei – oder interessiert die Fortsetzung diesmal wirklich niemanden mehr?
Worum’s im zweiten Teil geht
Vier Jahre nach den Ereignissen des ersten Films nehmen Hutch Mansell (Bob Odenkirk) und seine Familie einen längst überfälligen Sommerurlaub im Wild Bill’s Majestic Midway and Waterpark, dem einzigen Ort, an dem Hutch und sein Bruder Harry als Kinder Ferien gemacht haben. Doch Erholung bleibt aus: Nach einer scheinbar harmlosen Auseinandersetzung mit einigen Einheimischen gerät Hutch in den Fokus einer Gangster-Bande, bestehend aus einem korrupten Sheriff (Colin Hanks) und der rücksichtslosen Verbrecherbossin Lendina (Sharon Stone). Unterstützt von seiner Frau Becca (Connie Nielsen), seinem Bruder Harry (RZA) und seinem Vater David (Christopher Lloyd) nimmt er es erneut mit brutalen Gegnern auf.

Fortsetzung nach Schema F
Nach dem Erfolg von Nobody war klar: Eine Fortsetzung ist nur eine Frage der Zeit. Denn 2021 wurde mit Hutch Mansell eine Figur geboren, die vom Nobody zum Somebody wurde – mit erstaunlichem Gespür für Action. Als Durchschnittsvater und Everyday-Guy kehrt Odenkirk nun zurück – und die gesamte Familie, einschließlich Christopher Lloyd, sitzt wieder mit im Boot. Mit Timo Tjahjanto, der mit The Night Comes for Us, Headshot und zuletzt The Shadow Strays gleich drei hervorragende indonesische Action-Kracher inszenierte, war dementsprechend auch einiges an Vorfreude vorhanden. Auch die Trailer machten Lust, tonal wirkt es, als sei jegliche Ernsthaftigkeit über Bord gegangen.
Das Urlaubs-Setting verspricht nun zwar ein trashig-lustiges Vergnügen, doch schnell zeigt sich: Eingehalten wird das nicht. Nobody 2 ist Beat für Beat der gleiche Film – nur diesmal verpackt in ganz viel Sommer, Sonne, Sonnenschein. Wieder gibt es Situationskomik, Gangs, Clan-Kriege und Kloppereien, also genau das, was viele am Erstling des John Wick-Like mochten. Am Ende verliert sich alles aber in der üblichen Fortsetzungsroutine, ohne neue Ideen – ganz nach dem Motto: größer, weiter, mehr oder leider treffender: friss oder stirb.
Die Action macht Urlaub
Mit Nobody bewies Regisseur Ilya Naishuller (Hardcore Henry, Heads of State), dass man auch mit vergleichsweise kleinem Budget große Qualität und packende Action auf die Leinwand zaubern kann – man spürte, dass hier noch ein richtiger Film entstehen sollte. Nun hingegen wirkt alles wie reines Studiokalkül. Keine Spur von Tjahjantos Handschrift und obwohl das Budget höher war, sieht der Film weniger wertig aus. Denn: Nobody 2 steuert immerzu mit angezogener Handbremse durch eine Reihe spaßiger Situationen, doch an Härte und Timing kommt er nie an den Vorgänger heran – und selbst die Action wirkt ernüchternd austauschbar. Denn die Action-Comedy begeht denselben Fehler wie viele Vertreter ihres Genres: Erst wenn bewiesen wurde, dass man gute Action beherrscht, darf man sie ironisch oder spielerisch aufbrechen und für den Witz opfern. Hier geschieht das jedoch ohne Grundlage, ohne überzeugende Sequenzen – und wirkt dadurch automatisch faul.
Bob Odenkirk, der körperlich nochmals sichtlich zugelegt hat, bekommt zwar immerhin zu Beginn und auf einem Boot ein paar Gelegenheiten, sich etwas dynamisch auszutoben. Besonders seine ersten Kämpfe sind kraftvoll inszeniert und gut choreografiert, aber leider kurz und schneller vorbei, als man blinzeln kann. Zwar sind Daniel Bernhardt und andere bekannte Haudegen des Genres wieder mit von der Partie, doch ihre Kämpfe leiden trotz guter Ausgangslagen unter schlecht ausgeleuchteten Sets, wackeliger Kameraführung, eher billiger Hinterhof-Optik und hektischem Schnitt, zumal zu vieles auf Schießereien reduziert und leider nicht mehr den Fäusten überlassen wird.
Wie mit den Griswolds auf Vacation
Der Actionfilm punktet immerhin erneut mit seinen Figuren. Trotz aller Probleme und Fehler fühlt sich das Geschehen nie so schlecht oder falsch an, wie es eigentlich müsste – und das liegt allein am Familiengefüge. Der Humor ist zwar ein vergleichsweise anderer: Während der Vorgänger stark auf absurde Situationskomik im Überraschungsmomentum setzte, geht die Fortsetzung deutlich gezielter und gewollter auf direkte Gags ein. Die Dichte und Qualität der Witze ist nicht auf dem Niveau der Vorbilder, die einem unweigerlich beim Schauen einfallen. Doch allein der Fakt, dass Tjahjanto mitunter an den Geist charmanter alter Chevy-Chase-Komödien erinnert, überzeugt. Dabei zünden nicht alle Witze, doch ein paar Lacher hat auch das Sequel in Petto – vor allem dank des hervorragenden Christopher Lloyd, der seine Szenen genüsslich abspult.

Doch leider stolpert Nobody 2 ständig dabei, seine zwei von Grund auf verschiedenen Filme unter einen Hut zu bekommen: Mal geht es noch um Gangster, Kartelle und Schulden durch verbranntes Geld – und dann wieder um Hutchs Urlaub mit der Familie im Funpark, der zunehmend eskaliert. Dieser ständige Wechsel wirkt tonal uneben, überzeichnet und trashig. Das ist zwar durchaus charmant – schließlich nimmt sich der Film ohnehin nicht sonderlich ernst – doch die Ideen bleiben stets oberflächlich und gehen nie weiter, als über die Ausgangslage hinaus.
Denn: Tjahjanto liefert immerzu gute Build-Ups, die groß aufgebaut, aber nie ausgezahlt werden. Egal welchen Weg der Actionfilm andeutet, man wählt immer den erdenklich langweiligsten. Und wenn selbst der Showdown im Spaßresort zwischen Riesenrädern, Fahrgeschäften, Spiegelsälen und Bällebädern, die mit Scharen von Gegnern gefüllt werden, so austauschbar und lieblos – regelrecht spaßbefreit und unkreativ – behandelt wird, dann sagt das letztlich alles.
© Universal Pictures Germany
Unser Fazit zu Nobody 2
Freunde des Vorgängers werden zumindest in Ansätzen ihre Freude haben. Es wird immerhin versucht, ein Teil der ursprünglichen Essenz zu revitalisieren. Doch die Action-Comedy geht im typischen Sumpf austauschbarer Fortsetzungen unter, die fast dasselbe bieten – nur einen Ticken belangloser. Zwar schlägt Timo Tjahjanto mit dem grundsätzlich spaßigen Urlaubssetting einen anderen Weg ein, doch die Szenarien wirken viel zu kleinskaliert und bekannt, um wirklich zu zünden. Bob Odenkirk und der restliche Cast liefern zwar wie gewohnt ab, doch von Tjahjantos radikaler Handschrift sieht man so wenig wie von innovativer Action. Statt Achterbahn maximal Kinderkarussell.
Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“

