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    This City Is Ours

    Jan Wernervon Jan Werner29. November 2025Keine Kommentare4 min Lesezeit
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    © 2025 Sky
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    Welcome to L’pool! Um This City Is Ours zu mögen, muss man kein Fan der Fußballer in den roten Trikots sein, sondern eher ein Faible für schwer verständlichen Akzent und rechtliche Grauzonen mitbringen.

    This City Is Ours – Darum geht’s

    Michael Kavanagh (James Nelson-Joyce) hat zwei Gesichter: Als rechte Hand seines Bosses Ronnie Phelan (Sean Bean) hat er mit gnadenloser Brutalität in Liverpool ein Kokainimperium aufgebaut. Wenn Ronnie sich bald in seine Luxusvilla in Spanien zurückgezogen hat, könnte Michael selbst zum Oberhaupt aufsteigen. Zugleich ist er auch der liebevolle Mann im Leben von Diana (Hannah Onslow). Gemeinsam mit ihr möchte er eine Familie gründen – und muss enttäuscht feststellen, dass sie sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen müsste. Doch dann drohen Michaels Welten zu kollidieren: Eine größere Ladung Drogen verschwindet – anscheinend gibt es in der Bande einen Maulwurf. Zudem kommen Ronnie und sein Sohn Jamie (Jack McMullen) sich wieder näher. Michael muss für die sicher geglaubte Nachfolge kämpfen. Ein Kampf, der ihn alles kosten könnte, was ihm etwas bedeutet.

    Key-Art © 2025 Sky

    Ist da noch Platz im Gangster-Pool?

    Sky selbst spricht bei This City Is Ours von einer Gangsterserie in der Tradition von The Sopranos. An diesen Vergleich wagten sich zuletzt jedoch nicht wenige Newcomer, weshalb bei jedem weiteren Start die Frage mitschwingt, ob dieses Crime-Subgenre nicht langsam den Kipppunkt zur Übersättigung erreicht. The Gentlemen, MobLand, Gangs of London konnten zuletzt so gut landen, dass ihnen jeweils mehr als eine Staffel vergönnt war. The Waterfront wurde hingegen nach einer Staffel direkt aufs Abstellgleis gestellt. Erstaunlicherweise scheint also trotz der geografischen Beschränktheit auf der britischen Insel mehr Raum für verschiedene solche Formate zu sein, was ein gutes Omen für diesen Neustart sein könnte. Denn auch wenn es nicht erneut in die Londoner Unterwelt geht, spielt auch diese Geschichte in England – und zwar an der Westküste in der Hafenmetropole Liverpool, was man unweigerlich feststellen wird, wenn man die Show im O-Ton schaut.

    All quiet at the gangsters‘ front?

    Die Stadt der Beatles und „Reds“ und von „You’ll Never Walk Alone“ zum Setting einer Gangsterballade auszuwählen, ist tatsächlich frisch und reizvoll. Nicht nur die Topografie und Mentalität unterscheidet sich doch von den englischen Hauptstädtern, auch der lokale Akzent ist mal was anderes – wenngleich nicht ohne Herausforderung. Und auch tonal ist This City Is Ours deutlich geerdeter und mehr aufs Zwischenmenschliche fokussiert unterwegs als die Londoner Konkurrenz MobLand und Gangs of London, wo jeweils sowohl in Sachen Gewaltexzesse als auch Verkitschisierung des Gangster-Lifestyles fast comicartige Dimensionen herrschen. Im Umkehrschluss sind jedoch die beiden „Konkurrenten“ allein durch ihre Überhöhungen schon mal auf einem anderen Level unterhaltsam.

    Die Personengeflechte sind im Gangster-Thriller fast immer in Shakespear’scher Tradition konstruiert. Auch in der BBC-Serie, die bei uns nun von Sky lizensiert gezeigt wird, geht es um persönliche Animositäten, um Machtspiele zwischen und innerhalb von Familien und um die Veränderung von Beziehungen, wenn es um Geltungsansprüche geht. Während aber dieses Element bei MobLand und Co. auch jeweils überzeichnet wird, so ist es hier wesentlich realistischer aufgezogen, sodass tatsächlich das Milieu erstmal zweitrangig ist und es im Kern mehr um die gut geschriebenen Figuren als solche geht. Entsprechend ist der erste Eindruck vielleicht ernüchternd, wenn man eine weitere, für heutige Maßstäbe „typische“ Gangsterserie antizipiert, aber kann man sich auf die komplexen Beziehungen einlassen, dann baut This City Is Ours doch im Verlauf einen ziemlichen Sog auf – speziell ab einem gewissen Twist zum Ende der zweiten Folge, der an dieser Stelle nicht vorweggenommen sein soll.

    This City is Ours © 2025 Sky

    Mehr Ozark als Gangs of London

    Die Referenz zu Sopranos in der Sky-eigenen Promo ist natürlich vermessen – und auch irreführend. Doch man versteht ab einem gewissen Punkt schon, weshalb man hier diesen Vergleich gezogen hat und nicht zu anderen aktuelleren Genre-Formaten. Den Tonal ist die Serie, die bereits um eine zweite Staffel verlängert wurde, eher im Terrain von Ozark oder The Waterfront unterwegs, legt dabei einen hohen Wert darauf, auch die Frauenfiguren im Auge zu behalten und ambivalent zu zeichnen und glänzt mit einem für das Gangster-Milieu eher atypischen Protagonisten. James Nelson-Joyce macht als ruhiger, aber dann doch impulsiver Michael einen guten Job, braucht aber etwas Zeit, um fürs Publikum greifbar zu werden.

    Wer sich nun fragt, warum auf den größten Namen des Ensembles, Sean Bean, hier nicht groß eingegangen wird: Das hat seine Gründe, die ironischerweise auf die Meme-Kultur einspielen werden… Doch This City Is Our braucht einen solchen A-Lister erstmal auch gar nicht, um sein Revier zu markieren, da die unbekannteren Schauspielerinnen und Schauspieler hier schnell mit ihren Charakteren verschmelzen. Ob Hannah Onslow, Julie Graham, Laura Aikman oder Darci Shaw – hier gelingt es wirklich für das Genre außerordentlich gut, die Frauenfiguren auf Augenhöhe zu inszenieren. Auch damit ist man dann auf den Spuren von Ozark unterwegs.

    © 2025 Sky

    Unser Fazit zu This City Is Ours

    3.5 Sehenswert

    This City Is Ours braucht eine Weile um seine Claims abzustecken und sich von den bekannten Referenzen des Gangsterthrillers zu diversifizieren. Aber gibt man der neuen BBC-Show diese Zeit, dann wird man von einer überzeugenden Story mit mehrdimensionalen Figuren belohnt, bei der die Gewalt des Milieus ausnahmsweise mal nicht die erste Geige spielt. Ein shakepear'sches Charakterdrama über Verrat, Machtspiele und Familie - mit eigenwilliger Sprache und abwechslungsreichen Settings.

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

    • Jan Werner
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