How To Make A Killing ist eine schwarze Komödie mit dem Star der Stunde, Glen Powell, und einem äußerst illustren Ensemble. Doch reicht das in Verbindung mit dem Qualitätslabel von A24 aus, um einen guten Film zu garantieren?
Darum geht’s in How To Make A Killing
Becket Redfellow (Glen Powell) hat Witz, Stil, Bildung und Charme. Doch eines besitzt er nach wie vor nicht – das milliardenschwere Vermögen, das ihm laut seiner Mutter von Geburt an zusteht. Seine Mutter Mary, einst Erbin des gewaltigen Redfellow-Imperiums, wurde von ihrer einflussreichen Familie bei Beckets Geburt verstoßen und starb völlig verarmt. Jetzt ist ihr charismatischer, vom Drang nach Höherem getriebener Sohn fest entschlossen, all das zurückzuholen, was er für gestohlen hält. Becket entwickelt einen raffiniert-mörderischen Plan, um die sieben Redfellow-Verwandten, die zwischen ihm und dem Familienbesitz stehen, aus dem Weg zu räumen. Während die Erben einer nach dem anderen in einer Reihe von köstlich einfallsreichen „Unfällen“ ums Leben kommen, muss Becket der Beziehung zu seiner neuen Freundin Ruth (Jessica Henwick)gerecht werden und sich gleichzeitig den gefährlich koketten Avancen seiner Jugendliebe Julia (Margaret Qualley) stellen.

Die Verschwendung von Potenzial
Die Zutaten könnten besser kaum bereitliegen: Ein Fantastischer Cast, ein zeitloses Sujet von Gier, Stand und der Entscheidung zwischen Geld und Liebe kombiniert mit der aktuellen Relevanz seiner zentralen Fragen stand eigentlich nichts im Wege, um unterstützt von der Wirkung, die A24 auf Filmfans ausübt, aus How To Make A Killing ein rabenschwarzes Gesellschaftssatire-Highlight anno 2026 zu machen. Doch um direkt die Katze aus dem Sack zu lassen, ist für mich diese Komödie eine der ersten größeren Enttäuschungen im inzwischen doch schon zu einem viertel fortgeschrittenen Kinojahr. Nicht, weil hier schlecht gespielt wird oder schwierige Aussagen vermittelt werden, was dem letzten Glen Powell-Projekt The Running Man zum Verhängnis wurde. Und auch nicht, weil man sich in seinen Ansprüchen verzettelt und die eigene Bedeutung verkennt, wie es beispielsweise A24 mit dem Ausrutscher Sharper erging.
Nein, es ist im Endeffekt vielleicht sogar noch „schlimmer“, denn wenn es einer schwarzhumorige Komödie an Biss mangelt, sodass man sich fast schon stellenweise langweilt, dann ist das im Urteil fast verheerender als wenn man irgendwie übers Ziel hinausgeschossen ist, aber sich etwas getraut hat. How To Make A Killing ist filmgewordenes Safe-Play – nur, dass dies in diesem Subgenre einem assistierten Suizid gleichkommt.
Nicht Psycho genug
Es geht in dieser Geschichte also um einen jungen Mann, der einerseits quasi seine Mutter rächen und andererseits seinen ihm in seinen Augen zustehenden Platz in der Gesellschaft mit radikalsten Mitteln zurückholen will. Damit will uns dann Regisseur John Patton Ford, der vorher mit Emily the Criminal einen kleinen, aber unheimlich pointierten Sozialthriller abgeliefert hat, eine Mischung aus Satire und Krimi bieten, bei der man ganz klassisch als Zuschauer peu à peu manipuliert wird, um mit einem Verbrecher mitzufiebern. Doch einige Entscheidungen des Regisseurs machen einem dies schwer, wie die seltsame rückblickende Erzählweise, bei der Becket im Todestrakt einem Priester seine ganze Lebensgeschichte erzählt.
Das ist inzwischen auf der einen Seite abgedroschen, auf der anderen Seite erfüllt es hier keinen wirklichen Zweck und wirkt daher nur wie ein Gimmick, um zu rechtfertigen, weshalb der Protagonist seinen inneren Monolog auch dem Publikum mitteilen kann. Ein Fehler, wenn dieser Erzähler dann zwischen den Stühlen hängt wie Becket hier, der weder so ein abscheulicher Charakter wie ein Patrick Bateman in American Psycho noch ein Unschuldslamm ist, dem man quasi aus Mitleid die Sympathien schenkt.
Ein anderer Film zeigte erst kürzlich, wie es geht
Er erzählt dann also dem Priester, wie er der Reihe nach seine vor ihm in der Erbfolge stehenden Verwandten beseitigt hat und damit jeweils durchgekommen ist. Das erinnert in der Struktur dann doch eindeutig an Park Chan-wooks No Other Choice, nur eben mit einem Mann, der für Geld und Reichtum Cousins und Cousinen killt und nicht andere Aspiranten auf die gleichen Jobs. Doch nicht nur ist dort die Hauptfigur wesentlich besser gespielt – ich will Glen Powell gar nicht erneut für seine eingeschränkte Range kritisieren, er macht eigentlich noch das beste draus und passt tatsächlich ziemlich gut in diese Rolle -, nein, schlicht ist die Motivation zwar, aber wirkt irgendwie künstlich mit diesem Charakter in Einklang gebracht.
Und dann sind die Kills auch in der Inszenierung nicht Fisch, nicht Fleisch. Entweder hätte man es – eben wie im koreanischen Pendant – bewusst mehr in die Slapstick-Richtung stricken können oder man hätte es um einiges morbider, blutiger und damit auf die gute Art böser machen müssen. So aber dümpelt der Film vor sich hin, ein Tod nach dem anderen wird abgehakt, um die Getöteten schert man sich ohnehin keinen Deut und darum, dass der scheinbaren Gerechtigkeit hier genüge getan wird, auch nicht.
Viele bekannte Gesichter, wenig Esprit
Dann begeht aber auch der noch recht unerfahrene Regisseur hier einen Kardinalfehler, wenn er nämlich versucht, unzureichend geschriebene Figuren allein dadurch interessanter fürs Publikum zu machen, dass man sie von bekannten Stars spielen lässt. Doch auch hier erzielt Ford letztlich fast den gegenteiligen Effekt, wenn How To Make A Killing so krass auf seinen Protagonisten zugeschnitten ist, dass die zahlreichen Starauftritte unabhängig ihrer Länge nicht über Cameo-Level hinausgehen. Ed Harris, Topher Grace und Bill Camp werden komplett verschenkt. Jessica Henwick kann noch Akzente setzen, aber vor allem Margaret Qualley funktioniert hier leider überhaupt nicht als Beckets Liebe seines Lebens mit einer nebulösen Femme Fatale-Attitüde. Nach The Substance greift die Tochter von Andie McDowell ein weiteres Mal mit einer Projektauswahl daneben.

Am Ende gibt es dann hier natürlich auch noch einen Twist, der aber einerseits erwartbar war und andererseits selbst als Überraschung keinen Punch hat. Man fragt sich nach den knapp zwei Stunden, ob diese extrem dünne Botschaft tatsächlich alles gewesen sein kann, was der Regisseur und Autor aus einem Skript herausholen konnte, das es auf die berüchtigte Black List Hollywoods geschafft hatte und das als vom Klassiker Adel verpflichtet inspiriert verkauft.
© Studiocanal
Unser Fazit zu How To Make A Killing
Bei aller Kritik ist der Film keine Katastrophe und man kann How To Make A Killing gern mal wegschauen. Doch er wird dem Label A24, das für seine Besonderheiten berühmt ist, nicht gerecht, unterstreicht, dass Glen Powell als Lead überschätzt wird und ist für eine schwarze Komödie viel zu zahm, um langfristig im Gedächtnis zu bleiben. Schade, aber hier wäre unter erfahrenerer Regie wohl um einiges mehr drin gewesen.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

