Kevin James (Becky) und Alan Ritchson (Reacher) bitten euch um ein Playdate. Bevor ihr zustimmt, solltet ihr erstmal unsere Rezension lesen.
Darum geht es in Playdate
Als der arbeitslose Buchhalter Brian (Kevin James) den nicht berufstätigen Dad Jeff (Alan Ritchson) zu einem Spieltreffen mit ihren Söhnen besucht, erwartet er einen ruhigen Nachmittag. Stattdessen werden sie von Söldnern gejagt, und Brian muss unvorbereitet ein absurdes Hindernis nach dem nächsten überleben. In diesem urkomischen Abenteuer trifft väterliches Vorstadtleben auf Action-Film-Chaos.

Ein König verliert die Krone und der Reacher langt daneben
Anfang der 2000er gehörte Kevin James zu den gefragtesten Comedy-Stars. Mit King of Queens landete er einen Hit, und dank prominenter Unterstützung von Will Smith und Adam Sandler schaffte er den Sprung auf die Kinoleinwand. Mit seinen folgenden Kino- und Streamingproduktionen konnte er allerding qualitativ nicht an alte Erfolge anknüpfen. Eine sympathische Ausstrahlung und Comedytalent helfen eben nur begrenzt bei schwachen Drehbüchern.
Da er nun nicht mehr die Zugkraft von früher besitzt, stellt man ihm Alan Ritchson zur Seite, dessen Karrierekurve derzeit steil nach oben zeigt. Seine Figur Jeff ist für James’ Charakter Brian das große Vorbild. Der Reacher-Star sollte sich im Gegenzug kein Beispiel an Kevins Karriereentscheidungen nehmen und sein Talent künftig nicht in minderwertigen Produktionen wie Playdate verschwenden.
Billige Action…
Schon zu Beginn wird die unterirdische Qualität deutlich. Unterlegt von dramatischer Musik bekommt man eine kurze Vorschau auf eine generische Verfolgungsjagd, die uns als Highlight verkauft wird. Was eigentlich Spaß und Epik suggerieren soll, entlarvt früh die Ideenlosigkeit der unkreativen Köpfe hinter der Kamera. Neben dem Walkürenritt – der selbstverständlich ebenfalls noch Verwendung findet – gehört O Fortuna zu den meistgenutzten Musikstücken in Film und Fernsehen. Aus erzählerischer Sicht ist dieser Ausblick völlig unnötig. Er soll uns nur zum Dranbleiben motivieren, denn der Weg bis zur ersten Actionszene ist zäh und spaßbefreit. Wenn es dann endlich losgeht, merkt man jedoch schnell, dass sich das Warten nicht gelohnt hat. Tempo entsteht ausschließlich durch schnelle Schnitte und Wackelkamera, wodurch die kurzen Verfolgungsjagden und Prügeleien billig wirken. Der Eindruck wird zusätzlich durch die Wahl der Drehorte verstärkt: Das Finale spielt in einer leeren Lagerhalle, die als Kulisse für ein hoch technologisiertes Geheimlabor herhalten muss.
… trifft auf ein patriarchalisches Weltbild…
Eingebettet werden die wenigen Konfrontationen in eine katastrophal erzählte Geschichte zweier Väter. Brian (Kevin James) möchte eine Bindung zu seinem Stiefsohn aufbauen. Die Beste Methode ist scheinbar dem Jungen die eigenen sportlichen Interessen überzustülpen und so zu einem „richtigen Mann“ zu erziehen. Wer nicht dem männlichen Idealbild von Autor Neil Goldmann entspricht, wird zur Witzfigur – mit entsprechend schlechten Chancen beim weiblichen Geschlecht – degradiert.
Frauen spielen in der Welt von Playdate ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Sobald sie ihre angestammte Position im Haushalt verlassen, droht dem Partner sofort der Verlust seiner Männlichkeit. Besonders aufmüpfige Mafia-Mamas werden zur Strafe während einer Verfolgungsjagd vom männlichen Nachwuchs mit Elektroschocks traktiert. Selbst schuld: Hätte sie das Auto – wie Brians Frau – nur zum Einkaufen genutzt, wäre ihr dieses Schicksal erspart geblieben.
…und menschenverachtende Maskulinität
Während der eine Handlungsstrang Werte propagiert, die selbst der CSU zu konservativ wären, liefert der andere kalkulierte Grenzüberschreitungen, die so „real“ wirken wie ein rappender Religionslehrer oder das Instagram-Profil der örtlichen Kreissparkasse. Alan Ritchson muss seinen jungen Begleiter vor einer militärischen Geheimorganisation schützen. Beide sind, wie es sich für „richtige Kerle“ gehört, unaufhaltsame Kampfmaschinen, schauen ausschließlich Filme mit R-Rating – darunter auch das Debüt von Regisseur Luke Greenfield – und erreichen ihre Ziele notfalls unter Androhung von Folter. Da sie sich auch keinen Deut um Kollateralschäden scheren, generieren sie für das Militär einen echten „Mehrwert“. Bei Blut und nackter Haut hört der Spaß aber auf – schließlich schauen wir einen Familienfilm.

Kein Knüller und viele Füller
Man kann mir vorwerfen, dass ich in diesen Streaming-Stinker etwas zu viel hineininterpretiere, aber man hat eben viel Zeit, über das Gesehene nachzudenken. Die Grundidee trägt keinen ganzen Film und wird mit allen Mitteln der Einfallslosigkeit gestreckt. Manche Szenen wiederholen nur bereits bekannte Details und besonders schlechte Ideen werden als Running Gags etabliert. Mehr als einmal fährt Brian an seinem Ziel vorbei, denn übergewichtige Weicheier können ja bekanntlich nicht Autofahren.
Es ist erstaunlich, dass ein Comedy-Autor und ein Regisseur mit Komödienerfahrung keinerlei Gespür für Pointen und Timing mitbringen. Keiner ihrer Gags funktioniert, doch das hält sie nicht davon ab, sie trotzdem endlos in die Länge zu ziehen. Wenn ihnen dann gar nichts mehr einfällt, zitieren sie wahllos Filmklassiker. Hinzu kommen einige sichtbare Anschlussfehler, die nahelegen, dass hier keiner an einem ordentlichen Endprodukt interessiert war.
Übermotivation trifft auf Arbeitsverweigerung
Da Ausnahmen bekanntlich die Regel bestätigen, gibt es tatsächlich einen kleinen Lichtblick. Alan Ritchson hat richtig Bock auf seine Rolle. Obwohl er nur auf sein Äußerstes reduziert wird, keine guten Actionszenen abliefern darf und in einer plumpen Aneinanderreihung mieser Sketche mitspielen muss, gibt er 100 Prozent. Dadurch wird kein Witz lustiger und keine Klopperei besser, aber es ist immerhin schön zu sehen, dass sich wenigstens einer Mühe gibt.
Diesen Schuh kann sich Kevin James (Der Zoowärter) nicht anziehen. Nach diversen Thriller-Ausflügen spielt er mal wieder seine Paraderolle des gutherzigen – und etwas tollpatschigen – Jedermanns, der über sich hinauswachsen muss. Sein müdes Spiel beweist, dass er diese Rolle im Schlaf beherrscht. Die Ideenlosigkeit des Drehbuchs zwingt ihn obendrein zur Improvisation. Ihm fehlen allerdings die passenden Requisiten für seinen Slapstickhumor als auch ein starkes Gegenüber für pointierte Wortduelle. So steht er häufig verloren in der Kulisse herum und bittet den Witz herauszukommen, obwohl er ihn nicht umzingelt hat.

Die Qual der Wahl zwischen beschämend und egal
Das Budget hat sogar noch für ein paar zusätzliche Scherzkekse gereicht und so gibt es ein Wiedersehen mit einer Reihe bekannter Nebendarsteller:innen. Alan Tudyk spielt einen Elon-Musk-Verschnitt, Stephen Root einen schlechten Vater und Paul Walter Hauser einen dicken Nerd. Im Gegensatz zu seinen beiden Kollegen scheint der sich so sehr für diese Rolle zu schämen, dass sein Name nicht im Abspann erscheint.
Sarah Chalke nimmt die ihr vom Patriarchat zugeschriebene Rolle ein und bleibt brav im Hintergrund. Nur ab und zu darf sie auftauchen, um ihren Ehemann mental zu unterstützen.
Zum Schluss könnte man noch kritisieren, dass keine der Figurenmotivationen zu einem vernünftigen Ende geführt wird, doch die beiden Primaten-Papas erweisen uns wenigstens einen wahren Freundschaftsdienst und beenden die Verabredung pünktlich nach 90 Minuten.
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Unser Fazit zu Playdate
Für dieses Playdate muss man sich keine Zeit in seinem Terminkalender freiräumen. Müde Gags, schlechtes Timing, viel Leerlauf und fade Wackel-Action führen dazu, dass man diese Freundschaftsanfrage nicht nur ablehnen, sondern den Nutzer am besten gleich blockieren sollte.
Playdate ist ab dem 12.November 2025 auf Prime Video zu sehen.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

