Zuletzt hat Russell Crowe eher die B-Movie-Schiene befahren. Mit The Weight und Ethan Hawke an seiner Seite meldet sich der Gladiator-Star im seriöseren Gefilde zurück. Doch kann der Survival-Film auch die Karriere des Altstars nochmal zum Glänzen bringen?
Darum geht es in The Weight
Oregon 1933: Nach dem Tod seiner Frau wird Samuel Murphy (Ethan Hawke) von seiner Tochter getrennt und landet in einem Arbeitslager. Um das Sorgerecht zurückzuerlangen, lässt Murphy sich auf einen riskanten Deal mit dem skrupellosen Lageraufseher Clancy (Russell Crowe) ein: Man stellt ihm eine vorzeitige Entlassung in Aussicht, wenn er sich im Gegenzug einer Gruppe Schmuggler bei einem Goldtransport durch die unbarmherzige Wildnis anschließt. Doch abgesehen von den Gefahren, die auf dem unwegsamen Terrain lauern, wird das Unterfangen auch durch Misstrauen und Verrat in den eigenen Reihen sabotiert. Je näher die Gruppe ihrem Ziel kommt, desto mehr zweifelt Murphy an dem Preis, den er für seine Freiheit und das Wiedersehen mit seinem Kind zahlen muss.
Im niederbayerischen Oregon
The Weight machte für so eine Art von Filmproduktion hierzulande ungewöhnlich früh Schlagzeilen. Das liegt daran, dass zwar immer wieder Szenen für Hollywood-Projekte in Deutschland entstehen. Aber dass man für einen Spätwestern aus dem Bayerwald in Niederbayern die Wälder des US-Bundesstaats Oregon macht, ist dann doch etwas außergewöhnlicher. Ob die südostdeutschen Landschaften nun authentisch als westamerikanische Szenerie rüberkommen, das können wohl nur diejenigen beurteilen, die selbst schon in den äußersten Westen der Vereinigten Staaten gereist sind. Doch dass hier die Naturaufnahmen überzeugen und eines der zweifelsfreien Highlights der Produktion sind, das wird jede und jeder, die oder der den Film auf der Leinwand erleben darf bestätigen.
Speziell in den Totalen, aber auch in den Actionszenen aus nächster Nähe und mit einer hohen Dynamik gefilmt, wirkt sich die fast urtümlich wirkende Natur extrem auf die Stimmung dieses Survivaldramas aus. Damit steht der Debütfilm von Padraic McKinley dem anderen großen Survival-Abenteuer dieses Jahres, Heart of the Beast, in kaum etwas nach. Ja, die neuseeländischen Landschaften sind nochmal weitläufiger und spektakulärer, aber auch Niederbayern, ääh Oregon hinterlässt einen bleibenden Eindruck.
Klassisches Survival-Abenteuer
Besonders wendungsreich oder inhaltlich innovativ hingegen ist The Weight definitiv nicht. Analog zum Friedkin-Klassiker Sorcerer könnte die Devise gradliniger kaum sein, um damit vollen Fokus auf das Wie zu legen. Trotzdem ist in meinen Augen die Einführung, bevor Samuel Murphy sich zu der gefährlichen Mission überreden lässt, nicht überflüssig, sondern baut genau im richtigen Maß einen gebrochenen Charakter auf, damit er als Protagonist funktioniert und einem nicht zu egal ist. Die Motivation, einem Vater den Verlust seiner kleinen Tochter in Aussicht zu stellen, mag denkbar simpel sein, aber wird in den wenigen Momenten zu Beginn des Films glaubhaft rübergebracht, sodass man Ethan Hawke abkauft, weshalb er bereit ist, die Grenzen auf vielen Ebenen zu überschreiten. Kurzum kann man zu seiner Darbietung resümieren, dass er einmal mehr richtig abliefert und körperlich wohl noch nie so gefordert war, wie hier.
An seiner Seite entwickelt sich dann das stringent vorgetragene Überlebens-Abenteuer beim Zuschauen zu einer spürbaren Seherfahrung, die sich auf klassische Rollenbilder stützt und nur marginal zu sehr mit Klischees spielt. Neben der Assoziation zu Sorcerer fühlt man sich durch die Gruppendynamik auch an den Netflix-Film Triple Frontier erinnert, die weitaus bessere Referenz, vor allem bezüglich des Fokus auf die Hawke-Figur und dessen Verhältnis zum Gegenspieler, den Russell Crowe stark mimt, aber auch wegen des Gold-McGuffins, ääh -Faktors, ist tatsächlich der finnische Reißer Sisu.
Atmosphäre über Story
Bisweilen kann The Weight dem ein oder anderen zu langweilig daherkommen, wenn man sich nicht von der dichten Atmosphäre einfangen lässt. Damit das aber nahezu ausnahmslos gelingt, haben sich die Macher noch als „Joker“ einen richtigen starken Score von Latham und Shelby Gaines zusammenklimpern lassen. Das, was hier mit Bässen und E-Gitarren-Einsprenkseln an Stimmung verstärkt wird, ist wirklich immersiv und – ich kann mich nur wiederholen – sollte tatsächlich im Kinosaal erlebt werden.
Auf inhaltlicher Ebene bekommt man viel Standardwerk serviert: ein Protagonist, der zu allem bereit ist, ein ziemlich klischeehafter, aber von Crowe köstlich böse gespielter Antagonist, einige Nebenfiguren, die auch lediglich dadurch noch etwas Profil bekommen, weil man ein Händchen für die Besetzung beweist. Audiovisuell hingegen und in Bezug auf die Wucht des Gezeigten ist The Weight tatsächlich im Jahr 2026 eine filmische Tour de Force, die man nicht verpassen darf.
© Capelight Pictures
Unser Fazit zu The Weight - Im Goldrausch
The Weight überzeugt als geistiger Nachfolger zu klassischen Spätwestern-Survival-Actionern à la Sorcerer, mit einem fesselnden Sound und tollen Naturaufnahmen. Auch die Performance der Stars ist stimmig. Lediglich wer auch noch inhaltliche Quantensprünge erwartet, wird mit Sicherheit auch die überschaubare Laufzeit noch als zu lang erachten.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.
