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    Die Falle

    Jan Wernervon Jan Werner13. Oktober 2026Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    © Netflix
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    Die Falle ist mal wieder ein deutsches Netflix-Original. Unfamiliar konnte in diesem Jahr schon einen Achtungserfolg setzen, aber kann auch dieser Thriller daran anknüpfen?

    Darum geht es in Die Falle

    Die erfolgreiche Schriftstellerin Lisa Konrad (Friederike Becht) hat das Haus seit fast 10 Jahren nicht mehr verlassen, nachdem sie Zeugin des Mordes an ihrer Schwester Anna wurde. Als sie nun im Fernsehen den Täter zu erkennen glaubt, versucht sie, ihm eine Falle zu stellen – der Köder ist sie selbst.

    Lisa glaubt den Mörder ihrer Schwester zu erkennen © Netflix

    Das kommt mir doch bekannt vor…

    Und schon wieder müht sich eine deutsche Produktion an einer formelhaften Geschichte ab, an der zuletzt bereits andere Versuche ans Original heranzukommen, scheiterten. Die Falle ist nämlich vor allem eine weitere Abwandlung des Hitchcock-Klassikers Fenster zum Hof, und dabei erinnert dann sogar die Protagonistin qua Berufung noch sehr an die Amy Adams-Figur aus The Woman in the Window, denn genau wie diese spielt hier Friederike Becht eine Autorin, die aus bestimmten Gründen nicht mehr aus dem Haus geht.

    Der Unterschied besteht dann darin, dass hier eben die Autorin nicht in einem Nachbarn einen Verbrecher vermutet, sondern nachdem sie eine Nachrichtensendung sieht, meint, in einem Journalisten – gespielt von Hans Löw – den Mörder ihrer Schwester zu erkennen.

    … aber ist dann doch was anderes

    Doch zum Glück vermeidet Die Falle den Fehler, sich zu sehr auf die bewährte Formel zu verlassen, wie es seinerzeit eben dem Amy Adams-Film zum Verhängnis wurde. Stattdessen wird dieses Mal schnell aus dem Thriller ein Psychoduell, zuerst aus der Ferne und im Verlauf immer mehr aus nächster Nähe, bei dem durch die Erzählweise zusätzlich dem Publikum erschwert wird, ständig den Überblick über Realität und Fiktion zu behalten. Denn die Profession von Lisa ist hier mehr als nur ein Charakterhintergrund sondern integraler und smart ausgespielter Teil des Spannungsaufbaus.

    Die Autorin schreibt nämlich eine fiktionalisierte (?) Geschichte ihres Traumas als Roman, um den vermeintlichen Mörder aus der Deckung zu locken. Dadurch aber, dass die Protagonistin von Beginn an als labil eingeführt wird, weiß man immer wieder nicht, ob etwas nun auf echte Erinnerungen, auf ihre verzerrte Wahrnehmung oder komplett auf Gutglauben zurückzuführen ist. Mit dieser Unzuverlässigkeit weiß Die Falle sehr gut zu spielen und die Spannung hochzuhalten.

    Starkes Ensemble mit glasklarem Schwerpunkt

    Friederike Becht versus Hans Löw oder eben Lisa versus Robert: Die Falle wird als Psychoduell verkauft, ist aber auch ein Duell zweier exzellenter Vertreter der höchsten deutschen Charakterdarsteller-Riege. So speist sich die Spannung zu einem Gros auch aus dem mehrdimensionalen Spiel der beiden Antagonisten: Becht verkörpert alle Facetten einer psychisch extrem instabilen Persönlichkeit mit einer Überzeugungskraft, dass man tatsächlich Angst um sie bekommen könnte. Auf der anderen Seite spielt dann aber Löw den verdächtigen Journalisten mit einer derartigen Distanziertheit, die sehr lang offen lässt, ob Lisa mit ihrer Verdächtigung richtig liegt oder sich mehr und mehr in einem Wahn verliert.

    Bei einer Geschichte, die so auf ein Duell zugeschnitten ist, ist es zwar eine Erwähnung wert, wie hochkarätig dennoch die Riege an Nebendarstellenden von Matthias Brandt (Polizeiruf) über Anna Schudt (Tatort) bis Alexander Schubert (Heute Show) ist. Doch bis auf ein paar Einzelszenen, in denen diese deutschen Granden ihr Talent unter Beweis stellen dürfen, macht die Serie nicht allzu viel mit diesem Personal. Vor allem bei Schudt und Brandt hat man schon etwas den Eindruck, dass sie jeweils schon verkörperte Rolle nur ein weiteres Mal aufleben lassen. Doch das fällt nicht schwer ins Gewicht, weil eben der Fokus so sehr auf Becht und Löw liegt.

    Lisa erinnert sich an die Zeit mit ihrer Schwester, die ermordet wurde © Netflix

    Routiniert und spannend inszeniert

    Dass das Team hinter Die Falle Spannung kann, hat es schon mit dem Netflix-Hit Liebes Kind eindrucksvoll gezeigt. Man merkt hier, dass sich beim Folgeprojekt bestimmte Mechanismen eingespielt haben, wodurch immer wieder leichte Abnutzungserscheinungen bei als frisch intendierten Stilmitteln durchschimmern. Das bezieht sich zuvorderst auf den Umgang mit den Rückblenden und deren Verschränkung mit der Jetztzeit.

    Auf der audiovisuellen Ebene hingegen zahlt sich die Routine aus, weil vor allem im Schnitt und auch bei der Kameraarbeit in den letzten Jahren kaum eine deutsche Produktion so versiert und stilsicher unterwegs war. Vielleicht ist die Ausleuchtung noch nicht auf internationalem Topniveau, aber einige Kameraeinstellung, -winkel und -perspektivwechsel sind deutlich über dem Level des typischen Fernsehkrimis.

    Und was mich positiv überrascht hat, ist das Voice-over, weil ich dieses Stilelement in der Regel für ein ziemlich stumpfes Schwert halte. In Die Falle jedoch verleiht es der psychischen Fragilität der Protagonistin eine weitere Dimension und verstärkt zusätzlich noch die Paranoia-Stimmung beim Publikum. Zwar ohne Off-Stimme, aber mit ähnlich reizüberfordernden Mitteln hat übrigens in diesem Jahr das Apple TV-Remake von Kap der Angst ebenfalls aus dem reinen Schauen eine – im positiven Sinne – anstrengende Erfahrung gemacht. Und auch inhaltlich gibt es die ein oder andere Überschneidung zwischen den Geschichten, sodass ich tatsächlich denjenigen, die das Apple TV-Original mochten nun empfehlen würde, Netflix‘ deutscher Thrillerserie eine Chance zu geben.

    © Netflix

    Unser Fazit zu Die Falle

    4.0 Stark

    Die Falle ist eine intensive, dicht erzählte, vor allem aber herausragend gespielte Thrillerserie, bei der zwei Schauspielgrößen sich ein packendes Duell liefern. Die Liebes Kind-Macher liefern erneut eine Geschichte in der perfekten Länge ab und beweisen, dass nicht viel nötig ist, um das Publikum an den Bildschirm zu fesseln. 

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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