Dexter: Wiedererwachen setzt New Blood fort und damit geht es neben weiter mit unserem allerliebsten Serienkiller. Ist weiterhin genug Blut drin oder ist das Franchise langsam ausgeblutet?
Darum geht’s in Dexter: Wiedererwachen
Als Dexter Morgan (Michael C. Hall) wenige Wochen nachdem er von seinem eigenen Sohn angeschossen wurde, er aus dem Koma erwacht, ist Harrison (Jack Alcott) spurlos verschwunden. Dexter erkennt, was er seinem Sohn angetan hat, und macht sich auf den Weg nach New York, entschlossen, ihn zu finden und die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Doch das wird nicht einfach sein: Als Angel Batista (David Zayas) von Miami Metro ebenfalls in New York ankommt und Nachforschungen anstellt, wird Dexter klar, dass seine Vergangenheit ihn schnell einholt. Während Vater und Sohn sich in New York durch ihre dunkelsten Kapitel navigieren, finden sie schnell heraus, dass sie tiefer drinstecken, als sie es sich je vorgestellt haben – und, dass sie nur gemeinsam einen Ausweg finden werden.

Erster Eindruck zum neuen Sequel
Dieser Beitrag basiert auf den vier ersten Folgen von Dexter: Wiedererwachen, die Paramount uns dankenswerterweise vorab zur Verfügung gestellt hat.
Wieder-wiedererwacht.
Also bei aller Liebe zu den ersten vier Staffeln von Dexter, sind sich doch die meisten Fans einig, dass die Showtime-Serie gegen Ende ziemlich an die Wand gefahren wurde und sich in Absurditäten verzettelte, um mit dem Finale nicht nur, „den Shark zu jumpen“, sondern auch einen äußerst trüben Geschmack hinterließ. Nach einigen Jahren kam dann mit New Blood der Versuch, die Fehler auf der Zielgeraden der Originalserie auszubügeln, was auch weitestgehend durch ein stimmiges neues Setting, einen guten Antagonisten und eine interessante Fortschreibung von Dexters persönlicher Geschichte gelang. Doch wiederum schoß man mit dem Finale übers Ziel hinaus und vor allem stoß der inzwischen zum jungen Erwachsenen gereifte Sohn Harrison auch nicht nur auf Gegenliebe.
Der Titel des nun also zweiten Sequels zur Ur-Serie „Wiedererwachen“ spielt nicht nur darauf an, dass Dexter nun zu Beginn der Staffel aus dem Koma erwacht, sondern auch darauf, dass er quasi auch „offiziell“ nicht mehr für tot gehalten wird, da – wie man schon am Ende von New Blood erfahren hat – Ex-Kollege Angel erfährt, dass sich der Serienkiller nur abgesetzt hatte und nicht, wie am Ende von Staffel 8 angenommen, auf hoher See gestorben war. Das mit dem Todsein ist bei dieser Reihe ohnehin so eine Sache…
Nostalgie …
Bereits mit dem Casting wurde immer wieder in Richtung der nostalgischen Fangruppen geschielt, wenn man nahezu wöchentlich bestätigte, wer aus der Originalserie tatsächlich nochmal auftauchen wird. Und da dabei eben auch ein Großteil von Darstellern von Figuren, die längst – und in den meisten Fällen auch unwiderruflich – tot waren, konnte man sich schon zusammenreimen, dass man diesmal nicht nur einen Toten als Halluzination Dexters vorgesetzt bekommen wird. Wenn dann in Dexter: Wiederrerwachen aber bereits in den ersten Momenten fast alle ikonischen Gegenspieler dem Protagonisten im komatösen erscheinen, dann strapaziert man die Nerven von Kritikern von Fanservice schon sehr über.
Ja, es ist irgendwie schon mit einem wohligen Gefühl verbunden, Jon Lithgow, Jimmy Smits und sogar Erik King nochmal zu sehen und das wurde auch noch einigermaßen kurzweilig gelöst – die sichtbare Alterung der Akteure mal ausgeblendet. Aber wirklich gebraucht hat das die Story hier nun nicht und so fühlt es sich auch nicht ganz richtig an, denn so kann sich auch nach etlichen Jahren eine Marke nicht emanzipieren vom Vorwurf nur wenige gute Staffeln gehabt zu haben.
… oder Eigenständigkeit?
Diese Form von Nicht-Loslassen-Können hemmt den Neustart doch merklich aus den Startlöchern zu kommen. Und irgendwie hat man recht schnell das Gefühl, dass man auch schon im Verlauf der Ur-Serie hatte, nämlich, dass die Figur Dexter Morgan inzwischen auserzählt ist. Entsprechend war der Schritt in New Blood ja erstmal auch logisch, eine familieninterne Staffelstabübergabe an Harrison einzuleiten, die man nun hier im veränderten Setting weitertreiben will, wie es scheint. Dass man dann aber wieder Harry als Dexters Einflüsterer zurückbringt, während in New Blood diese Funktion von Debra übernommen wurde, zeigt nochmal mehr, wie sehr man an der Nostalgiekeule hängt.
Es gibt dann in den ersten Folgen hier quasi auch zwei Parallelhandlungen, nämlich einerseits Dexter, der aus dem Verborgenen Harrison nachforscht und andererseits Harrison, der endgültig das Familienerbe antritt und selbst zum Killer reift. Und dann gibt es noch den ganzen Aspekt mit den namhaft besetzten Killern, die sich allesamt als echte Herausforderung für Dexter offenbaren. Man kann sich ausmalen, dass es letztlich darauf hinausläuft, dass Papa und Sohn Serienkiller sich zusammenraufen müssen, und vielleicht ist dann die Zukunft der Marke wirklich eine ohne den Titelgeber.
New York ist kein Dexter-Land
Ein weiterer Streitpunkt neben der abbauenden Attraktivität der Figur Dexter, dem Gefühl, sich inhaltlich im Kreis zu drehen und der spürbaren Suche nach einem tragfähigen Konzept für die Zukunft der Reihe, ist die Verlegung des Handlungsortes nach New York. Miami war einst für die Geschichten mit Dexter, seinen Kollegen und Gegenspielern ikonisch und in gewisser Weise hatte die Kombination auch Eigenständigkeit. Wie eingangs beschrieben, war der krasse Bruch ins verschneite Hinterland in New Blood dann auch nicht unspannend und wurde entsprechend gut implementiert. Doch nun sind wir in Manhattan, einer Stadt, die man schlicht allein im Crime-Genre zu oft gesehen hat und die insbesondere auch deswegen eine Schwäche ist, weil sich hier die Vergleiche mit Netflix‘ You, die eh seit deren Start schon immer da waren, noch unweigerlicher aufdrängen.

Quatschige Idee mit Potenzial
Die Serie hat kein hohes Tempo. Das bedingt, dass diejenigen, die wegen der angekündigten Stars neugierig auf diese Mischung aus Fortsetzung und Spin-Off wurden, fast vier Folgen auf die Folter gespannt werden. Denn erst dann kommt es zum Treffen von Dexter und den prominent besetzten Killern, wobei dieses Dinner von Leon Prater, gespielt von Peter Dinklage, und dessen rechter Hand Charley, gespielt von Uma Thurman, organisiert wird – und die Gründe für das Ganze sich wohl erst noch im weiteren Verlauf aufdröseln. Fest steht nach Folge vier jedenfalls, dass hiermit tatsächlich nochmal frischer Wind in die Dexter-Welt kommt und man vielleicht das Publikum bewusst etwas an der Nase rumgeführt hat.
Dabei ist die Idee erstmal totaler Unfug, erinnert fast eher an B-Movies aus dem Thrillerbereich. Doch die Besetzung ist nunmal vielversprechend: Neil Patrick Harris (How I met Your Mother), Krysten Ritter (Jessica Jones) , David Dastmalchian (Late Night with the Devil) , Eric Stonestreet (Modern Family) – allesamt Namen, die (mit Ausnahme von Dastmalchian) auf den ersten Blick ungewöhnliche Kandidaten für Mörder und Psychopathen sind. Das macht Dexter: Wiedererwachen nun nach einem zähen Auftakt doch für Fans wieder interessanter
Akustische Reizüberflutung
Auch zuvor wurde Musik in Dexter regelmäßig zum Spannungsaufbau verwendet, aber so aufdringlich wie nun in der neuen Sendung, war dies noch nie der Fall. Nick Cave, Black Sabbath, schön und gut, aber in dieser Penetranz werden selbst Fans der Musik als solche sich hier immer wieder fragen, warum die Songs hier so überreizt werden und im Endeffekt wohl zum Gegenteil der intendierten Wirkung führen: Die Musik stellt dem Spannungsaufbau in Dexter: Wiedererwachen regelmäßig ein Bein.
© Paramount/Showtime
Unser Fazit zu Dexter: Wiedererwachen
Dexter: Wiedererwachen beginnt zäh, wird dann aber doch mit der Einführung der vermeintlichen Haupthandlung interessant genug, um vor allem die alten Fans bei der Stange zu halten. Ob es dieses Comeback allerdings tatsächlich gebraucht hat, steht auf einem anderen Blatt - und wird sich frühestens nach dem Ende der Staffel beantworten lassen.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

