Josh Hartnett muss in Below seine Gemeinde und Familie gegen ein Wesen aus der Tiefe verteidigen. Die Horrorserie betritt vertrautes Terrain, aber bietet sie auch etwas Neues?
Darum geht’s in Below
Calvin Penney (Josh Hartnett) ist ein warmherziger, aber dickköpfiger Fischer. Er lebt in einer kleinen Stadt in Neufundland und hat immer noch mit dem geheimnisvollen Tod seines Vaters vor vielen Jahrzehnten zu kämpfen. Als ein rätselhaftes Meereswesen beginnt, seine Heimatstadt zu terrorisieren, muss Calvin darum kämpfen, seine eng verbundene Gemeinschaft zusammenzuhalten. Fest entschlossen, seinen Sohn Wade (Charlie Heaton) und den Rest seiner Familie zu beschützen, verbündet er sich mit einer Meeresforscherin (Mackenzie Davis). Gemeinsam wollen sie es mit dem Ungeheuer aufnehmen und die verborgenen Geheimnisse der Insel lüften, bevor es zu spät ist.

Frischer Mix, bekannte Formel
Kleine Inselgemeinschaften scheinen grad im Trend zu liegen. So wird nun Below unweigerlich erstmal so wirken, als wolle Netflix im Fahrwasser des Widow’s Bay-Erfolgs mitschwimmen. Doch tatsächlich ist das neue Netflix-Original doch ein ganz anderer Schnack. Zwar hat die Miniserie abgesehen vom Setting keine großen Schnittmengen mit der Apple TV-Show, dafür aber weckt der Neustart an viele andere Serien und Filme Erinnerungen: Eine Kreatur aus der Tiefe des Meeres terrorisiert eine Küstenregion – daraus, dass diese Geschichte mit der Formel von Der Weiße Hai spielt oder gar als Hommage zu lesen ist, macht man keinen Hehl. Das wiederum ist dann der Horror-Teil im wilden Mix.
Dann kommt der Aspekt mit der Wissenschaft hinzu, die hier von der Figur von Mackenzie Davis repräsentiert wird, die eine ziemlich klischeehaft nerdige Meeresbiologin spielt. Hat man so beispielsweise in der deutschen Verfilmung des Frank Schätzing-Romans Der Schwarm vor wenigen Jahren fast 1:1 so gesehen und auch die isländische Netflix-Serie Katla hat das vor einigen Jahren sehr ähnlich ausgespielt.
Und ähnlich wie in besagtem isländischen Geheimtipp kommt noch eine Prise Mystery mit rein, wenn die Kreatur scheinbar nicht nur Mensch und Tier tötet, sondern noch etwas Geheimnisvolleres auslöst. Kurzum kann man also sagen, dass Below auf sehr viel Bewährtes setzt – und dennoch fühlt es sich frisch an, weil die Einzelteile in dieser Kombination noch nicht zusammengeworfen wurden.
Familiendrama trifft Umwelt-Message
Die Miniserie hat insgesamt sechs Folgen, die zwischen 35 und 45 Minuten lang sind, ist also ziemlich kompakt – und trotzdem lässt sich im Mittelteil eine gewisse Länge nicht wegreden. Der Auftakt von Below ist derweil stark, weil man endlich mal wieder nicht erst im Verlauf durch eine Rückblendenfolge die Begründung des Traumas der Hauptfigur liefert, sondern direkt damit einsteigt. Weil auch im weiteren Verlauf die Familiendynamik der Penneys im Mittelpunkt steht und dabei vor allem Calvins Motivation immer logisch bleibt, ist dieser Aspekt mitunter die Stärke der kleinen Serie. Josh Hartnett spielt wirklich gut den verzweifelten Vater, aber vor allem die drei Darstellenden seiner Kinder machen einen tollen Job – wenngleich man mit der Art von Charlie Heaton, der erneut einen eher verpeilten jungen Mann mimt, schon klarkommen muss.
Bis zu einem gewissen Punkt spielt die Serie auch exzellent mit der Ungewissheit über die Gefahr aus der Tiefe, deutet immer nur etwas mehr an, zeigt das „Wesen“ lange Zeit nicht in seiner ganzen Pracht, wodurch die Gefahr, die davon ausgeht abstrakt und damit bedrohlicher bleibt. Auch hier hat man sich erstmal das Erfolgsrezept der besten Genre-Vertreter abgeschaut. Das gleicht sogar aus, dass man mit einer kleinen Nebenhandlung um die Umsiedlung der Dorfbewohner einen plumpen Wink an die aktuelle US-Politik reinpresst.
Doch irgendwann herrscht dann nicht nur Klarheit, sondern die Geschichte nimmt auch eine Abzweigung, die sich reingezwungen, überambitioniert und gleichzeitig altbacken anfühlt. Ohne zu viel zu verraten, geht die Idee, den Spieß umzudrehen – in bester Moby Dick-Manier – nicht auf und das was im Anschluss an Enthüllung rund um die Familie Penney, einer anderen Familie und deren Historie ans Licht kommt, macht ein Fass auf, das sich mit der Atmosphäre, die Anfangs aufgebaut wurde, seltsam bricht.

Solides Finale, starker Look
Die zweite Hälfte macht einige dramaturgische Fehler und beschreitet einen Weg, der zu platt und vorhersehbar für das eigentlich überdurchschnittliche Skript der ersten Hälfte wirkt. Wiederum macht daraus dann das Finale noch das Beste, sodass man mit einem befriedigenden Gefühl entlassen wird.
Was Below jedoch unabhängig jedweder inhaltlicher Kritikpunkte nicht abzusprechen ist, sind die audiovisuellen Qualitäten. Denn einerseits wissen die Macher exzellent mit der Szenerie der Insellandschaft und dem Eis zu spielen und tolle, nachhaltige Bilder zu fotografieren. Andererseits schafft man es mit dem inzwischen oft bemühten Gimmick, jede Folge mit einer Art Montage mit einem Popsong zu beenden, mehrfach Ohrwürmer zu erzeugen und die gelungenen Cliffhanger nochmals zu verstärken.
© Netflix
Unser Fazit zu Below
Below ist eine überdurchschnittlich gute Miniserie, deren Familiendrama und Creature-Feature-Anteil leider nicht ganz so gut ausbalanciert bleibt, wie es der starke Auftakt verspricht. Dennoch bleiben starke Bilder hängen und entschädigen für Drehbuchentscheidungen, die das noch größere Potenzial leider torpedieren.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

