Bevor die beiden Marvel-Stars Tessa Thompson und Jon Bernthal wieder in die Heldenrollen schlüpfen, sieht man sie in His & Hers in ganz anderer Funktion. Wie das so ist, lest ihr im Folgenden!
Darum geht’s in His & Hers
Anna lebt in der brütenden Hitze Atlantas in gespenstischer Einsamkeit und zieht sich immer mehr von ihren Freunden und ihrer Karriere als Nachrichtensprecherin zurück. Dann hört Anna jedoch von einem Mord in Dahlonega – dem verschlafenen Ort, in dem sie aufgewachsen ist. Schlagartig erscheint sie wieder auf der Bildfläche und stürzt sich auf der Suche nach Antworten auf den Fall. Der Polizist Jack Harper begegnet ihr mit Misstrauen. Schließlich gerät sie selbst Visier seiner Ermittlungen. Jede Geschichte hat zwei Seiten: In His & Hers gibt es immer jemanden, der nicht die Wahrheit sagt …

Interessantes Perspektivenspiel…
Pünktlich zum Jahresstart hat Netflix auch 2026 wieder einen Harlan Coben-Krimi released – nur um eine Woche später mit His & Hers einen weiteren Thriller in einem sehr vergleichbaren Stil nachzuschieben. Doch im Vergleich mit der Fließbandware aus der Feder Cobens ist diese Miniserie doch in bestimmten Belangen eine Variation bekannter Mechanismen, weil man – getreu dem Titel – hier ziemlich effizient weiß, wie man mit den beiden Perspektiven spielen muss, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Man baut, mutmaßlich weil man sich der überschaubar innovativen Geschichte per se bewusst war, sehr stark auf dem Star-Fundament auf, dass sich aus der Konstellation zwischen Jon Bernthal und Tessa Thompson ergibt, die hier als (Noch-)Ehepaar in verschiedenen Jobs – als ermittelnder Detective und als Journalistin – in ein und demselben Fall ermitteln, wobei jedoch beide irgendwie in die Sache verstrickt sind, weshalb die Protagonisten auch irgendwie gegeneinander ermitteln.
Und weil die beiden dann auch noch ein persönliches Drama verbindet, kommt zusätzlich Würze in diese Ausgangslage, womit man dem Vorwurf, es ließe sich doch schneller vorankommen, würde man nur miteinander reden, aktiv entgegenwirkt.
… mit Hochkarätern auf der Bremse
Tessa Thompson ist dabei als verbitterte und trauernde Moderatorin, bei der alte Wunde aufgerissen werden, zwar gewohnt stark, aber immer wieder trifft sie in ihrem Spiel diesmal nicht genau die richtige Tonalität, manchmal wirkt es sogar leicht affektiert, worunter der dramatische Part von His & Hers nicht unerheblich leidet.
Vieles erinnert hier an die gefeierte HBO-Serie Mare of Easttown, beispielsweise das Gespann aus Jack (Bernthal) und seiner unerfahrenen Partnerin Priya, sehr pointiert gespielt von Sunita Mani (Glow), weckt Erinnerungen an das Duo aus Kate Winslet und Evan Peters. Doch um tatsächlich in die Höhen der Brad Inglesby-Show vorzustoßen, ist das Netflix-Original in den düsteren Tiefschlag-Szenen einen Tick zu theatralisch und in Teilen auch zu konstruiert unterwegs.
Hierbei spielt auch eine Rolle, dass Jon Bernthal einmal mehr den leicht reizbaren Archetypen des Cops mit Geheimnissen spielt, was ihn darstellerisch in eine Art von Automatikmodus zu hieven scheint, sodass er nicht immer ganz überzeugend eine eigenständige Figur verkörpert, sondern mehr an seine typischen Performances erinnert – ohne eigene Seele. Spaß hingegen machen dann die ab und an gar nicht so deplatzierten humoristischen Brechungen durch pointierte One Liner – und markante Nebenfiguren, wie allen voran den von Chris Bauer gespielten Gatten des ersten Mordopfers.

Ein ziemlicher Standard-Thriller
Was den Fall angeht, muss man nach den sechs Folgen aber doch resümieren, dass weder auf der emotionalen Ebene der Punch so richtig sitzt noch Wendungen passieren, die man als erfahrenen Krimifan nicht im Verlauf schon absehen kann. His & Hers ist ein kurzweiliger, stark besetzter Thriller, der Genrefans eine gute Zeit bereiten wird, handwerklich sich keine Schnitzer leistet, aber im Nachgang kaum Spuren hinterlässt.
Im Herbst 2025 hat man mit The Beast in Me einen Produktion mit ähnlichen Zutaten für eine vergleichbare Zielgruppe gezeigt, wo man sich mehr getraut hat. Diese Miniserie muss sich auf jeden Fall den Vorwurf gefallen lassen, ein weiteres Produkt der typischen Netflix-Content-Maschinerie zu sein, aber gäbe es nicht unter den 300 Millionen Abonnenten genug, denen dies zur leichten Unterhaltung reicht, dann würden diese Standard-Thriller auch nicht in diesen Massen produziert werden.
© Netflix
Unser Fazit zu His & Hers
His & Hers ist im wahrsten Sinne der Bewertung "okay": solides Schauspiel, wenngleich alle Beteiligten schon besser waren, eine spannende Geschichte, die jedoch niemanden vom Hocker haut, der schon mehr als drei Krimis gesehen hat und eine bodenständige Umsetzung, der man keine groben Fehler vorwerfen kann. Tessa Thompson und Jon Bernthal wecken mitunter zu hohe Erwartungen, denen die Miniserie nicht gerecht werden kann. Doch ein Totalausfall ist dieser Thriller keineswegs.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

