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    Man on Fire

    Jan Wernervon Jan Werner30. April 2026Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Man on Fire © Netflix
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    Yahya Abdul-Mateen II hat in Man on Fire die große Aufgabe, Denzel Washington in einer schon einigermaßen ikonischen Rolle nachzufolgen. Statt einer Filmversion entscheidet sich Netflix jedoch für ein Serienformat. Gute oder schlechte Idee?

    Darum geht’s in Man on Fire

    Man on Fire erzählt die Geschichte von John Creasy (Yahya Abdul-Mateen II), einem ehemaligen Agenten einer Spezialeinheit, der selbst aus den schwierigsten Situationen stets lebendig rauskam. Jetzt wird er stark von PTBS geplagt, will sich aber auch davon nicht unterkriegen lassen. Doch noch bevor er sein neues Leben in den Griff bekommen kann, muss er wieder in seine alte Rolle schlüpfen und härter kämpfen denn je.

    Yahya Abdul-Mateen II lässt es ordentlich krachen in dieser Neuverfilmung © Netflix

    Wie groß sind diese Fußstapfen?

    Yahya Abdul-Mateen II hat schon bei Marvel (Wonder Man) und DC (Aquaman 2)seine Spuren hinterlassen, war gottgleich unterwegs in Watchmen und arbeitete mit Größen wie Michael Bay (Ambulance) und Jordan Peele (Wir) zusammen – ein unbeschriebenes Blatt ist der US-Amerikaner, der immerhin in diesem Jahr schon 40 wird, also längst nicht mehr. Dennoch ist diese Rolle nun nochmal eine besondere Challenge, hat doch vor inzwischen rund 20 Jahren niemand geringeres als Denzel Washington die Rolle des John Creasy unter der Regie von Tony Scott übernommen in dem Film, der unter anderem auch das Karrieresprungbrett von Dakota Fanning war, die inzwischen auch aus Hollywood nicht mehr wegzudenken ist.

    Was jedoch immer wieder außer Acht gelassen wird, ist, dass auch Mann unter Feuer aus dem Jahr 2004 schon eine Neuverfilmung war. Denn bereits 1987 wurde der Thriller von A. J. Quinnell mit Scott Glenn (Marvel’s Daredevil) einmal adaptiert. Die Tony-Scott-Version hat im popkulturellen Gedächtnis derweil einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen, wurde der Rachethriller seinerzeit von Kritikern nahezu unisono abgestraft, kam er beim allgemeinen Publikum doch ziemlich gut weg und hat heute einen IMDB-Wert von weit überdurchschnittlichen 7,7, die 87er Fassung kommt dabei nur auf schwache 5,8.

    In der Vita von Washington geht Mann unter Feuer dennoch eher unter und wirklichen Kultstatus hat der Film heute auch nicht, weswegen zwar die Schuhe des Oscar-Preisträgers für Yahya Abdul-Mateen II groß, aber eben nicht übergroß sind. Und sowohl in Watchmen als auch im Candyman–Remake hat er schon unter Beweis gestellt, dass er genau der Richtige sein kann, wenn es darum geht, ikonische Figuren noch neu zu interpretieren.

    Ein-Mann-Armee gegen Drogenkartell…

    Wüsste man nicht, dass Man on Fire nun auf der gleichen Basis aufbaut wie die erwähnten Vorgänger und wüsste man zudem nicht, dass bereits anderweitige Spin-offs zuTyler Rake: Extraction tatsächlich in Produktion sind, man würde diese Serie hier ohne mit der Wimper zu zucken in der gleichen Filmrealität mit der Chris Hemsworth-Reihe ansiedeln. Originell ist diese Serie beleibe nicht, im Gegenteil zitiert sie sogar direkt die Folterszenen, für die die Denzel Washington-Version bekannt ist, obwohl der Film per se heute etwas angestaubt wirkt.

    Wir bekommen hier schlicht eine weitere Ein-Mann-Armee in Serienform mit neuem Lead mit einigermaßen typischem PTSD-Background. Wir bekommen einen zeitgemäßen, aber auch etwas generischen Netflix-Look, in dem zumindest aber die Favelas absolut beeindruckend zur Geltung kommen, während die Action im Gegensatz zur Extraction-Reihe deutlich zurücksteht. Und das alles bekommen wir auf sieben Folgen gestreckt, wobei zwar die ganze Gang-Story durchaus Fleisch an den Knochen bringt, aber der Hauptplot aufgrund der Vorhersehbarkeit doch streckenweise unter Tempomangel leidet.

    … mit einem entscheidenden Twist

    Auf der inhaltlichen Ebene wird man hier wenige Überraschungen erleben. Selbst das, was einem die Macher als Twist verkaufen wollen, werden Genre-Fans lange zuvor schon mutmaßlich ahnen. Doch ein paar kleine Merkmale heben dann diese Verfilmung doch immerhin so stark von der Washington-Adaption ab, um einem diese Wiederauflage schmackhaft zu machen und mehr als nur zu rechtfertigen. Das ist neben der angesprochenen Platzierung im brasilianischen Großstadtdschungel und dem dortigen sozialen Milieu die Tatsache, dass man die zu beschützende Tochter von Creasys Ex-Partner deutlich älter gemacht hat, als es Dakota Fanning damals quasi noch im Vorschulalter war.

    Hier ist Poe, gespielt von Billie Boullet, eine Teenagerin, deutlich eigenständiger und -williger, was zu einer doch merklich anderen Ziehvater-Tochter-Dynamik führt. Es ergeben sich in Teilen herzliche Momente, tiefsinnige Gespräche, die Emotionen sind deutlich vordergründiger als in vorherigen Verfilmungen und kommen durch die gestreckte Laufzeit dann auch entsprechend besser zur Entfaltung. Und rein darstellerisch ist Boullet auch ein echter Volltreffer, weil sie absolut authentisch die Ambivalenz einer Heranwachsenden rüberbringt, die einerseits grad ein extremes Trauma zu verarbeiten hat und andererseits aber noch so naiv ist, um daran eben nicht komplett zu zerbrechen.

    Im Vergleich gewinnt der Herausforderer

    Yahya Abdul-Mateen II ist in Man on Fire wirklich so etwas wie der „neue Denzel Washington“: Er ist extrem charismatisch auf der einen Seite, aber auf der anderen so radikal in seinen Methoden, dass man immer wieder zweifelt, ob er tatsächlich der Held ist oder schon zu weit geht. Über den tatsächlichen Gegenspieler soll besser nicht zu viel verraten werden, aber wie gesagt: eine Überraschung ist das für eingefleischte Kenner derartiger Serien wirklich nicht.

    John Creasy unterwegs in Südamerika © Netflix

    Mann unter Feuer war seinerzeit auch schon etwas spät dran, versprühte die Tony-Scott-Version doch eigentlich noch den Charme typischer 90er-Actionkracher. Entsprechend schaut man diese Adaption heute maximal noch als Fan des Hauptdarstellers – und dann auch mit der Brille der nostalgischen Verklärung. Ergo werden viele den gut 20 Jahre alten Film wohl gar nicht kennen und ohne den Vergleich an Man on Fire herangehen. Und wem hier nun die Qual der Wahl offen steht, der sollte unbedingt zu dieser wesentlich zeitgemäßeren Fassung greifen – auch wenn man dafür mehr Zeit mitbringen muss als für den Film von damals.

    © Netflix

    Unser Fazit zu Man on Fire

    3.0 Okay

    Man on Fire ist ein typischer Fall von Modernisierung im Streamingzeitalter: Das Grundkonstrukt, also die Vorlage ist zeitlos, daran muss man nicht groß feilen, kann hinter den Kulissen auch auf eher zweitklassiges Personal setzen und das Geld vor der Kamera investieren. Das hat bei Cross, Jack Ryan, Reacher und Co. bei Prime schon mit viel Erfolg funktioniert und Netflix hat es inzwischen auf mehrfach geschafft: nach beispielsweise Dept. Q und Harry Hole ist auch diese Neuinterpretation für das junge Publikum bestimmt dem Seherlebnis des angestaubten Vorläufers weit überleben. Diesen Vergleich gewinnt die Serie mühelos, aber ob man auch gegen die Konkurrenz - ob intern mit sowas wie Tyler Rake oder extern mit den besagten Prime-Formaten und Co. - mit einer doch alles in allem formelhaften Erzählweise und viel Schema F langfristig bestehen kann, wird sich noch zeigen müssen.

    • User Ratings (2 Votes) 1.1
    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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