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    Scarpetta

    Jan Wernervon Jan Werner10. März 2026Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    Detective Pete Marino (Bobby Cannavale), Kay Scarpetta (Nicole Kidman) © Amazon MGM Studios
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    Nicole Kidman ist inzwischen fast standardmäßig jedes Jahr in mehreren Serien zu erwarten – und das über alle Streamer verstreut. So ist es auch in diesem Jahr: Bevor sie für Apple in Only Margo eine Nebenrolle spielen wird, ist sie in Scarpetta wesentlich mehr im Mittelpunkt. Wie ist die Adaption der erfolgreichen Krimireihe aber nun mit dieser Starbesetzung geworden?

    Darum geht es in der Krimiverfilmung Scarpetta

    Dr. Kay Scarpetta (Nicole Kidman), eine renommierte Gerichtsmedizinerin, arbeitet mit großer Präzision und analytischem Blick an der Aufklärung komplexer Todesfälle. Ihr Anspruch besteht darin, den Opfern durch forensische Arbeit Gehör zu verschaffen und Spuren konsequent zu verfolgen. Im Fokus ihrer aktuellen Ermittlungen steht ein Serienmörder, dessen Vorgehen sie vor neue Herausforderungen stellt. Parallel dazu holt sie ein Fall aus der Vergangenheit ein, der ihre Karriere entscheidend geprägt hat. Während alte Entscheidungen erneut hinterfragt werden, gerät auch Scarpettas berufliche Zukunft unter Druck. Die Verbindung aus laufenden Ermittlungen und ungeklärten Ereignissen von vor 28 Jahren zwingt sie, sich sowohl dem Täter als auch ihrer eigenen Geschichte zu stellen.

    Kay Scarpetta (Nicole Kidman) © Amazon MGM Studios

    Von der russischstämmigen Therapeutin zur Forensikerin

    Während sich andere Hollywoodstars weiterhin ganz penibel mögliche Serienauftritte aussuchen, ist die Streaming-Landschaft für Nicole Kidman längst zum zweiten Standbein geworden: Angefangen mit Big Little Lies hat sie mehrere Miniserien getragen, unter anderem die ähnlich gelagerte HBO-ShowThe Undoing, dann die wiederum nicht ganz so weit thematisch entfernte Netflix-Serie Ein neuer Sommer, zu der es sogar eine zweite Staffel geben wird, war in der Apple Anthologie Roar dabei, spielt immer noch in Taylor Sheridans Lioness mit und mimte in zwei Staffeln Nine Perfect Strangers die mysteriöse Sekten-Führerin mit russischem Akzent. Auch für Prime-Video spielte sie in der Miniserie Expats bereits eine zentrale Rolle und setzt diese Arbeitsbeziehung nun mit der Krimi-Verfilmung Scarpetta fort, wobei hier von Beginn an klar ist, dass es bei Erfolg über die eine Staffel hinaus noch viel zu erzählen geben würde.

    Sage und schreibe 25 Romane rund um die geniale Forensikerin hat Patricia Cromwell in etwa 30 Jahren inzwischen geschrieben. Da ist es heutzutage fast schon überraschend, dass nun zum ersten Mal gewagt wurde, eine solche Erfolgsgeschichte zu adaptieren. Während andere Romane der Autorin bereits filmisch umgesetzt wurden, hat es die mit Abstand bekannteste Figur noch nicht auf Leinwand oder in Serie geschafft, über Gründe könnte man nun natürlich spekulieren, aber lassen wir das an dieser Stelle und wenden uns dem zu, was nun bei Prime Video veröffentlicht wurde.

    Futter für die Dexter-Fraktion?

    Ein Teil der Faszination der Kultserie Dexter war mit Sicherheit das ungewöhnliche Konzept, mit einem Mörder mitfiebern zu können/dürfen/müssen. Ein ebenfalls aber nicht unerheblicher Teil wiederum ging auch allein auf die (eigentliche) Profession der Hauptfigur zurück, das Forensiker-Dasein, und die damit einhergehenden, nicht nur für die damalige Zeit explizit-brutalen Einblicke in den Job in der ersten Reihe am Tatort. Auch Kay Scarpetta ist in der nach ihr benannten Reihe und jetzt in der Adaption eine Gerichtsmedizinerin, die zu grausamen Verbrechen beordert wird, die nun auch hier an grafischer Drastik nicht zu wünschen übrig lassen.

    Auch mit einem weiteren Erzählkonzept spricht die Serie vermutlich die Dexter-Fans an, denn fast mehr analog zum Prequel Original Sin wird Scarpetta auf zwei Zeitebenen erzählt, einmal mit Kidman in der Jetztzeit und dann in einer Vergangenheitsebene, wobei man hier die junge Forensikerin begleitet – und selbstverständlich werden früher oder später Verbindungen zwischen den Fällen von damals und heute hergestellt werden.

    Und dann kommt noch das komplizierte Familiengeflecht der Protagonistin hinzu, was ebenfalls ein Merkmal von Dexter ist und war. Hier ist es dann vor allem die Beziehung zwischen Kay und ihrer Schwester, gespielt von Jamie Lee Curtis, was auf der Charakterebene für Reibung sorgt und vom eigentlichen Fall (erstmal…?) fast entkoppelt dasteht. Mit Kidman und Curtis ist den Castern entsprechend schon ein kleiner Coup gelungen, sind die beiden A-Stars doch erstmal schwer als Schwestern vorstellbar – und genau damit spielt die Serie hier dann auch: mit der Grundverschiedenheit der beiden Frauen.

    Der doppelte Cannavale

    Ein weiteres Mal haben die Macher dann noch ein Händchen bei der Besetzung bewiesen, indem sie die junge Fassung der Bobby Cannavale-Figur von dessen tatsächlichem Sohn Jake spielen lassen – nicht zum ersten Mal übrigens. Durch die auch darüber hinaus gute Wahl der jungen Versionen der Hauptfiguren – Rosy McEwen sieht auch ziemlich ähnlich zu Nicole Kidman mit Ende 20 aus -, wird das ganze direkt ein bisschen greifbarer und glaubhafter.

    Kinderkrankheiten und fehlender USP

    Insgesamt aber ist der Thriller per se einerseits ein typisches Beispiel für eine Auftaktstaffel einer Serie, die auf Langlebigkeit ausgelegt ist, was man an einigen Leerstellen in der Figurenzeichnung und am wahnsinnig unbefriedigenden Cliffhanger-Ende merkt. Andererseits holt der Fall bzw. die Fälle für sich genommen keinen hinten dem Ofen hervor, die Produktion setzt sehr viel – vielleicht sogar zu viel – auf ihre Starensemble, sodass man den Krimiaspekt fast als stiefmütterlich behandelt empfinden kann.

    Detective Pete Marino (Bobby Cannavale), Lucy Watson (Ariana DeBose) © Amazon MGM Studios

    So ist Scarpetta zwar gut darin, die Atmosphäre und Spannung durch die beiden Zeitebenen quasi doppelt aufrecht zu halten und an den genau richtigen Stellen dann mit den Twists und Enthüllungen ums Eck zu kommen. Doch das Allermeiste fühlt sich zu routiniert und altbacken an, weil man irgendwie auf keiner Ebene ein Gefühl dafür bekommt, warum ausgerechnet diese Protagonistin so eine Unmenge an Romanen inzwischen hervorgebracht hat. Ein bisschen Licht ins Dunkel kommt zwar schon durch die Enthüllungen in den letzten beiden, gleichzeitig auch besten Folgen der ersten Staffel, doch gleichzeitig ist da dann doch noch reichlich Luft nach oben, um die Faszination für diese Figur besser inhaltlich zu begründen.

    Tatsächlich bleibt am Ende der eingangs erwähnte Dexter-Vergleich am ehesten haften, wobei sich aufgrund der aktuelleren inszenatorischen Entscheidungen Scarpetta noch mehr sogar an Original Sin dran ist. Wer entsprechend von derlei Thriller-Serien mit eher psychisch labilen Hauptcharakteren, mit Einblicken in menschliche Abgründe und mit der ein oder anderen reißerischen Szene, bei der man nicht lange über die Logik nachdenken darf, mag, der wird hiermit gut durch die Dexter-freie Zeit in diesem Jahr kommen. Doch auf die zweite Staffel von Wiedererwachen freue ich mich am Ende doch mehr als auf eine etwaige Fortsetzung dieser Show mit Kidman und Co.

    © Amazon MGM Studios

    Unser Fazit zu Scarpetta

    3.0 Okay

    Die erste Staffel der Thriller-Adaption ist nicht schlecht, aber bei weitem auch nicht die Begründung der Tatsache, dass die Vorlage über Dutzende Teile trägt. Nicole Kidman liefert eine Performance nach Schema F, manche Figuren sind unterentwickelt, manche Drehbuchentscheidungen hanebüchen und auch die notwendige Frische fehlt dem Prime-Original über weite Strecken. Trotzdem ist Scarpetta handwerklich eine mehr als solide Krimi-Show, deren Sog man doch schnell erliegt und wo man am Ende zumindest hofft, dass eine mögliche Fortsetzungen die Holprigkeiten der Debütstaffel dann abschütteln kann.

    • User Ratings (2 Votes) 0.9
    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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