Wenn es nach so vielen Jahren von einer eigentlich abgeschlossenen Serie noch eine Fortsetzung gibt, dann muss die Idee die beteiligten wirklich überzeugt haben. Ist das aber bei The Night Manager nun der Fall oder hätte man die Geschichte doch besser auf sich bewenden lassen?
Darum geht’s in The Night Manager – Staffel 2
Jonathan Pine (Hiddleston) dachte, er hätte seine Vergangenheit hinter sich gelassen. Jetzt lebt er als Alex Goodwin – ein einfacher MI6-Agent, der eine ruhige Überwachungseinheit in London leitet – und führt ein angenehm ereignisloses Leben. Doch dann sieht er eines Nachts zufällig einen alten Roper-Söldner. Diese gewalttätige Begegnung bringt auch einen neuen Akteur ins Spiel: den kolumbianischen Geschäftsmann Teddy Dos Santos (Diego Calva). Auf dieser gefährlichen neuen Reise trifft Pine auf Roxana Bolaños (Camila Morrone), eine Geschäftsfrau, die ihm widerwillig hilft, Teddys kolumbianisches Waffenunternehmen zu infiltrieren. In Kolumbien angekommen, gerät Pine in eine tödliche Verschwörung, die die Ausbildung einer Guerilla-Armee betrifft. Als die Loyalitäten zerbrechen, versucht Pine verzweifelt, eine Verschwörung aufzudecken, die darauf abzielt, eine gesamte Nation zu destabilisieren. Und angesichts des allgegenwärtigen Verrats muss er entscheiden, wessen Vertrauen er gewinnen muss und wie weit er bereit ist zu gehen, bevor es zu spät ist.

Was lange währt…
Als Hugh Laurie dank Dr. House noch auf dem Gipfel seiner Popularität war, Tom Hiddleston grad als Loki durchgestartet ist und Olivia Coleman unter anderem mit Broadchurch erste Ausrufezeichen setzen konnte, kam 2016 mit The Night Manager eine herausragende Spionagethriller-Serie mit den drei Stars, die allen dreien darstellerisch alles abverlangte und für nicht wenige bis heute als Serienklassiker gilt. Es passte einfach alles: Die Figuren waren den Darstellern auf den Leib geschrieben, das Setting war einerseits unverbraucht und andererseits durch den Arabischen Frühling gerade besonders reizvoll und die Story war schlicht und einfach makellos geschrieben. Und abgeschlossen. Eigentlich.
Kaum einer hätte wohl gedacht, vor allem mit so einem großen Zeitabstand, dass man hier doch nochmal ein Wiedersehen mit Hiddleston als Jonathan Pine erleben darf. Aber dann kamen die Gerüchte und wurden bestätigt. Und da Hiddleston (wohl) nicht in die Fußstapfen von Daniel Craig als 007 steigt, darf er nun also in dieser Rolle ein weiteres Mal den eleganten James-Bond-look alike mimen.
Von Nordafrika nach Südamerika
Nun liegt das Ägypten-Szenario hinter uns und für die neue Geschichte, die jedoch nicht ganz ohne Verbindungen zu damals auskommt, geht es nach Kolumbien. Dass Hugh Laurie dem Projekt fehlt, ist natürlich schmerzlich, doch dessen Bogen war auch auserzählt. Babylon-Star Diego Calva über einen Weggefährten von Roper einzuführen, ist ein netter Link zur ersten Staffel.
Direkt zu Beginn erfahren wir dann auch schon, was unmittelbar nach den Ereignissen von Staffel 1 – vermeintlich – passierte und nach einem Zeitsprung in die Jetztzeit erfahren wir erstmal, wo sich Jonathan – jetzt unter anderem Namen aktiv – gerade jobtechnisch befindet. Doch die anfängliche Beschaulichkeit währt nicht lang ehe der Geheimdienstler auf etwas stößt, was mit Dingen verbunden zu sein, die „eigentlich“ nicht mehr da sein dürften… so weit, so klassisch der (Wieder-)einstieg in die Welt des Night Managers. Was dann in Gang gesetzt wird, schließt von der Dichte der Atmosphäre, von der Verworrenheit der politischen Verwicklungen und der kriminellen Machenschaften direkt an die vielgefeierte Serie von vor knapp zehn Jahren an.
Abwechslung kommt einerseits jedoch hinzu, weil der ehemalige Alleingänger Jonathan als Alex nun ein Team an seiner Seite hat, wodurch sich doch recht schnell andere Dynamiken ergeben, die man bislang in The Night Manager noch nicht kannte – wohl aber von anderen Spionage-Thrillern kennt. Denn auch wenn auch die zweite Staffel zur qualitativen Speerspitze dieses dichtbespielten Genres gehört, so ist das ganze Konstrukt nun wegen des (zeitweisen…?!) Wegfalls der Roper-Pine-Dynamik doch ein Stück weit um den USP des Ursprungs beraubt worden. Doch der Ersatz für diesen Verlust ist auf alle Fälle kein schlechter und die Frische tut dem Format gut, so viel kann auch ohne zu viel zu verraten gesagt werden…
Mei, ist der groß geworden!
Noah Jupe (A Quiet Place), damals noch als Knirps und Sohn des Antagonisten, ist tatsächlich inzwischen selbst ein gefragter Jungdarsteller mit Wiedererkennungswert und kehrt sichtlich reifer in die Rolle von Danny Roper zurück. Doch auch Tom Hiddlestons Figur hat sich entwickelt, ist wesentlich mehr von Beginn an in der aktiven Rolle, sicherer – vielleicht sogar zu sicher, wie sich direkt am Ende der Auftaktfolge zeigt… Gezwungenermaßen ergibt sich diesmal dann eine etwas andere Version des Agententhriller-typischen Katz-und-Maus-Spiels, aber einiges bedient auch voll diejenigen, die wegen der Ingredienzen von Staffel 1 einschalten: Die Locations machen Reiselust, der Cast ist durch die Bank weg der Hammer und Hiddleston beweist, was für ein sensationeller Bond an ihm womöglich verloren gegangen ist, wenn er seine britische Gentleman-Attitüde in feinsten Anzügen mehrfach zur Schau stellen darf, nur um dann binnen weniger Sekunden als Action-Star zu glänzen.
So entwickelt sich im Verlauf von The Night Manager – Staffel 2 eine sehr fruchtbare Dynamik zwischen dem Briten und seinem Gegenspieler Diego Calva, der als ziemlich unberechenbarer, impulsiver Widersacher komplett gegen seine Babylon-Rolle anspielt – mit Erfolg!
Still on fire
Als die erste Staffel damals an den Start ging, gab es keine Jack Ryan-Serie, keine Slow Horses, kein The Agency. Heute ist die Konkurrenz für dieses Format ungleich größer und es braucht mehr Alleinstellungsmerkmale denn je, um sich zu behaupten und nicht allzu schnell wieder in Vergessenheit zu geraten. The Night Manager ist cineastischer ausgelegt als viele der Wettbewerber, vor allem verglichen mit Formaten wie der fast namengleichen Netflix-Serie The Night Agent. Die Komplexität der Figuren ist ungleich höher, die Handlung braucht mehr Aufmerksamkeit, um in ihren Bedeutungsebenen und ihrer Tragweite gänzlich verstanden zu werden. Von daher ist man zwar in einem enger umkämpften Markt unterwegs als noch 2016, aber weder fällt die zweite Staffel hinter der ersten zu krass ab noch hat der Zahn der Zeit zu stark an diesem Format genagt, sodass man links und rechts von anderen Titeln überholt worden wäre.
Heißt im Umkehrschuss, dass man direkt wieder auf einem Champions League-Platz im Genre des Agententhrillers landet und dort ist dann doch genug Platz für mehrere Platzhirsche. Ob jedoch die Meisterschaft heute noch an The Night Manager geht, ist fraglich, weil vor allem Slow Horses – obwohl das ja ironischerweise ursprünglich gar eine Art von John Le Carré-Persiflage war – sich in der Zwischenzeit mit inzwischen fünf herausragenden Staffeln einen Nimbus als Serienmeister erarbeitet hat.

Sechs Folgen Hochspannung – und reichlich Potenzial
Wenn nun also sowohl die langsamen Pferdchen als auch der Hiddleston-Hit etwas beweisen, dann das derzeit in der Kürze die Würze liegt. Denn sowohl die Apple TV-Show als auch die BBC-Produktion haben mit sechs Folgen pro Staffel eine ideale Länge gefunden, bei der in dieser Art von Thriller-Story mit Verschwörungen, Action-Akzenten, einem Hauch Emotionalität und einer Prise britischem Humor das Optimum ohne jedwede Länge herausgekitzelt wird. The Night Manager – Staffel 2 ist so zum Jahresstart 2026 direkt ein heißes Eisen für die Bestenliste – und wird dank einiger eindrücklicher Szenen auch das ganze Jahre über Präsent bleiben und nicht im Verlauf schon im Gedächtnis verblassen.
Und sollte es – wie es tatsächlich derzeit schon aussieht – dann eine weitere Staffel geben, dann wird das mit Sicherheit nicht wieder neun Jahre dauern. Denn das Potenzial für weitere Konstellationen in diesem Milieu mit Jonathan Pine als Dreh- und Angelpunkt hat die Serie nun eindrucksvoll mit ihrem Comeback bewiesen.
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Unser Fazit zur zweiten Staffel von The Night Manager
Sechs Folgen mit Wendungen, Hochspannung, extraklasse Schauspiel und sensationellen Bildern von exotischen Orten läuten das junge Serienjahr 2026 mit Bravour ein. Tom Hiddleston ist ein gutes Bond-Pendant und seine Mit- und Gegenspieler fallen kaum hinter dem Headliner ab. Lediglich, dass Olivia Colmans Rolle wesentlich kleiner ausfällt und dass man doch die Gravitas von Hugh Laurie über weite Strecken vermisst, drüben das starke Gesamtbild, sodass die Höhe der Staffel eins nicht ganz erreicht wird.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

