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| Sicario2 © Studiocanal GmbH / Richard Foreman, Jr.

Sicario 2 (2018)

In Sicario 2 wird der Zuschauer erneut mit den ebenso undurchsichtigen wie moralbefreiten Regierungsbeauftragten Matt Graver und Auftragskiller Alejandro konfrontiert.

TitelSicario 2
Jahr2018
ProduktionslandItalien, USA
RegieStefano Sollima
DrehbuchTaylor Sheridan
GenreThriller, Action
DarstellerBenicio Del Toro, Josh Brolin, Catherine Keener, Matthew Modine, Jeffrey Donovan, Manuel Garcia-Rulfo, Isabela Moner
Länge122 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
VerleihStudiocanal
Offizielles Filmplakat zum Film. | SICARIO 2 © 2018 STUDIOCANAL GmbH
Offizielles Filmplakat zum Film. | SICARIO 2 © 2018 STUDIOCANAL GmbH

Vor drei Jahren hat Denis Villeneuve mit Sicario einen modernen Klassiker des Spannungskinos geschaffen. Dabei präsentiert sich der düstere Thriller als unbequeme und undurchsichtige Tour de Force für Zuschauer und die ambitionierte wie naive FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt). Taylor Sheridan, der es in jüngster Vergangenheit wie kein anderer versteht, mit seinen Drehbüchern den Finger in die Wunde aktueller Missstände der Vereinigten Staaten von Amerika zu legen, hat für Sicario ein beängstigend realistisches Szenario entworfen.

Genau wie Kate Macer tappt der Zuschauer völlig im Dunkeln. Dabei kann er nur tatenlos mit ansehen, wie der eigene moralische Kompass immer und immer wieder in’s Schleudern gerät. Sämtliche Charaktere neben ihr handeln ambivalent, scheinen ihre eigene Moral für ein höheres Gut über Bord geworfen zu haben. Bundesagent Matt Graver (Josh Brolin) und Söldner Alejandro (Benicio del Toro) arbeiten stets unvorhersehbar und strahlen eine unterschwellige, fast schon pervers anmutende, Aura der Bedrohung aus. In jeder Figur scheint Gefahren- und Gewaltpotential zu schlummern – welchem das Publikum hilflos ausgeliefert ist.

Neben dem moralischen Leidensweg von Macer ist es vor allem der bedrohlich brodelnde Score von Jóhann Jóhannsson, der dem Zuschauer einen Schauer über den Rücken jagt. Niemand wird die treibende Akustik der Trias aus Armoured Vehicle, The Beast und The Border und deren heraufbeschworene unheilvolle Stimmung vergessen.

Nach seiner American Frontier Trilogy (Sicario, Hell Or High Water, Wind River) hat er sich nun also wieder dem amerikanischen War On Terror respektive dem War On Drugs verschrieben. Mit Sicario 2 (im Original: Sicario: Day Of The Soldado) serviert den Mittelteil der mittlerweile geplanten Trilogie.

Erneut warten intensive Feuergefechte auf Matt Graver (Josh Brolin) und sein Team. | SICARIO 2 © Studiocanal GmbH / Jr. SMPSP
Erneut warten intensive Feuergefechte auf Matt Graver (Josh Brolin) und sein Team. | SICARIO 2 © Studiocanal GmbH / Jr. SMPSP

Hervorragender Cast in Sicario 2

Drei Auffälligkeiten unterscheiden Teil zwei vom direkten Vorgänger: Die Handlung rund um Kate Macer wurde im ersten Teil zu einem Ende gebracht, sodass ihre Rolle im Nachfolger nicht mehr von Relevanz ist. Der Regieposten wird nunmehr von Stefano Sollima und nicht Dennis Villeneuve besetzt. Der Score stammt nicht mehr aus der Feder des leider verstorbenen Jóhannsson, sondern aus der seiner Wegbegleiterin Hildur Guðnadóttir. Diese schafft es zwar noch immer einen äußerst düsteren und unangenehm bedrohlichen Klangteppich zu entwerfen, eine solch gewaltige Wucht der angesprochenen drei Titel Jóhannssons entfalten sie jedoch nicht. Vermutlich fehlt hier einfach das Überraschungsmoment, welches Sicario in diesem Zusammenhang noch ausgezeichnet hat.

Das Fehlen von Emily Blunt als Identifikationsfigur macht Sicario 2 deutlich düsterer, da man dieses Mal mit den beiden eiskalten Killern völlig allein gelassen wird. Zudem ist der Aufhänger der Handlung noch eine Spur brisanter als schon in Sicario. Die mexikanischen Kartelle schleusen mittlerweile nicht mehr nur Drogen und Migranten über die Grenze in die USA, sondern zunehmend auch islamistische Selbstmordattentäter. Daraufhin wird erneut Matt Graver (Josh Brolin) von der Regierung beauftragt, um für Unruhe unter den Kartellen zu sorgen und so den Einwanderungsstrom zu unterbinden. Für diesen Einsatz holt er wieder seinen alten Kampfgefährten Alejandro (Benicio del Toro) in’s Boot…

Brolin spielt Graver erneut als scheinbar verschrobenes, aber knallhartes und kampferprobtes Frontschwein, das seine persönlichen Moralvorstellungen in irgendeinem dreckigen Auslandseinsatz unter Wüstensand begraben hat. Del Toro stellt Alejandro dieses Mal überraschend empathisch dar, was nicht so recht zu seiner eiskalten Erscheinung des Vorgängers passen will. Bei seinen späteren Erlebnissen entwickelt sich die Handlung deshalb etwas arg bemüht, weiß aber dennoch zu überraschen. Beide tragen den Film problemlos, auch wenn sie nicht als Sympathieträger aufgebaut werden.

Der Feldzug gegen die Kartelle wird mit allerlei technischen Gadgets unterstützt. © Studiocanal GmbH / Richard Foreman, Jr. SMPSP
Der Feldzug gegen die Kartelle wird mit allerlei technischen Gadgets unterstützt. © Studiocanal GmbH / Richard Foreman, Jr. SMPSP

Action auf den Punkt

Wohingegen Sicario 2 seinem Vorgänger treu bleibt, sind die sparsam eingesetzten Actionsequenzen. Highlight im Erstling der Reihe ist zweifelsohne die gesamte Entführungssequenz mitsamt des nervenzehrenden Rücktransportes der Geisel über die mexikanisch-amerikanische Grenze. Eine ähnliche Szene bietet auch Teil zwei. Erneut handelt es sich um eine Fahrzeugsequenz, in der ein Konvoy in eine Falle gerät. Simple Kniffe des Drehbuches, wie der Wechsel von Asphaltstraßen auf undurchdringliche Staubpisten, sorgen hier für immense Spannung. Wenn dann die ersten Großkaliber krachend ihre Durchschlagskraft entfesseln, rattert das Sounddesign immersiv auf das Trommelfell des Publikums ein.

Die Action ist dabei sehr nüchtern inszeniert und punktet deshalb mit Realismus. Die Scharmützel sind deshalb von kurzer, aber intensiver Dauer. Glücklicherweise wird man von unübersichtlichen Schnittgewittern verschont, die Schusswechsel sind stets bedacht und ruhig gefilmt, was ganz dem Geist der ausgebildeten Einsatzkräfte entspricht. Während die Kamera dennoch dicht dran ist an den handelnden Figuren, öffnet sie sich in den Weiten der mexikanischen Wüstenlandschaft für beeindruckende Panoramen.

Die Härte des Films entwickelt sich vornehmlich aus dem Fernbleiben jeglicher konventionellen Moralvorstellung. Grafisch schlägt Sicario 2 nicht über die Stränge, sondern präsentiert sich wie bereits erwähnt sehr geerdet und fast schon beiläufig. Da wird kurzerhand einem Gefangenen via Drohnenaufnahme gezeigt, wie nach und nach seine Familienmitglieder mittels Luftschlägen ausradiert werden, sollte er keine Antwort auf die gestellten Fragen geben.

“Das wird dann aber unschön.” – “Wollten wir es schön, wären Sie nicht hier.” Dieser Wortwechsel bringt ziemlich klar auf den Punkt, wie skrupellos von allen Beteiligten gehandelt wird. Folter, Kindesentführung, kalte Exekutionen – mit welcher Kaltschnäuzigkeit vorgegangen wird, könnte durchaus sozialethisch desorientierend wirken, um es etwas überspitzt mit den Worten der BPjM auszudrücken.

Alejandro agiert erneut im Schutz der Nacht. | SICARIO 2 © Studiocanal GmbH / Richard Foreman, Jr. SMPSP
Alejandro agiert erneut im Schutz der Nacht. | SICARIO 2 © Studiocanal GmbH / Richard Foreman, Jr. SMPSP

Stimmungsvolle Fortsetzung mit Schwächen

Sicario 2 schlägt sich im regelrecht unvermeidlichen Vergleich zum ersten Teil durchaus passabel, leidet aber darunter, dass die Handlung aufgeweicht wurde und vor allem gegen Ende in eher bekannte Muster verfällt. Die nebulöse Handlung und die schwierige Vorhersehbarkeit des Vorgängers machen den zweiten Teil nicht zwingend weniger spannend, aber doch ein Stück weit gewöhnlicher.

Dafür sitzen die ruhig inszenierte Action und die kalte Unbarmherzigkeit. Das relativ offene Ende mag man kritisch sehen, ebnet aber stimmungsvoll den Weg zum Abschluss der Trilogie, zumal etliche Fragen beziehungsweise Folgen noch nicht geklärt und absehbar sind.

Passend zum Steelbook des Vorgängers wurde Sicario  2 von Studiocanal erneut in einem entsprechend designten Steelbook am 29.11.2018 veröffentlicht. Die beigesteuerten Extras beleuchten unter anderem die Charaktere etwas ausführlicher. Dazu werden Einblicke in die Dreharbeiten geboten.

Irgendwelche Einsatzregeln?” – “Scheiß egal. Macht sauber!

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DriesVanHegen

Name: Tobi | Alter: 28 | Bei Movic Freakz seit: Januar 2018 | Aufgabengebiete: Reviews verfassen | Am aktuellen Mainstream völlig desinteressiert, suche ich mein Glück zum großen Teil in den Nischen des vielfältigen Horrorgenres, gerne abgründig und gewalttätig. Allerdings bin ich kein tumber Schlächter, sondern lasse mich ebenso von aufwühlenden Dramen mitreißen oder werde bei dänischem Humor schwach.

2 Kommentare

  • Tolles Review!
    Ich denke, würde der enorm große Schatten des brillanten ersten Teils von Denis Villeneuve nicht über Sicario 2 hängen, wie ein übermächtiger und allgegenwärtiger Schatten, dann würde der Nachfolger noch besser da stehen, als er es ohnehin schon tut. Nun ist dieser zwar bei weitem kein solches Meisterwerk, wie noch der erste Teil, macht seine Sache aber außerordentlich gut und fühlte sich für mich sich von hinten bis vorne würdig an, auch wenn sich Sollima etwas in Villeneuves Fußstapfen verliert.

    • Danke!
      Ja Teil 1 hat die Messlatte verdammt hochgelegt. Teil 2 ist als eigenständiger Film (und auch innerhalb der Reihe) noch immer ein handwerklich perfekter Film, der mit genügend Spannungsmomenten punkten kann – dabei aber eben nicht mehr die überraschenden Elemente vorweisen kann, die SICARIO so neu und anders erscheinen ließen.