Mit Verity – Dunkle Geheimnisse kommt bereits die vierte Adaption der Erfolgsautorin Colleen Hoover (Nur noch ein einziges Mal) innerhalb von zwei Jahren in die Lichtspielhäuser. Die hauptsächlich für Romanzen bekannte Schriftstellerin gewährt uns diesmal tiefe Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele. Ob das so hinhaut?
Darum geht’s in Verity
Basierend auf Colleen Hoovers Bestseller erzählt dieser ebenso verführerische wie fesselnde Psychothriller die Geschichte der renommierten Autorin Verity Crawford (Anne Hathaway) und Lowen Ashleigh (Dakota Johnson), einer bislang recht erfolglosen Schriftstellerin, die auf das abgelegene Anwesen der Crawfords zieht, um für Verity als Ghostwriterin zu arbeiten. Nachdem Lowen scheinbar Veritys erschreckende autobiografische Aufzeichnungen entdeckt, gerät sie in einen Strudel verstörender und verwirrender Geständnisse über Veritys Ehemann Jeremy (Josh Hartnett) – und ringt damit, Fiktion von Realität, Manipulation von Anziehung und Gelegenheit von Besessenheit zu unterscheiden.

Problematische Beziehungsgeflechte
Colleen Hoover ist eine der erfolgreichsten Autorinnen unserer Zeit. Sie hat – dank ihrer Dauerpräsenz auf BookTok – über 20 Millionen Bücher verkauft. Wie keine andere schafft sie es, die Sehnsüchte der Young-Adult-Peergroup nach Romantik, Sex und Liebe in geschriebener Form zu erfüllen. Ihre Werke sind aber nicht unumstritten. Es ist weniger die Art der Literatur, die viele abschreckt, sondern ihr Umgang mit übergriffigen und problematischen Verhalten. In Für immer ein Teil von dir – Reminders of Him ist z. B. die Verletzung der Privatsphäre ein Teil der Lösung und nicht des Problems.
Wie sehr ihre Schriften die BookTok-Community spalten, wurde deutlich, als ihre Mitarbeit an der kommenden Amazon-Prime-Produktion Love, Theoretically – Nach der theoretischen Unwahrscheinlichkeit von Liebe, eine weitere Zusammenarbeit des Streamingdienstes mit der ebenfalls sehr beliebten Autorin Ali Hazelwood – bekannt wurde. Fans fürchten, dass Hoovers bisweilen toxische Beziehungsmuster die leichtfüßige Liebesgeschichte vergiften könnten.
Auf der anderen Seite gibt es einen großen Markt für Romanzen mit Machtgefällen. Wie bei jedem anderen Genre kann auch hier ein Großteil der Zielgruppe mit Sicherheit Realität und Fiktion voneinander abgrenzen. Hoovers Erzählungen regen vielleicht kurzfristig ihre Fantasie an, fördern aber kein toxisches Verhalten.
Kann denn Liebe Sünde sein?
Wie groß der Wunsch nach etwas Abwechslung im erotischen Einerlei ist, zeigt ein Parfum-Werbespot mit Dakota Johnson. Zu den Klängen von It’s a Sin spielt sie eine Femme fatale im roten Abendkleid, die in ein verführerisches Machtspiel mit Alexander Skarsgård verwickelt wird. Nur aufgrund seines guten Geruches stirbt er am Ende den kleinen und nicht den großen Tod. Verity – Dunkle Geheimnisse klingt wie ein Parfum und setzt ähnliche Duftnoten wie der Spot. Hoovers ach so verruchtes Gemisch hat höchstens einen Hauch von Sinnlichkeit, dem viel unfreiwillige Komik innewohnt. So kann kein aufregender Duft entstehen, aber auch kein sonderlich problematisches Beziehungsgeflecht.
Inhaltlich bewegt sich das Begehren eher auf dem Niveau eines Roland-Kaiser-Schlagers. „Manchmal möchte ich schon mit dir“, denkt sich Dakota Johnson, wenn sie im Alleingang die einzigen Gründe für ein R-Rating zeigen darf. Ansonsten geht es eher züchtig zur Sache. Veritys geheimstes Verlangen ist, beim Sex mit dem eigenen Ehemann vor Lust in die Bettkante zu beißen. Obwohl fehlende Kleidungsstücke ihre Anziehungskraft vergrößern, halten sie sich beim Liebesspiel stets bedeckt. Das reicht, um Zahnpasta zu verkaufen, aber niemals für einen handfesten Skandal.
Einfach mal Feig(e) sein
Die Ausgangssituation von Verity – Dunkle Geheimnisse erinnert unweigerlich an The Housemaid – Wenn sie wüsste. Eine erfolgreiche und gutaussehende Frau heuert eine nicht minder attraktive weibliche Assistentin an. Diese deckt die namensgebenden dunklen Geheimnisse auf und beginnt eine Affäre mit dem charmanten Ehemann ihrer Chefin. Wobei „aufdecken“ zu viel gesagt ist. Sie findet lediglich ein Tagebuch und liest dem Publikum daraus vor.
Colleen Hoover hat allerdings doppelt Pech. Nicht nur, dass Freida McFaddens Version früher verfilmt wurde, sie konnte auch noch den geeigneteren Regisseur für ihr Projekt gewinnen. Paul Feig umarmte den Schund, um eine wichtige Botschaft zu vermitteln. Regisseur Michael Showalter nimmt dagegen seine konstruierte Prämisse viel zu ernst, kann aber weder mit Spannungs- noch Überraschungsmomenten glänzen. Den forcierten Tabubrüchen fehlt es an Wucht, und eine tiefgreifende Botschaft hat er auch nicht parat. Da er sich dem Unterhaltungspotenzial seines Stoffes vollkommen entzieht, gibt es auch außerhalb vom Sex unfreiwillig komische Momente. Gleich zu Beginn werden wir Zeuge eines Unfalls, der mehr Erheiterung als Entsetzen hervorruft.

Die entsättigten Farben täuschen nie über die glattpolierte Optik hinweg. Verity – Dunkle Geheimnisse ist lediglich die etwas dreckigere und verruchtere Variante von Hoovers üblichen Liebesschmonzetten. Sie möchte aber niemanden ver- oder gar zerstören. Es ist vielmehr Urlaubslektüre: leicht konsumierbar, leidlich spannend und – ganz wichtig – nach Gebrauch abwaschbar. Niemand soll in Depressionen verfallen, seine Existenz überdenken und schon gar nicht über das Geschehen nachsinnen, weil sonst die Logiklöcher stärker ins Gewicht fallen. Was in Buchform funktionieren mag, sorgt bei der Sichtung für Langeweile und Kopfschütteln.
Die drögen Drei
Einen großen Anteil daran haben die Darsteller:innen. Vielleicht lag es an der deutschen Synchronisation, aber das Schauspiel des Hauptcasts ist furchtbar. Dakota Johnson soll eine heruntergekommene Schriftstellerin mit Suchtproblemen mimen. „Ich wirke immer ein wenig gelangweilt“, entschuldigt sich ihr Charakter einmal. Dies wurde mit Sicherheit ins Drehbuch geschrieben, um ihr hölzernes Spiel zu erklären. Jemand hätte der Dame ruhig sagen können, dass sie keine echten Beruhigungstabletten schlucken muss, um Authentizität zu erzeugen. Josh Hartnett (Trap: No Way Out) versucht immer noch verzweifelt gegen sein früheres Image anzuspielen, hat die dazugehörigen Mechanismen aber dummerweise bei M. Night Shyamalan erlernt. Damit zwischen ihnen ein leichtes Knistern entsteht, müssten sich beide von Kopf bis Fuß in Luftpolsterfolie einpacken.
Bleibt noch Anne Hathaway. Sie scheint die Rolle nur angenommen zu haben, weil sie weder Talent noch Bewegung erforderte. Erst gegen Ende erinnert sie sich einmal an ihre Oscar-Performance in Les Misérables. Da alle drei das Schauspiel verweigern – oder es ihnen verweigert wird –, kommen die Verschiebungen in der Figurendynamik aus dem Nichts. Die Gründe für ein Aufflammen von Leidenschaft oder Mitleid werden erzählt, aber nie gezeigt. Ich verstehe langsam, warum Ali Hazelwoods Fans gerne auf eine Einmischung Hoovers verzichten. Ihre Ideen von Beziehungen sind dabei allerdings das geringste Problem.
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Unser Fazit zu Verity – Dunkle Geheimnisse
Für immer ein Teil von dir? Nein, Frau Hoover, nach Verity – Dunkle Geheimnisse endet es mit uns. Sie müssen endlich verstehen, dass Verfilmungen keine Lesungen sind. All das Ungesagte zwischen Ihren Figuren muss bebildert und gespielt werden. Dazu braucht es mit Sicherheit keine Oscar-Gewinner:innen, aber etwas Charisma und Talent sollten Ihre Darstellenden schon mitbringen. Dakota Johnson kann erfolgreich Konsumprodukte anpreisen – von dieser Fähigkeit macht sie auch hier reichlich Gebrauch –, aber keine ambivalente Figur spielen. Sie müssen zusätzlich den Regisseuren ihrer Stoffe zugestehen, etwas Spaß mit Ihren konstruierten Prämissen zu haben. Wenn Sie schon den Trash herausbringen, dann engagieren Sie dafür wenigstens ein Hausmädchen.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

