Sidney Sweeney geht mal wieder viral. Wirbelt sie als Haushaltshilfe in The Housemaid – Wenn sie wüsste mächtig Staub auf oder haben wir allen Grund, sie runterzuputzen?
Darum geht es in The Housemaid – Wenn sie wüsste
Nicht jeder Neuanfang bietet eine zweite Chance. Die 27-jährige Millie (Sydney Sweeney) hofft nach der Entlassung aus dem Gefängnis als Hausmädchen bei einem wohlhabenden Ehepaar neu anzufangen. Doch schon bald merkt sie, dass sich hinter der Fassade aus Luxus und Eleganz eine dunkle Wahrheit verbirgt, die weitaus gefährlicher ist als ihre eigene. Ein verführerisches Spiel um Geheimnisse, Skandale und Macht beginnt…

Ganz schön konstruiert
Sydney Sweeney ist in den letzten Jahren aus den Kinos kaum mehr wegzudenken. Dabei pendelt sie kontinuierlich zwischen Kassenschlager, Kritikerliebling, erwähnenswertem Genrebeitrag und absoluter Gurke. Als Faustkämpferin Christy verzeichnete sie zuletzt Siege im Boxring, erlitt jedoch eine herbe Niederlage am Box Office – vermutlich begünstigt durch ihre Hosen-Werbekampagne, die aus PR-technischer Sicht ordentlich in die selbige ging.
Glücklicherweise entschied sie sich für ihr neuestes Projekt The Housemaid – Wenn sie wüsste für eine Zusammenarbeit mit Regisseur und Produzent Paul Feig (Nur noch ein kleiner Gefallen), der mit moderaten Budgets verlässlich veritable Hits abliefert – seine Neuinterpretation von Ghostbusters einmal ausgenommen.
Seit Jahren setzt er stark auf äußere Reize und vernachlässigt dabei regelmäßig die inhaltlichen. Dafür können seine Projekte dann mit schönen Menschen in schöner Kulisse aufwarten, selbst wenn sie in einer Wirtschaftskrise spielen. Diesen Sinn für Ästhetik nutzt er in seinem neuesten Werk, um gezielt mit den Erwartungen des Zielpublikums zu spielen. Seine erzählerischen Schwächen stehen ihm dabei jedoch einmal mehr im Weg.

Die Lockmittel
Das Spiel mit dem Publikum beginnt bereits beim Marketing. Eine Sexszene ging viral und trug maßgeblich zum Erfolg der Produktion in den USA bei. Viele TikTok-Nutzer:innen rieten davon ab, The Housemaid gemeinsam mit den Eltern anzuschauen und ein Großteil der Damenwelt war über das Casting von Sonnyboy Brandon Sklenar (1923) sehr erfreut. Wer sich allerdings auf einen schlüpfrigen Erotikthriller freut, wird enttäuscht. Es gibt – von Sklenars Hintern mal abgesehen – kaum nackte Tatsachen und auch keinen ausufernden Geschlechtsverkehr.
Feig hält die Illusion aber so lange wie möglich aufrecht und dreht bis zur besagten Szene sämtliche Klischeeregler kontinuierlich nach oben. Es gibt keinen Platz für Zwischentöne: Alles wird überdeutlich bebildert, vertont oder ausgesprochen. Bedrohungsszenarien sind mit der dafür typischen Kombination aus kalten Bildern und unheilvoller Sounduntermalung inszeniert, während schmachtende Blicke im Auto dank des säuselnden Gesangs von Lana Del Rey und warmer Farben keinen Raum für Interpretation zulassen. Angesichts all dieser altbekannten Bilder wundert es kaum, dass die kurz darauffolgende Gefühlsexplosion den Anstrich von Parfümwerbespots trägt – für viele der Inbegriff von Erotik.
Die Gute, der Schöne und die Psychopathin
Damit die eingeforderte Charakterdynamik tadellos funktioniert muss Amanda Seyfried (The Crowded Room) von Beginn an die komplette Psychopathin geben, während Sklenar den absoluten Traumtypen und Sweeney die vom Leben gebeutelte junge Dame spielt. Diese Konstellation ist clever gewählt, denn man wünscht der einen sofort die Pest an den Hals, der anderen dagegen alles Glück dieser Erde. Nebendarstellerinnen wie Elisabeth Perkins – die mit einem Gesichtsausdruck die totale Arroganz ausstrahlen kann – verschärfen das Szenario für Millie zusätzlich.
Wer bis dahin vermutet, Paul Feig und seine Drehbuchautorin Rebecca Sunshine (The Boys) hätten alle künstlerischen Ambitionen unter den Teppich gekehrt, um Edeltrash gewinnbringend an die Frau zu bringen, irrt gewaltig. Genau im richtigen Moment offenbaren sie ihr Spiel mit Sehnsüchten, Erwartungshaltungen und Sehgewohnheiten, damit ihre Botschaft die maximale Wirkung erzielen kann. Die zweite Hälfte wertet dementsprechend die erste rückwirkend auf, leidet aber unter erheblichen Längen. Der Drang, nun alles bis ins kleinste Detail zu erklären zu müssen, bremst das Erzähltempo und die Handlung ist reichlich konstruiert.

Die Haushälterin möchte sich tonal nicht festlegen
Die Trennung von den aufgebauten Klischees gelingt ebenfalls nicht sauber. Der kitschige Musikeinsatz verfehlt nun seinen Zweck. Eine stark gepeinigte Seele feiert ihre kürzlich erlangte Freiheit sicherlich nicht mit Champagner und hört dabei Since U Been Gone von Kelly Clarkson.
Ähnliches gilt für den Wandel einer weiteren Figur: Sie rutscht von einem bekannten Archetyp in den nächsten. Einschlägige Pressemitteilungen lassen zwar vermuten, dass die zugrundeliegende Idee der Realität entspricht, doch die Umsetzung driftet zu stark ins Overacting ab. Feig kann sich letztlich nicht entscheiden, ob er Genrekino, ernsthafte Auseinandersetzung oder kritischen Kommentar liefern will.
Dem finanziellen Erfolg tut das allerdings keinen Abbruch. Eine Fortsetzung wurde bereits angekündigt, und Sorge um mangelndes Material muss niemand haben: The Housemaid – Wenn sie wüsste ist lediglich der Auftakt zu einer erfolgreichen Romantrilogie von Freida McFadden, die das monetäre Momentum wohl kaum ungenutzt lassen und noch weitere Geschichten rund um Haushälterin Millie veröffentlichen wird.
© Leonine Studios
Unser Fazit zu The Housemaid – Wenn sie wüsste
Gutes Personal ist bekanntlich schwer zu finden. The Housemaid – Wenn sie wüsste bringt vielversprechende Ansätze mit, kann sich jedoch nicht für eine kohärente Herangehensweise an die selbstgewählte Aufgabe entscheiden. Mit dem Ergebnis kann man sicherlich zufrieden sein, doch es gibt auch genügend bessere Alternativen – vorausgesetzt, man informiert sich vorher ausreichend über die Handlung.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

