Während sich Jason Statham zuletzt in The Beekeeper und A Working Man kaum mit Ruhm bekleckerte, wird er nun zum Leuchtturmwärter mit dunkler Vergangenheit. Doch steht Shelter für das nächste Aufleuchten austauschbarer Statham-Schonkost ein – oder flackert doch noch eine Abrechnung mit der zuletzt so schmerzlich vermissten Kinoqualität der einstigen Statham-Ära auf?
Darum gehts in Shelter
Michael Mason (Jason Statham), ein untergetauchter Elite-Agent, lebt auf einer abgelegenen Insel in Schottland. Als er in einem schweren Sturm ein Mädchen vor dem Ertrinken rettet, setzt er damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die sein Versteck enttarnen und ihn zurück in die Welt zwingen. Dort muss er nicht nur um das Überleben der Teenagerin kämpfen, sondern sich auch den Dämonen seiner Vergangenheit stellen …

Never change a running Statham
Ob als Imker, Arbeiter, Transporter oder Mechaniker: Jason Statham bekommt unter stets absurder werdenden Tarnungen immer wieder Gelegenheiten, Feinde, Intrigen und Behörden in die Schranken zu weisen – und dabei das zu beweisen, was sich seit Jahren nicht geändert hat: absolute Darstellerpräsenz in mittelmäßigen Actionfilmen. Zumindest hat Statham das Motto „Never change a running system“ für sich entdeckt. Denn er bleibt vorrangig Star modernen Actionkinos, dessen Qualität und Motivation häufig gegen Null tendieren und das – sowohl inszenatorisch als auch produktionstechnisch – selten über das absolute Mindestmaß hinauskommt.
Gute Konzepte und Ansätze laufen dabei regelmäßig Gefahr, in der Umsetzung durch grauenhaften Schnitt, einseitige Kampfchoreografien oder beliebige Inszenierungen schiffbrüchig zu werden. Das mag verwundern, denn irgendwie bleibt Statham dennoch im Gedächtnis vieler Actionfans. Jedoch funktionieren seine Filme letztlich wie typische „Dad Movies“: selten besser, als sie sein müssen, stets nur das an Erwartungen erfüllend, was ihre einfallslosen Titel und Prämissen hergeben – aber genau deshalb am Ende meist noch solide und unterhaltsam genug, weil man weiß, was man bekommt.
Waugh zieht den Karren aus dem Dreck
Shelter ist nun genau das, was so viele Statham-Filme zuvor gerne wären: ein funktionales Action-Einmaleins. Allerdings ohne das Eingreifen von David Ayer (The Beekeper), ohne ein hohes Schnitttempo und ohne unnötigen Ballast, der simples Actionkino künstlich aufbläht. Ric Roman Waugh, der im selben Jahr mit der ungewollten Greenland–Fortsetzung eine positive Überraschung landete und in Angel Has Fallen Gerard Butler brachial losprügeln ließ, knüpft mit Shelter an seine bekannten Stärken an. Diese sind zwar nicht sonderlich auffällig und insgesamt eher limitiert, aber für ehrliche Action-Keilerei und ein glamouröses B-Spektakel genau richtig austariert. Denn seine Zusammenarbeit mit Statham funktioniert deutlich besser als erwartet. Waugh verzichtet zwar weitgehend auf eigene Ideen, trifft dafür aber eine Reihe gelungener Actionbeats, die vor allem Statham-Fans zuverlässig abholen dürften.
Von John Wick-Klon…
Dennoch kommt Shelter nur selten aus dem Trott heraus, unbedingt Teil der John-Wick-Reihe sein zu wollen. Zwar kapert Waugh deren Versatzstücke kompetent genug und schlägt eine spürbare Brücke zu beliebten – wenn mittlerweile auch eher beliebigen – Actionformeln, ohne dabei allzu große Qualitätseinbrüche hinnehmen zu müssen, erreicht jedoch nie deren Schlagkraft oder Klasse. Obwohl mit der bekannten Hunde-Thematik, Syndikatsstrukturen in grauen Anzügen, klaren Missionsabläufen und dem Zugriff auf hochtrainierte Supersoldaten direkte Vergleichswerte geschaffen werden, denen Shelter formal kaum nachsteht, macht ihn genau das schnell angreifbar.
…bis Statham-Komfortzone
Ric Roman Waugh versteht es jedoch, seine generische Geschichte und die eindeutig erkennbaren Plagiatstrukturen mit überraschend kerniger Action zu kaschieren. Genau hier liegt die eigentliche Stärke des Films – und der Grund, weshalb man einschaltet: Die Action. Jason Statham liefert in gleich zwei Fights einige der besten Momente seiner Karriere ab und manövriert sich in einer brachialen Autoverfolgungsjagd durch einen dichten Wald, die schon jetzt als Action-Highlight durchgeht.

Darüber hinaus hält sich Shelter mit wuchtigen Shootouts und immer wieder kompakten sowie clever eingewobenen Actionspitzen fast mühelos über Wasser und bedient die vertrauten Muster immer dann mit spürbarer Wucht, wenn es gerade darauf ankommt. Zwar erreichen einige Kämpfe nie die Intensität oder den Aufwand, den sie mit Leichtigkeit hätten entfalten können – in der Summe sind sie jedoch mehr als brauchbar und für Statham-Verhältnisse deutlich über dem zu erwartenden Standard.
Schwacher Inhalt, starker Kern
Was Shelter schlussendlich zusammenhält, ist die durchaus gelungene „Vater-Tochter“-ähnliche Beziehung zwischen einem launig aufspielendem Statham und der richtig guten Jungdarstellerin Bodhi Rae Breathnach. Beide formen notgedrungen ein ungleiches Team, das zusammenhält und versucht den Kontrollstaat auszuhebeln, den Bill Nighys Schurkenabziehbild errichten lies. Die Narrative ist dabei reines und oberflächlich konstruiertes Mittel zum Zweck, profitiert jedoch spürbar von den Darstellerleistungen und der gekonnten Inszenierung. Dabei nimmt man Statham seine Rolle als Ex-Elitesoldat mit Gespür für Taktik, Durchsetzungsfähigkeit und Cleverness jederzeit ab, während Nighy lediglich den „Mann im Stuhl“ mimt und seinen Text charismatisch über Bildschirme verteilt.
© Tobis Film
Unser Fazit zu Shelter
Shelter ist Mid-Budget-Actionspaß für den kleinen Hunger. Zwischen harten Kämpfen, lauten Shootouts und einer routinierten Hetzjagd durch abwechslungsreiche Schauplätze operiert der Actionthriller zielgerichtet und bietet genug Unterhaltung, um über inhaltliche und strukturelle Ärgernisse hinwegsehen zu können. Zwar ist ein direkter Vergleich mit John Wick ebenso naheliegend wie unausweichlich – und damit nimmt Waugh einen Kampf auf, den er nicht gewinnen kann –, doch am Ende bekommt das Publikum genau das, was es erwartet: gut inszenierte Szenenaufbauten, stimmige Bilder und eine überzeugende audiovisuelle Umsetzung. Zwischen einem zur Genüge auserzählten Drama und klassischer Überlebens-Action bleibt schlussendlich ausreichend Raum für kurzweilige Genremomente – auch wenn sich über die Laufzeit hinweg einige Taktprobleme einschleichen.
Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“

