Was als interaktiver Horrorhit auf der Playstation begann, landet nun ebenfalls auf der großen Leinwand. Verliert der Film Until Dawn neben den vielen Entscheidungsmöglichkeiten auch den Horror, oder erleben wir eine Auferstehung des Genres, wenn der Controller fehlt?
Until Dawn – die offizielle Handlung
Vor über einem Jahr hat Melanie (Maia Mitchell) ihre Schwester Clover (Ella Rubin) allein zurückgelassen, um ein neues Leben zu beginnen. Auf dem Weg nach New York verschwand sie jedoch spurlos. Obwohl beide Schwestern erwachsen sind, trifft der Verlust ihrer einzigen verbliebenen familiären Bezugsperson Clover hart. Nach einer schweren depressiven Phase und zwei Selbstmordversuchen erklären sich ihre Freunde Max (Michael Cimino), Nina (Odessa A’zion), Megan (Ji-young Yoo) und Abel (Belmont Cameli) bereit, mit ihr eine Reise in genau das verlassene Tal zu unternehmen, in dem Melanie verschwand. Die Hoffnung auf Antworten und einen Neuanfang rückt jedoch in weite Ferne, als sich die fünf während eines Sturms in ein verlassenes Haus retten. Einer nach dem anderen wird brutal ermordet – doch zu ihrer Verblüffung beginnt der Tag immer wieder von Neuem. Ihre einzige Chance, der Zeitschleife zu entkommen: bis zum Morgengrauen überleben.
Wenn aus Game-Over ein Neustart wird
Wer das Spiel kennt, erinnert sich noch gut an das schleichende Grauen, das sich auf dem Bildschirm entfaltet: Entscheidungsdruck, falsche Sicherheit und der ständige Gedanke – „Hätte ich anders gehandelt, wäre sie noch am Leben?“ Die filmische Adaption von Until Dawn hingegen entscheidet selbst – und zwar leider meist für die bequemste Option. Regisseur David F. Sandberg (Lights Out, Annabelle 2) verlässt sich auf Genre-Routine, verpasst seiner Gruppe junger Erwachsener einen Timeloop und lässt sie in Endlosschleife auf ihr Ende zulaufen. So weit, so bekannt.
Was bleibt nun vom Spiel übrig? Vieles, was Until Dawn auf der Konsole einst so fesselnd machte, ist in der Kinoadaption verloren gegangen – und was bleibt, wirkt wie ein Echo, das in einem leeren Raum verhallt. Die entscheidungsgetriebene Handlung, die den Spieler:innen im Game eine Vielzahl an Verläufen und Konsequenzen ermöglichte, lässt sich filmisch kaum abbilden – und wird hier auch gar nicht erst versucht. Stattdessen konzentriert sich der Film auf ein lineares Zeitschleifen-Narrativ, das zwar den Restart-Mechanismus der Vorlage aufgreift, aber ohne dessen emotionale Fallhöhe.
Die spieltypische „Butterfly Effect“-Dynamik – also das Wissen, dass jede Entscheidung Leben kosten kann – war im Game der emotionale Katalysator. Im Film hingegen bedeutet ein Tod nichts weiter als einen neuen Durchlauf – ohne bleibende Narben. Was übrig bleibt, sind Anleihen im Setting, ein paar visuelle Motive und das Wiedersehen mit Peter Stormares Figur Dr. Hill. Doch statt eines immersiven Horrortrips, bei dem die Spielerinnen selbst über Leben und Tod entscheiden, wird das Publikum hier zum passiven Zeugen eines genretypischen Bodycounts – nur eben in Endlosschleife.
Dabei bleibt das Prinzip reizvoll
Jeder neue Loop könnte ein neues Kapitel aufschlagen, neue Monster, neue Schrecken. Doch Until Dawn traut sich zu wenig. Die Kills rauschen im Sekundentakt vorbei, als würde jemand beim Durchskippen aus Versehen auf „x2“ gedrückt halten. Kreaturen erscheinen, verschwinden, Geister flackern auf – und sind genauso schnell wieder vergessen. Manches ist effektvoll, vieles nur Kulisse. Der Film wirkt wie eine Geisterbahn mit vielen Türen, aber ohne echten Raum dahinter. Das Potenzial, durch die ständigen Neustarts Spannung aufzubauen, wird verschenkt. Denn was ist ein Tod wert, wenn er folgenlos bleibt?

Handwerklich überzeugt Sandberg immerhin mit klassischem Horror-Handwerk: Die Effekte sind angenehm handgemacht, das Creature Design vermeidet übermäßiges CGI, die Kamera spielt mit engen Räumen und schnellen Bewegungen. Nur leider fehlt dem Ensemble die Substanz, um das Geschehen mit Leben zu füllen. Die Charaktere bleiben blass, die Dialoge funktional, und auch Peter Stormares Rückkehr als Dr. Hill wirkt mehr wie ein netter Fanservice als wie ein dramaturgisches Pfund.
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Unser Fazit zu Until Dawn
Unterm Strich bleibt Until Dawn ein Horrorfilm, der in der Theorie klug konstruiert scheint, sich aber nie traut, seine besten Ideen wirklich auszuspielen. Until Dawn wirkt daher ab und an, als hätte jemand das Spiel auf „Autoplay“ gestellt – und dabei vergessen, was es einst so besonders machte. Genrefans können sich aber zur Abwechslung auf einen guten Horrorfilm einstellen, der definitiv zu unterhalten weiß!
Until Dawn startet am 24. April in den deutschen Kinos.
Pascal, Jahrgang 1998, lebt an der malerischen Nordsee und ist seit Ende 2024 Teil von Filmtoast. Er bringt dort seine Leidenschaft für Film und Serie ein – mit einem besonderen Fokus auf die handwerklichen Aspekte: Schnitt, Ton, Musik und Schauspiel stehen für ihn im Zentrum der Betrachtung. Beruflich ist Pascal als Kaufmann in der (Tiefkühl-)Logistik tätig, wo Struktur und Präzision genauso zählen wie in der Welt des Films. Serien wie House of Cards, The Morning Show und Infiltration gehören zu seinen Favoriten, während sein Filmspektrum von Blockbustern wie Inception und Star Wars bis hin zu Arthouse- und Independent-Produktionen reicht. Besonders beeindruckt hat ihn 1917, insbesondere in Bezug auf Schnitt und Kameraarbeit. Und wenn es um Soundtracks geht, steht für Pascal Hans Zimmer – allen voran mit seiner Komposition für Interstellar – ganz oben auf der Liste.
