Im vergangenen Winter durfte Jason Bateman schon einen Netflix-Hit landen, jetzt hat er für das nächste Projekt beim Streaming-Riesen als Bruder vor der Kamera auch noch Jude Law im Schlepptau. Was soll da bei Black Rabbit also schon schiefgehen?
Worum geht’s in Black Rabbit?
Black Rabbit spielt inmitten des hektischen Nachtlebens von New York City und dreht sich um zwei Brüder, die von ihrer Familie und deren Erfolgsstreben an ihre Grenzen getrieben werden. Jake Friedken (Jude Law) ist der charismatische Besitzer des Black Rabbit, eines Restaurants mit VIP-Lounge, das dabei ist, zum angesagtesten Laden New Yorks zu werden. Doch als sein Bruder Vince (Jason Bateman) unerwartet wieder ins Geschäft einsteigt, lässt der Ärger nicht lange auf sich warten: Alte Traumata kommen wieder an die Oberfläche und neue Gefahren lauern, die all das zu zerstören drohen, was die beiden aufgebaut haben

Black Panther, Black Doves, Black Everything
Nach Black Bird mit Taron Egerton, dem Aronofsky Ballett-ThrillerBlack Swan, der Audrey Plaza Indie-Perle Black Bear, dem Spionagethriller Black Doves mit Ben Whishaw und Keira Knightley und natürlich dem MCU-Blockbuster Black Panther gesellt sich nun also auch ein Black Rabbit zu den schwarzen Titel-Tieren ins Gehege. Dabei ist diese Produktion schon mal mindestens genauso vielversprechend wie die bisherigen Zoo-Kollegen, betrachtet man sich die Namen vor und hinter der Kamera. Denn neben dem Brüderpaar, das von Jason Bateman (Carry-On) und Jude Law (Skeleton Crew) gemimt wird, treten in weiteren Rollen Stars wie Dagmara Domińczyk (Succession), Troy Kotsur (Foundation) oder Sope Dirisu (Gangs of London) in der Thrillerserie auf.
Auch die Regieposten der Folgen sind beachtlich, haben neben Hauptdarsteller Bateman, der zwei der acht Folgen inszenierte, auch seine Ozark-Kollegin Laura Linney und Nitram-Macher Justin Kurzel Folgen verantwortet. Und dann kommt noch mit Zach Baylin ein Autor dazu, der den Oscar-prämierten Tennis-Film King Richard schrieb – aber leider auch das unterirdisch rezipierte The Crow-Remake. So viel zu den Ingredienzien, aber wie siehts im fertigen Zustand nun aus?
Thriller zwischen Kopftöpfen
Apropos Ingredienzien: Betrachtet man hier das Milieu, in dem das Ganze stattfindet, ist der eigentlich Konkurrent – nicht nur um die Gunst des Publikums, sondern auch quasi im Rennen in der Haute Cousine – The Bear, denn in dieser Thriller-Serie geht es tatsächlich – schon im Titel – um ein Lokal und darum, wie dieses durch falsche Entscheidungen sowie Feinde von außen und Gefahren von innen aufs Spiel gesetzt wird. Dazu spielt Black Rabbit dann mit den typischen Tropes solcher Downward-Spiral-Stories, wenn sich Handlungsträger immer wieder vermeintlich über die Rettung früher, nur um wenige Momente später durch eine Wendung erfahren zu müssen, dass alles nochmal viel schlimmer wurde.
So ist dann also diese Netflix-Geschichte genau die Schnittmenge aus der aktuellen Küchen-Drama-Trend, der maßgeblich von The Bear befeuert wird und derlei Gangster-Thriller, in dem Bateman eben schon vier Staffeln lang in Ozark mitgewirkt hat. Während jedoch Ozark noch mit der Breaking Bad-Devise eines unschuldigen Normalos, der sich in kriminelle Machenschaften verstricken lässt und peu à peu dann hier Gefallen dran findet und sich von der dunklen Macht korrumpieren lässt, spielte, sind die beiden Brüder hier von Beginn an schon knietief im zweilichten Morast unterwegs – und daher fällt es auch nicht immer leicht, Sympathieträger auszumachen oder „gern“ mit ihnen mitzuleiden.
Nach Dunkelgrau kommt irgendwann Schwarz
Black Rabbit ist ein weiterer Beitrag in der Reihe von zutiefst pessimistischen Gangster-Balladen, die in den kommenden Jahren die Serien- und Filmlandschaft erreicht haben. Man denkt immer wieder an The Drop mit Tom Hardy, Emily – The Criminal mit Aubrey Plaza oder andere Thriller-Geschichten, bei denen man gefühlt jeden Hoffnungsschimmer im Keim erstickt und dabei die Faszination dadurch transportiert, dass man das Publikum immer wieder überrascht, dass es noch weiter nach unten gehen kann. Man erzieht sich Voyeure, die immer mehr Gefallen daran finden, Leuten beim Versagen und Scheitern zuzuschauen. Was es über die Gesellschaft sagt, dass solche Formate zuletzt immer häufiger gemacht werden, sei dahingestellt, aber die Industrie gibt eben nur dem Markt Recht und produziert derartige Geschichten fast schon am Fließband.
Diese inflationäre Menge ähnlich gelagerter Formate führt letztlich aber auch zu einem größeren Konkurrenzdruck und dazu, dass man nur mit außerordentlichen Elementen noch eine Chance hat, zu bestehen. Hat Black Rabbit dieses gewisse Etwas? Nun, das ist schwierig zu beantworten, denn ja, einerseits ist allein das Brüdergespann schon mal so prominent besetzt und auch souverän gespielt, dass man dem Projekt keinesfalls seine Güteklasse absprechen kann. Andererseits spielt Macher Baylin hier aber schon ziemlich auf Nummer sicher, setzt auf die erprobten (teils aber eben auch inzwischen abgedroschenen) Mittel, wie das sehr farbarme Colorgrading, eine wummernden immer wieder von Grunge-Musik ergänzten Score und eine ziemliche Rohheit in der Art der Gewaltabbildung.

Black Rabbit weiß das Serienformat zu nutzen
Black Rabbit hat insgesamt nun acht folgen, von denen die meisten knapp eine Stunde lang sind. Entsprechend muss man sich schon die Frage stellen, ob diese Geschichte tatsächlich über diese Lauflänge trägt oder ob sich das Projekt durch die gezogene Darbietungsform selbst ein Bein gestellt hat. Ja, für einen Serienjunkie fühlen sich vielleicht auch diese knapp acht Stunden noch „flott“ an. Wer hingegen als eher Film-affiner Zuschauer hier vom Cast angelockt wird, der wird ziemlich schnell das Tempo und das gefühlte Stillstehen bemängeln. Um die Brüderbeziehung in aller Ausführlichkeit zu sezieren, sämtliche Figuren mit genug Screentime zu bedenken und den Downfall durch die Zeitlupen-artige Weise, wie er sich so abspielt, fürs Publikum noch nervenzehrender zu machen, ist diese Form jedoch unabdingbar.
Denn es ist schon gut gemacht, wie hier am Anfang ein Bild aufgebaut wird von zwei Brüdern, von denen klassisch einer Erfolg hat, der zweite hingegen abgestürzt ist und nun den anderen droht, mit in den Abgrund zu ziehen. Dieses Bild wird dann aber ziemlich gut rekonstruiert, indem sich die Ambivalenz der beiden Figuren offenbart und vor allem auch zeigt, dass eigentlich beide bemitleidenswerte Versager sind. Und genau in dieser Dynamik Law und Bateman beobachten zu dürfen ist schon ein außergewöhnliches Vergnügen.
© Netflix
Unser Fazit zu Black Rabbit
Black Rabbit ist die geistige Fortsetzung von Ozark mit einer Verortung in der Nachbarschaft von The Bear. Das Ganze ist dann zwar nicht sonderlich innovativ, aber bei diesem Cast ist Spannung trotzdem garantiert. Ein Glücksfall für Netflix, dass man für solche Projekte Jude Law und Jason Bateman gewinnen kann - und das Publikum profitiert eben auch davon.
Black Rabbit läuft ab dem 18. September bei Netflix
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

