Ein Lost-Star bekommt eine neue Show bei Amazon Prime Video und bekommt so die gleiche Rampe, die zuletzt einigen Serienstars zu viel Aufmerksamkeit verhalf. Ist auch Butterfly ein möglicher Hit des Streamingdienstes?
Darum geht’s in Butterfly

Butterfly ist ein charaktergetriebener Spionagethriller, der komplexe Familiendynamiken in der tückischen Welt der globalen Spionage erforscht. Im Mittelpunkt steht David Jung (Daniel Dae Kim), ein rätselhafter ehemaliger US-Geheimdienst-Agent, der in Südkorea lebt und dessen Leben in Stücke gerissen wird, als die Folgen einer Entscheidung aus seiner Vergangenheit ihn einholen. Er wird von Rebecca (Reina Hardesty) verfolgt, einer tödlichen, soziopathischen jungen Agentin, die ihn töten soll, und Caddis, der finsteren Spionageorganisation, für die sie arbeitet.
08/15-Spy-Thriller vor schöner Kulisse
Nahezu im Monatstakt haut Amazon derzeit die Actionthriller- und Krimi-Serien raus. Da kann man zum Teil schon gewisse Überschneidungen und Doppelungen feststellen, insbesondere wenn man dann noch den Blick über den Dienst hinaus zur Konkurrenz weitet. Entsprechend ist nun Butterfly inhaltlich und inszenatorisch betrachtet erstmal more of the same, verlässt selten ausgetretene Pfade und verwendet sehr viel schon zigfach bemühte Genre-Versatzstücke, wobei die Zusammenstellung hier doch auch ein paar frische Ideen mit sich bringt.
Die Konstellation, die man hier dann recht schnell nach einem kleinen Verwirrspiel serviert bekommt, erinnert doch sehr stark an die Prämisse von Netflix‘ Fubar, die Verschwörungsgeschichte als Fundament und die Machart wiederum an The Recruit oder vergleichbare Formate und durch das Setting in Korea werden auch Erinnerung an etwaige Krimis, die direkt von dort stammen, geweckt. Auch das Spiel mit dem Culture Clash zwischen USA und Fernost ist alles andere als neu, aber immerhin plausibel hier gelöst.
Immerhin aber ist der Schauplatz für eine US-Produktion ziemlich unverbraucht und wird angemessen in Szene gesetzt. Ja, einige Action-Setpieces sind wiederum recht beliebig in ihrer Verortung, aber überwiegend spielt es tatsächlich eine Rolle, dass man sich hier in Koreas Städten befindet. Diese werden auch so in Bilder gepackt, dass man den Mehrwert förmlich sehen kann.
Nicht der typische Gegenspieler
In Geschichten dieser Art ist meistens recht schnell klar, dass die Leitung der eigentlich für die Verbrechensbekämpfung zuständigen Behörde Dreck am Stecken hat. Auch hier ist demnach die Antagonistin von Beginn an als Chefin des Geheimdienstes, gespielt von Piper Perabo (Yellowstone) ausgemacht. Erfreulicherweise kann die Darstellerin der eigentlichen Klischeefigur erstaunlich viel eigenes Leben einhauchen und so im Rahmen der Möglichkeiten des überraschungsarmen Skripts aus der Gegenspielerin recht viel rausholen.
Womit man jedoch schwer warm wird, ist der Protagonist. Daniel Dae Kim gibt es sichtlich Mühe, aber bleibt trotzdem – gewollt oder ungewollt – unterkühlt und steif. Selbst in den als emotional intendierten Momenten, fällt es schwer, authentische Gefühlsregungen zu erkennen. Und somit springt auch wenig aufs Publikum über. Umso ärgerlicher, dass Reina Hardesty auf der mimischen Ebene einen wesentlich besseren Anklang schafft, dies aber in der unterkühlten Gesamtatmosphäre kaum zum Tragen kommen kann.

Schnell weggeschaut, schnell vergessen
Ein Hauch von Bourne und ziemlich viel Standard-Action machen aus Butterfly in sechs 50-Minütern zwar ein kurzweiliges Sehvergnügen, aber genauso schnell wie der Abspann am Ende über den Bildschirm läuft, hat man wahrscheinlich einen Großteil des Geschehens wieder vergessen. Um 2025 noch mit so einem Standard-Format punkten zu können, müssen doch größere Geschütze aufgefahren. In irgendeinem Bereich muss man herausragen, aber wenn weder die Figuren die Story tragen, noch die audiovisuellen oder choreografischen Elemente über inhaltlichen Leerlauf hinwegtrösten können, ist das schlicht zu wenig, um gegen die unzähligen Konkurrenten im Genre zu bestehen.
© Amazon MGM Studios
Unser Fazit zu Butterfly
Typisches aus den bekannten Streaming-Actionthriller-Formaten aus den USA und Typisches aus koreanischen Krimi-Stoffen zu kreuzen ergibt leider kein stimmiges Gesamtbild, wenn man auf keiner Ebene irgendwas Neues versucht. Entsprechend ist Butterfly zwar handwerklich solide und die sechs Folgen auch in Windeseile durchgebinged. Wer jedoch nur ein bisschen zu viel schon über die letzten Jahre gesehen hat, wird hier schnell wissen, woher der Wind weht und dann eher enttäuscht sein, wie wenig die Serie weiß, einen der großen Stars aus Lost richtig in Szene zu setzen.
Butterfly läuft ab dem 13. August 2025 bei Amazon Prime Video.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

