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    Startseite » Star Trek: Picard Staffel 1
    Serien

    Star Trek: Picard Staffel 1

    Andreas Krasseltvon Andreas Krasselt15. Januar 2021Keine Kommentare8 min Lesezeit
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    Picard, gespielt von Patrick Stewart, steht auf der Brücke der La Sirena neben dessen Captain Rios, gespielt von Santiago Cabrera. Raffi, gespielt von Michelle Hurd, und Dr. Jurati, gespielt von Alison Pill, sitzen davor an den Steuerpulten des kleinen Raumschiffes.
    Im Einsatz: Picard hat die Enterprise gegen die La Sirena getauscht. © Paramount Pictures
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    Als bekannt wurde, dass Patrick Stewart in Star-Trek: Picard erneut in seine ikonischste Rolle des Jean Luc Picard schlüpfen würde, waren die Erwartungen groß. Der alte Captain der Enterprise wieder im Einsatz? Nun, zumindest ist Picard wieder da, wenn auch nicht als Captain und auch nicht mit der Enterprise. Ob sich das Wiedersehen dennoch lohnt, erfahrt Ihr in unserer Rezension.[su_youtube URL=“https://www.youtube.com/watch?v=mAHPVEC8Egk“]

    Das Cover der Blu-ray von Star Trek: Picard zeigt einen nachdenklichen Picard, gespielt von Patrick Stewart, mit seinem Hund auf seinem Weingut.
    Das Cover der Blu-ray von Star Trek: Picard, Staffel 1. © Paramount Pictures

    Darum geht’s in Star Trek: Picard

    Seit dem Tod des Androiden Data (Brent Spiner) in Star Trek: Nemesis sind 20 Jahre vergangen. Jean Luc Picard (Patrick Stewart), einst Captain der Enterprise, zwischenzeitlich zum Admiral befördert, hat in Star Trek: Picard schon vor Jahren im Zorn seinen Abschied von der Sternenflotte genommen. Er ist frustriert, hat doch die Vereinigte Föderation der Planeten seiner Ansicht nach ihren moralischen Kodex verloren. Als einige Androiden den Mars angriffen und zerstörten, wurde nicht nur die Evakuierung der von einer Nova bedrohten Romulaner abgebrochen, sondern auch die weitere Herstellung künstlichen Lebens verboten.

    Bei einem Angriff romulanischer Assassinen erwachen in der jungen Dahj (Isa Briones) ungewöhnliche Kampfkünste. Sie bittet Picard um Hilfe. Der erkennt in ihr eine Androidin. Und mehr noch: Sie ist so etwas wie Datas Tochter. Bei einem weiteren Angriff wird Dahj vernichtet – oder getötet? Picard macht sich auf die Suche nach ihrer Zwillingsschwester, um damit auch dem Geheimnis von Data auf die Spur zu kommen. Er fängt an, ein kompliziertes Puzzle zusammenzusetzen, und gerät dabei in einen Konflikt kosmischen Ausmaßes.


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    Fans und ihre Erwartungen

    Es ist nicht leicht, Fans von etablierten Serien oder Franchises zufriedenzustellen, wenn man an einer Fortsetzung oder Weiterentwicklung des Stoffes arbeitet. Über Star Trek: Picard wurde im Fandom ausgiebig geschimpft, was nicht verwundert. Gerade bei einer derart ikonischen Figur wie Picard und einer fast schon kultartig verehrten Serie wie Star Trek: The Next Generation hat jeder Fan seine eigenen Vorstellungen von Figur und Serienkosmos. Man müsste vermutlich mehrere tausend Fassungen drehen, um allem gerecht zu werden. Ein Grund übrigens auch dafür, dass eine oft diskutierte, oft gewünschte und wohl noch mehr befürchtete Verfilmung der Heftromanserie Perry Rhodan nie wirklich in Gang gekommen ist.

    Picard, gespielt von Patrick Stewart, sitzt vor dem Steuerungsterminal der La Sirena.
    Machen Sie es so: Jen Luc Picard (Patrick Stewart) ist nachdenklich. © Paramount Pictures

    Daher seien mir an dieser Stelle ein paar persönliche Worte gestattet. Ich habe nicht vor, mich dem allgemeinen Bashing anzuschließen. Das Star-Trek-Universum ist mir nicht unbekannt. Ich habe alle Folgen aller Serien und auch alle Filme gesehen, sogar einige der Romane gelesen (dazu unten mehr). Dabei habe ich mich meist bestens unterhalten gefühlt. Gab es zusätzlich Anregungen zum Nachdenken, was bei Star Trek anders als bei Star Wars häufig der Fall war und ist, hat mich das gefreut. Ich habe aber keine Magenkrämpfe bekommen, wenn dabei mal was in die Hose ging. Insofern habe ich mir auch Star Trek: Picard in eher freundlich-neutraler Distanz ganz entspannt angesehen. Was sich in meiner Bewertung spiegelt. Wer jetzt also, neugierig geworden, kurz mal nach unten scrollt, und danach Schaum vor dem Mund bekommt, sollte an dieser Stelle nicht mehr weiterlesen.

    Pokerrunde im Zehn Vorne

    Der Auftakt ist vielversprechend. Im Grunde ist die erste der zehn Folgen der ersten Staffel von Star Trek: Picard eine einzige Exposition. Sie führt das Grundthema ein, eröffnet aber bereits die Begleitmelodie der Wiederkehr beliebter Figuren. Es beginnt mit einem Traum: Picard und Data sitzen im Zehn Vorne, dem Casino der beliebten Enterprise D, und spielen Poker. Ein Verweis auf die regelmäßigen Spielrunden an Bord des Schiffes. Picard antwortet auf eine Frage Datas: „Weil ich nicht will, dass das Spiel endet. Ich gehe all in.“ Nun, das Thema kommt in Gang. Was zunächst auch eine Simulation im Holo-Deck hätte sein können, entpuppt seinen traumhaften Charakter spätestens, als Data seine Siegeshand mit fünf Damen aufdeckt – und die Vernichtung des Mars durch das Fenster sichtbar wird.

    Picard, öffnet in Star Trek: Picard die Terrassentür seines Schlafzimmers.
    Idyllisch: Die Kameraperspektive öffnet sich der Weite des Chateau Picard. © Paramount Pictures

    Picard erwacht aus seinem Albtraum in der Idylle seines französischen Weinguts. Begleitet von folkloristischen Flötentönen und anschwellenden Streichern öffnet er die Terrassentür. Der Blick weitet sich wie einst bei John Fords Der schwarze Falke zu einem Panorama, in diesem Fall auf das in warmen Rottönen gefilmte Chateau Picard. Dann folgt ein harter Schnitt auf das hypermoderne Boston in der Nacht. Ein filmisches Spiel mit Kontrasten. Hier erleben wir die actionhaltige Erweckung Dahjs aus ihrem Traum eines normalen menschlichen Lebens.

    Filmästhetisch ganz State of the Art

    Star Trek: Picard arbeitet dabei mit einer filmreifen Ästhetik, heute freilich auch im TV State of the Art. Auch die Erzählweise hat mit der episodenhaften Struktur der früheren Serien nichts mehr gemein. Im Kern wird eine lange Filmerzählung auf zehn Teile gedehnt, mehr eine Mini-Serie als eine Serienstaffel. Mit CGI-Effekten, die sich sehen lassen können, wird dabei nicht gegeizt. Eine gelungene Überblendung von einem Schmuckstück Dahjs auf einen ähnlich geformten Sternennebel, vor dessen Hintergrund ein romulanischer Warbird kreuzt, erinnert stark an Stanley Kubricks berühmten Match-Cut aus 2001: Odyssee im Weltraum. Und wenn sich zum Schluss der ersten Folge die Kamera scheinbar aus der vermeintlichen Zentrale eines Raumschiffes nach außen bewegt, sich in einer langen CGI-Fahrt allmählich die Umrisse eines im Weltraum schwebenden und stark beschädigten Borg-Kubusses herausschälen, sorgt das für einen gelungenen Aha-Effekt.

    Picard sitzt Soji, gespielt von Isa Briones, an einem Tisch gegenüber.
    Mensch und Androide: Picard im Gespräch mit Soji (Isa Briones), der Zwillingsschwester von Dahj – und Tochter Datas. © Paramount Pictures

    Bei all dem stellt sich nur die Frage: Hat sich in Star Trek: Picard der Geist der Serie erhalten? Oder ist das Franchise zu einem beliebigen Science-Fiction-Spektakel mutiert? Picard selbst ist deutlich gealtert. Sein faltiges Gesicht wirkt müde, die kleiner gewordenen Augen drücken mitunter auch Unsicherheit aus. Seinen geliebten Earl Grey trinkt er mittlerweile entkoffeiniert und mit Sahne. Doch im Kern ist er der Alte geblieben, getrieben von Verantwortungsbewusstsein und einem hohen moralischen Anspruch. Aber auch belastet von einem Schuldgefühl: Hatte sich doch Data am Ende von Nemesis geopfert, um ihm das Leben zu retten.

    Ein unsterblicher Schmetterling?

    Womit die nunmehr siebte Realfilm-Fernsehserie einen weiteren Grundakkord anschlägt, der von wesentlicher Bedeutung sein wird: Gewinnt das Leben seine Bedeutung nicht erst durch seine Endlichkeit? Oder wie ein Erinnerungsfragment Datas es später formulieren wird: „Ein Schmetterling, der unsterblich wäre, ist in Wahrheit nie ein Schmetterling gewesen.“

    Star Trek: Picard bietet daneben etliche Eastereggs für Fans. Alte Bekannte treten auf, wie Seven of Nine, William Riker und Deanna Troi, sogar Hugh, der erste Borg, dem die Crew der Enterprise begegnete, taucht wieder auf. Es fehlt auch nicht am gewohnten Techno-Babbel, wenn etwa von fraktalem neuronalen Klonen die Rede ist. Aber das Star-Trek-Universum ist ein wenig dunkler geworden, was am stärksten an der Ex-Borg Seven of Nine deutlich wird. Und der wie immer großartige Patrick Stewart versteht es mit nur wenigen mimischen Nuancen eine ganze Palette von Gefühlen glaubwürdig rüberzubringen: seine Erfahrung, aber auch seinen Schmerz und seine Verwundbarkeit.

    Picard trifft in Star Trek: Picard seine alte Nummer Eins, William Riker, gespielt von Jonathan Frakes, wieder.
    Wiedersehen: Picard trifft auf seine alte Nummer Eins, William Riker (Jonathan Frakes). © Paramount Pictures

    Bei den schauspielerischen Leistungen gibt es keinen Ausreißer. Doch neben Stewart sind es vor allem Alison Pill als Androidenforscherin Dr. Jurati und Harry Treadaway als romulanischer Gegenspieler Narek, die aus dem Cast herausragen. Insbesondere Treadaway hatte schon in Penny Dreadful und den ersten beiden Staffeln von Mr. Mercedes zeigen können, dass er zur ersten Garde der jungen Schauspielgeneration gehört. Die Figurenzeichnung in Star Trek: Picard mag auf den ersten Blick etwas klischeehaft anmuten. Doch gibt die langsame Entwicklung der eigentlichen Storyline genügend Raum, die Charaktere mit ihren eigenen Geschichten zu vertiefen. Ein bisschen fehl am Platz wirkt allerdings Picards romulanischer Leibwächter Elnor (Evan Evagora), der nicht nur namentlich besser nach Mittelerde gepasst hätte.

    Enttäuschendes Ende mit folgerichtigem Epilog

    Enttäuschend ist indes das Ende. Das Anrücken der Kavallerie in Form der Sternenflotte ist zwar vorhersehbar, aber nicht unbedingt logisch. Auch Picards berühmte Überredungskunst als wesentliches Element zur Konfliktlösung ist zwar wichtiger Bestandteil seiner Legende, kann hier aber inhaltlich nicht überzeugen. Der durchaus umstrittene Epilog hingegen ist von bestechender Folgerichtigkeit. Denn hier ist Star Trek: Picard wieder am philosophischen Kern seiner Geschichte: Was ist wahres Leben?

    Picard ist mit seinem Leibwächter Elnor, gespielt von Evan Evagora, und Dr. Jurati, gespielt von Alison Pill, auf dem Weg in den Einsatz.
    Einsatz in Mittelerde? Picard mit seinem Leibwächter Elnor (Evan Evagora) und Dr. Jurati. © Paramount Pictures

    Für den Fan, der sich die Fortsetzungen der Serienhandlungen in Romanform gegönnt hat, gibt es eine weitere Enttäuschung: Für ihn ist nach dem Kino-Reboot durch J.J. Abrams nun eine weitere, eine dritte Kontinuitätslinie entstanden. Denn die in den Romanen geschilderten Entwicklungen haben in Star Trek: Picard nicht stattgefunden. Picard hat hier nicht Dr. Crusher geheiratet. Sie haben hier kein gemeinsames Kind bekommen. Und auch die Auflösung des Borg-Problems fand hier nicht in der dort beschriebenen Weise statt. Aber so ist das bei Franchise-Unternehmen nun mal: Ableger sind nicht kanonisch.

    Mein Fazit zu Star Trek: Picard

    Der siebente Serienableger des Star-Trek-Franchises bietet beste Unterhaltung, sowohl für alte Hasen als auch für Neueinsteiger. Hardcore-Fans mögen das zwar anders sehen, aber als moderne TV-Show macht Star Trek: Picard vieles richtig. Ein alle Folgen überspannender Handlungsbogen erzeugt durchgehende Spannung, die Charaktere sind zwar etwas klischeehaft, aber dennoch von ausreichender Tiefe. Es gibt jede Menge Action und gut gemachte CGI. Die Staffel macht Spaß, und so darf es gerne weitergehen. Oder um es mit Picard zu sagen: „Energie.“

    Die erste Staffel von Star Trek: Picard erscheint nach der Erstveröffentlichung auf Amazon Prime am 14. Januar 2021 auf Blu-ray und als limitiertes Blue-ray-Steelbook.


    © Paramount Pictures

    Andreas Krasselt

    Andreas lebt im Raum Hannover. Er ist Journalist und fest angestellter Redakteur bei einer Tageszeitung – und nebenbei Musiker in einer Bluesrock-Band. Bei Filmtoast schreibt er seit 2019 Rezensionen. Filmfan ist er, seit er im zarten Alten von sechs Jahren von seiner Mutter jeden Sonntag in die Kindervorstellung des Stadtteilkinos abgeschoben wurde (so was gab es damals noch). Lieblingsgenre: Western, insbesondere die italienische Variante. Daher ganz klar der Lieblingsfilm: Spiel mir das Lied vom Tod, den er mit 12 schon dreimal im Kino gesehen hatte. Aber es gibt kaum ein Genre, dem er nichts abgewinnen kann. Weitere Favorites: Der Tod in Venedig, Im Zeichen des Bösen, 2001 sowie Leichen pflastern seinen Weg. Tja, und sein Guilty-Pleasure-Favorite ist Predator 2 von dem total unterschätzen Stephen Hopkins. Filme guckt er zwar gerne im Kino, ist aus Zeitmangel aber auf das Heimkino gewechselt, weshalb seine private Filmsammlung auch mehr als 1000 Titel umfasst.

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