Traumatisierter Cop trifft auf unscheinbaren krimineller Gegenspieler. Task erzählt von einem Duell zwischen Mark Ruffalo und Tom Pelphrey. Wie mitreißend ist die Miniserie?
Worum geht’s in Task?
Tom Brandis (Mark Ruffalo) muss zurück in den Einsatz: ein schrecklicher Schicksalsschlag, bei dem Tom auch seine Frau verloren hat, hat den FBI-Agent völlig aus der Bahn geworfen. Er kämpft immer noch mit Depressionen und Alkohol. Doch jetzt soll der alleinerziehende Vater eine Taskforce aus unerfahrenen Agenten leiten. Eine Serie von Raubüberfällen in den Vororten von Philadelphia stellt das FBI vor Rätsel. Die Täter überfallen systematisch Häuser, die als Drogenumschlagplätze genutzt werden. Was Tom und sein Team nicht ahnen: Dahinter steckt Robbie Prendergast (Tom Pelphrey), scheinbar ein harmloser Müllmann und treusorgender alleinerziehender Vater. Dann läuft einer seiner Überfälle völlig aus dem Ruder – mit dramatischen Folgen …

Ein Hauch von Heat weht durch Task
Spätestens wenn die Räuber die Masken aufhaben, dämmert es dem geneigten Thriller-Fan: Task erinnert schon verdächtig an die Erfolgsformel, mit der in den 90ern – und später sogar nochmal in Form einer extrem gelungenen Reminiszenz von Ben Affleck mit The Town – mehrere Thriller zu Kultklassikern wurden. Wie einst Point Break von Kathryn Bigelow und Heat von Michael Mann ist diese Serie in erster Linie ein Duell zwischen den beiden Antagonisten auf dem Plakat: Mark Ruffalo und Tom Pelphrey.
So wie einst sowohl der eigentliche „Böse“ Patrick Swayze und der Undercover-Cop Keanu Reeves zu Sympathieträgern im Gleichschritt avancierten und so wie man auf ein Treffen zwischen Al Pacino und Robert DeNiro einen ganzen Film lang sehnlichst wartete, geht nun auch hier die Faszination von der besonderen Konstellation zweier Gegenspieler aus. Auf der einen Seite hat man den tiefgefallenen Ermittler, dem sich innerhalb der Taskforce womöglich die letzte Chance bietet, nochmal seine Reputation wiederherzustellen. Und auf der anderen Seite begleiten wir den fürsorglichen Familienmenschen, der als Müllmann fast schon aus dem Sozialraster fällt und gefühlt in die Kriminalität gedrängt wird, aber dann durch unglückliche Verkettungen den Point-of-no-return passiert und immer weiter in den Morast abgleitet.
Mehr Sozialdrama als Thriller
Einen rasanten Krimi rund um eine Taskforce hat kürzlich erst Konkurrent Prime Video mit Countdown gestartet. Obwohl auch hier so eine zusammengewürfelte Einheit im Mittelpunkt steht, ist Task aber tonal ein ganz anderer Schnack: Zwar gibt es brutale, bleihaltige Überfälle, die dabei auch sehr wuchtig inszeniert sind, doch über die meiste Zeit stehen hier die sozialen und die zwischenmenschlichen Dimensionen im Fokus. So ging es im vorigen Projekt von Brad Ingelsby, Mare of Easttown, zwar auch primär um die Lösung eines Kriminalfalls, aber mit fortschreitender Lauflänge wurde diese Auflösung eigentlich sekundär und das Warum sowie die Schicksale der Beteiligten rückten nach vorn.
Sowohl Tom als auch Robbie haben hier wahrlich keinen Alltag voller Sonnenschein und Heiterkeit. Analog zu Mare of Easttown nimmt uns Ingelsby erneut mit in Gefilde der USA jenseits von Hollywood-Glamour, Großstadt-Glanz und Silicon-Valley-Schein: Es geht um Repräsentanten des „echten“ Amerika, diejenigen, die jeden Dollar umdrehen müssen, sich für ihre Arbeit aufreiben, um der Familie ein einigermaßen akzeptables Leben zu ermöglichen, während in den Medien noch immer der Schein des American Dream aufrecht erhalten wird. Es geht um die, die von einem Schicksalsschlag vollkommen aus der Bahn geworfen werden und die dann nur noch den Weg in die Kriminalität sehen.
Endlich nimmt sich Ruffalo mal wieder zurück
In den letzten Rollen wurde Mark Ruffalo immer wieder vorgeworfen, dass er die Schwelle zur Karikatur dessen, was er eigentlich spielen soll, deutlich überschritten hat. Man denke an seine overacting Performances in Poor Things oder noch „schlimmer“ in Mickey 17. Doch einstmals war der Hulk-Schauspieler ja für sein sensibles Spiel bekannt geworden, wie beispielsweise in Zodiac oder Shutter Island. Seit jeher pendelt der US-Actor zwischen überzogenen und reduzierten Rollen, konnte für Vertreter beider Seiten schon Kritiker begeistern, aber in den vergangenen Jahren hatte er gefühlt den Bogen des Überdrehten überspannt.
Zum Glück erinnert er sich nun für Task der alten Stärken und spielt den gebeutelten, alkoholsüchtigen Ermittler mit dem gleichen Fingerspitzengefühl mit dem er auch die preisgekrönte Doppelrolle in I know this much is true anreicherte. Hier schafft er es manchmal nur mit einem „Hundeblick“, dem man sich einfach nicht entziehen kann, die ganze Schwere des Schicksals, all der Verlust seiner Figur dem Publikum zu vermitteln.
Genauso ergreifend und überzeugend spielt sein „Antipart“ Tom Pelphrey dessen tragische Existenz. Pelphrey hat ungleich mehr Serienerfahrung in den vergangenen Jahren angehäuft, das Schicksal seiner Ozark-Figur versetzt die Fans bis heute in Schockstarre. Hier in der Gleichung von Task ist er nun quasi der Anti-Patrick-Swayze und doch erfüllt seine Rolle eine ähnliche Funktion: Man sympathisiert mit einem Verbrecher, mit dem eigentlichen Feindbild, mit jemandem, der Tote verantwortet. Dass man mit einem „Bösen“ mitfiebert, dass gibt es immer mal wieder – zumeist jedoch auf Kosten der Sympathien für den „Guten“. Wie jedoch auch bei den großen Vorbildern dieser Miniserie, ist hier das Kunststück gelungen, dass man beim Zuschauen beide Seiten verstehen kann und quasi im Zwiespalt als Beobachter mit zerrieben wird.
Extrem spannend – auch dank der Ensemble-Leistung
Wie schon in Mare of Easttown nicht nur die dortige Star-Performance von Kate Winslet eben nicht alles andere überstrahlte, ist es auch hier den Machern extrem hoch anzurechnen, dass zwar das Duell der beiden Hauptfiguren das Gros ausmacht, aber eben nicht der einzige interessante Aspekt von Task ist. Denn hier gibt es mindestens ein halbes Dutzend exzellent geschriebener und sagenhaft gut gespielter Nebenrollen. Angefangen bei Emilia Jones (Coda) über Fabien Frankel (House of the Dragon) und Raúl Castillo bis hin zu Jamie McShane (Wednesday) oder Thuso Mbedu (The Underground Railroad) wird man hier immer wieder von nahegehenden Einzelmomenten überrascht, wenn die Figuren aus der zweiten Reihe nach vorne rücken und sich nachhaltig ins Gedächtnis spielen.

Was aber Brad Ingelsby hier wieder in Sachen Spannungsaufbau vollbringt, ist aller Ehren wert. Der Score jagt einen regelmäßig mitsamt der Einsatztruppe durch düstere Gegenden und bedrohliche Situationen, zudem ist das Spiel mit der Düsternis einmal mehr ein effektives Stilmittel, um Ungewissheit beim Publikum zu verstärken. Task sieht – wie man es von HBO gewohnt ist – toll aus und ist überdies mit seinen sieben Folgen genau so lange, wie es diese Geschichte braucht, um voll und ganz ihre Intensität auszuschöpfen.
Nach Mare of Easttown landet der Serienschöpfer erneut einige emotionale Wirktreffer und enttäuscht alle, die hohe Erwartungen hatten keineswegs. Vielmehr legt er eine Milieustudie gepaart mit einer packenden Verbrecherjagd vor, die zu den besten Miniserien dieses Jahres zählen dürfte – von Folge 1 bis zum Finale.
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Unser Fazit zu Task
Task hat alles was Fans solch ruhiger Thriller-Dramen lieben: nervenzerreißende Spannungsmomente, tiefschürfende Charakterentwicklung und einen kinoreifen Look, wie man es von HBO gewohnt ist. Kurzum ein weiteres Statement des Mare of Easttown-Creators!
Task läuft ab dem 8. September bei WOW.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

