Shang-Chi-Star Simu Liu als eine Art Cyber-Jack Ryan und an seiner Seite Scream–Darling Melissa Barrera? Klingt doch gar nicht schlecht für einen lockeren Start ins Serienjahr 2026. Ist dies in The Copenhagen Test geboten?
Darum geht’s in The Copenhagen Test
Alexander Hale (Simu Liu), Analyst eines undurchsichtigen US-Geheimdiensts, macht eine schreckliche Entdeckung: Unbekannte haben sein Gehirn gehackt. Die Täter haben Zugriff auf alles, was er sieht oder hört – rund um die Uhr. Hale setzt alles daran, die Verantwortlichen zu entlarven und zur Strecke zu bringen. Nur so kann er beweisen, dass er kein Verräter ist, was seinen sicheren Tod bedeuten würde. Er darf niemandem trauen. Aber wie kann er einen Gegner überlisten, der Alexanders wichtigste Waffe infiltriert hat – sein eigenes Gehirn?

*** Sky hat vorab 5 Folgen von insgesamt 8 der ersten (?) Staffel zur Verfügung gestellt. Hierauf bezieht sich unser erster Eindruck zur neuen Spionagethriller-Serie. Keine Gewähr also, dass die Show auch hier die Qualität bis zum Finale halten kann***
Irgendwo zwischen Jack Ryan und Minority Report
Die Serie, die hierzulande von Peacock an Sky lizensiert wurde, lässt sich genau so an, wie es die Devise vermuten lässt: Irgendwo zwischen Near-Future-Variation einer Geheimdienstserie wie Jack Ryan und der dystopischen Welt aus Minority Report erinnert The Copenhagen Test zuerst einmal mehr an bekannte Formate als sich auf eigene Beine zu stellen. Und als Format, das zwischen den Stühlen sitzt, hat man es selten leicht – so auch in diesem Fall. Denn weder hält das Sci-Fi-Gedankenspielen den Vergleichen mit den herausstechenden Titeln dieses Genres der letzten Jahre – wie beispielsweise The Lazarus Project oder Peripherie – statt, noch ist der Politthriller-Part auch nur annähernd so dicht gestrickt, intellektuell herausfordernd oder als Analogie auf die Jetztzeit zu interpretieren wie jene Titel, die in dieser Beziehung in den letzten Jahren punkten konnten, namentlich eben Jack Ryan oder auch so etwas wie The Agency.
Im Großen und Ganzen ist die Peacock-Serie ein Sammelsurium nur allzu bekannter Spionagethriller-Tropes, aber in der Dramaturgie und Inszenierung macht die Serie im Vergleich zur ebenfalls bei Sky zu streamenden Iris Affair wesentlich weniger handwerkliche Fehler. Entsprechend ernster kann man dann diese Verschwörungs-/Untercover-Geschichte auch nehmen. Nicht nur spielen die Akteure hier mit dem nötigen Ernst und einer hohen Überzeugungskraft ihre teils Klischee-trunkenen Rollen, auch ist das ganze Organisationskonstrukt hier doch ausgefeilter und dadurch ebenfalls glaubwürdiger. Hier schlägt man dann im Vergleich sogar das wesentlich größer angelegte Prime-Projekt Citadel, wo man stets das Gefühl hatte, dass die titelgebende Organisation irgendwie im luftleeren Raum operiert und sich größer verkauft als sie eigentlich ist. In The Copenhagen Test wird die Organisation Orphanage einigermaßen glaubwürdig verkauft, was die ganze Story erst greifbar macht.
Katz und Maus der klassischen Art
Die Geheimdienstwelt wird seit jeher in Film und Serie mit Bedeutung, Pathos und Dringlichkeit aufgeladen. Das kann funktionieren, wenn die Gefahren glaubhaft vermittelt werden, wenn die Fallhöhe aufs Publikum überspringt, wenn man den Charakteren abkauft, ihr Leben für ein höheres Gut Opfern zu wollen. Sehr schnell aber werden bestimmte Elemente in diesem Genre zu unfreiwilligen McGuffins, wenn man das Gefühl hat, dargestellte Stakes und tatsächlicher Ernst klaffen zu weit auseinander. Dann wird aus den Plots schnell ein Kartenhaus, das in sich zusammenfällt, wenn schon ein einziger Aspekt einen aus der Immersion rausreißt.
Zugegeben muss auch bei The Copenhagen Test recht schnell die ein oder andere Kröte des Hanebüchenen schlucken. Vor allem Plot Convenience wird hier manchmal zu groß geschrieben und vermeintliche Zufälle entlarven dies. Was hingegen hier das Salz in die Suppe bringt, ist die Doppelbödigkeit, die sich durch das Wissen um den Hacks und die entsprechenden Schachzüge der Agenten ergibt. Wer weiß wann was? Mit diesem Unwissen des Publikums – und auch der Protagonisten – weiß die Serie dann doch recht gut zu spielen.

Etwas weniger Feuer im Cast
Das Ratespiel, wer welche Absichten verfolgt, wer auf wessen Seite steht, wer hinter dem Hack steht, ist wirklich ordentlich aufgebaut. Und auch wenn The Copenhagen Test vergleichsweise mit wenigen Actionszenen – zumindest in den ersten Folgen, die vorab gezeigt wurden -daherkommt, ist man beim Zuschauen eigentlich immer interessiert und angespannt bei der Sache. Leerlauf gibt es in der dicht konstruierten Story und bei all den verschiedenen Charakteren, die ziemlich viel Spionage-Sprech jonglieren, nicht.
Ein Problem hingegen könnte schon der Protagonist sein, weil Simu Liu im Gegensatz zu seiner körperlichen Performance als Marvelheld hier eher einen Agenten der Worte spielt, und somit mehr über seine Ausdrücke und die ruhigen Momente Sympathien sammeln muss. Und das will leider nicht so ganz gelingen, hat der Schauspieler doch über weite Strecken eher eine leicht distanzierte Aura um sich, wirkt etwas unterkühlt und hat gefühlt zu oft den gleichen Gesichtsausdruck. Es zeigt sich leider, dass Liu zwar ein charismatischer Star ist, aber eine solche Serie, beispielsweise im Vergleich zu einem John Krasinsky als Jack Ryan oder auch einem Gabriel Basso in The Night Agent nicht tragen kann. Und leider kann auch Melissa Barrera hier zumindest dieses Defizit nicht aufwiegen.
Zum Glück gibt es jedoch noch einige Nebenfiguren, die hier interessante Facetten reinbringen. Kathleen Chalfant als Geheimdienstchefin mit nebulösen Hintergründen, Brian D’Arcy James als eine Art M-Pendant und die beiden stark gespielten Agentinnenrollen von Adina Porter und Sinclair Daniel bieten doch auch auf der Personalebene genug, um dranzubleiben und wissen zu wollen, wie das ganze Puzzle sich im Verlauf noch zusammensetzen wird.
© Peacock
Unser Fazit zu The Copenhagen Test
The Copenhagen Test ist kein Action-Kracher, sondern eher eine Art futuristische John Le Carré-Variation, die durchaus zu packen weiß. Etwas schwer fällt zwar die Identifikation mit der Hauptfigur, aber das ist Geschmacksache. Fest steht hingegen, dass man hier zum Jahresstart 2026 bei Sky einen Titel serviert, der für Freunde von Bourne und Co. keine schlechte Wahl ist.
Die ersten zwei Episoden von The Copenhagen Test starten ab 1. Januar 2026 auf Sky und WOW. Weitere Episoden der achtteiligen Spionagethrillerserie stehen wöchentlich mit Doppelfolgen zum Abruf bereit. Linear startet die Serie ab 6. Januar mit wöchentlich zwei neuen Episoden auf Sky Atlantic.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

