Das Yellowstone-Universum wächst weiter: Mit Kurt Russell und Michelle Pfeiffer sind auch beim neuesten Projekt wieder Hochkaräter an Bord. Was aber kann The Madison tatsächlich?
Darum geht es in The Madison
Die New Yorker Familie Clyburn siedelt sich im Madison River Valley in Zentral-Montana an und setzt sich intensiv mit Themen wie Trauer und menschlicher Verbundenheit auseinander.

*** Vorab wurden uns die ersten drei Folgen der ersten Staffel, die in Gänze sechs Folgen haben wird, bereitgestellt. Entsprechend ist dies unser Eindruck zur Hälfte der ersten Staffel von The Madison.***
Ein ohne Duttons, bitte!
Bislang waren die Yellowstone-Serien im Prinzip eine Art Jahrhunderte überspannende Familiensaga über die Duttons, die sich in den 1880ern in Montana niedergelassen, im 19. Jahrhundert ihre Farm verteidigten und ihre Stellung festigten und die dann in der Handlung der Hauptserie im Hier und Heute wieder vor externe und interne Herausforderungen gestellt wurden. So verhielten sich die Spin-Offs 1883 und 1923 entsprechend zum Serienhit wie House of the Dragon zu Game of Thrones oder Young Sheldon zu The Big Bang Theory: Marginale Anspielungen, bekannte Namen, anderes Personal.
Nun aber heißt es in The Madison Clyburn statt Dutton, denn dieses Spin-Off rückt – anders als die ebenfalls im März gestartete Serie Marshals über Kacey Dutton als Wildpolizist und „Dutton Range“ als Sequel über Rip und Beth – neue, familienfremde Charaktere ins Zentrum. Ob es hier zu Dutton-Verweisen oder gar Auftritten kommen wird, ist vorab noch unklar gewesen. Aber prinzipiell scheint es, als würde man diese Familiendrama-Serie vor vergleichbarer Kulisse völlig unvoreingenommen und ohne Vorwissen der bisherigen Stories starten können.
Beim Cast lässt sich ein Sheridan nicht lumpen
Sheridan, so hat es sich inzwischen herumgesprochen, ist wohl ein (positiv gesprochen) dominanter Typ. Das hat in der jüngeren Vergangenheit nicht nur einmal zu den berühmt-berüchtigten „kreativen Differenzen“ mit ebenfalls egozentrisch veranlagten A-Stars seiner Projekte gefühlt. Das aufsehenerregende Beispiel war der Disput mit Yellowstone-Capo Kevin Costner, der letztlich das Ende der Serie besiegelte – und das auf eine dem Der mit dem Wolf tanzt-Star nicht sonderlich schmeichelnde Weise.
Doch noch hat Sheridan offenkundig kein Problem, auch für die neuen Produktionen frei nach Gusto aus der Creme de la Creme der Hollywood-Stars schöpfen zu können: Kurt Russell hat nun hier nach seiner schon ziemlich großen Rolle in Apple TV’s Monarch innerhalb kurzer Zeit seine zweite größere Serienrolle übernommen; Michelle Pfeiffer hat hingegen hier ihr Seriendebüt (ehe es in Kürze direkt ebenfalls bei Apple TV zu einer weiteren Streaming-Vorstellung kommen wird in Only Margo); Dann kommen noch die Serien-erfahrenen Patrick J. Adams (Suits), Matthew Fox (Lost) und Allrounder Will Arnett (Is This Thing On?), sodass auch The Madison wieder ein wahres Star-Vehikel ist.
Ansonsten alles beim Alten?
Schon wenn dann aber zu Beginn der Pilotfolge der Vorspann einsetzt, fühlt es nach einer Heimkehr an: die Melodie, der Artstyle, sogar die Schriften sind zu einhundert Prozent auf Yellowstone geeicht. Das Spin-off fügt sich entsprechend nahtlos in die inzwischen äußerst weitgefasste Westernwelt von Taylor Sheridan ein, wie eine weitere Kurzgeschichte aus dem gleichen Band. Und – ohne jetzt irgendwas vorwegzunehmen – begann auch die Originalserie damals mit einer familiären Tragödie direkt im Auftakt.
Nach einer halben Stunde weiß man dann, um was es eigentlich gehen wird, wobei es tatsächlich nun kompliziert ist, noch weiter auf der inhaltlichen Ebene zu bleiben, ohne auf dieses initiale Ereignis einzugehen. Was mal auf jeden Fall sagen kann, ist, dass Michelle Pfeiffer allein für die Reaktion darauf darstellerisch ihr ganzes Schauspielrepertoire abrufen darf und das auch mit Bravour tut. Schnell wird klar: War Yellowstone die Geschichte eines Patriarchen, ist The Madison nun eine über eine Matriarchin, wobei Pfeiffer ihrem Vorgänger im Geiste im direkten Vergleich der Pilotfilme in Sachen Sympathie mehr als nur den Rang ablaufen kann.
Ein neues Element macht The Madison ad hoc noch interessanter
Nachdem Stacy dann mit ihren Kids in Montana angekommen ist, stellt sich schnell heraus, dass es reichlich Geheimnisse ihres Mannes zu erkunden gilt. Aus dieser Form der Aufarbeitung der Vergangenheit in Verbindung mit der melancholischen Tonalität der Serie erwächst dann doch eine Form von Abenteuergeschichte, die sich angenehm von den anderen Projekten des Serienschöpfers unterscheidet. Angereichert wird das mit einem zwar in Teilen etwas abgedroschenen Stadt-Land-Clash, der aber trotzdem für den ein oder anderen lustigen Moment gut ist ohne die grundsätzlich bedächtige Stimmung zu ruinieren.
Denn in The Madison merkt man allerorten die Erfahrung in Sachen Drama: Die Schauspieler wissen genau wie sie Trauer und Verzweiflung im einen und im anderen Moment Optimismus ausstrahlen können, die musikalische Untermalung trifft genau den richtigen Ton, um noch nicht zu melodramatisch das Publikum zu manipulieren und die Bilder verstärken nahezu jede Stimmungslage, die man beim Schauen gerade durchmacht.

Analog zur aktuell erfolgreichsten Sheridan-Serie Landman sitzen hier auch wieder sämtliche Dialoge, vor allem wenn man damit bestimmte Klischees entlarven und verstärken will. Das mag dem ein oder anderen inzwischen zu bekannt vorkommen, aber auf der Kehrseite heißt das eben nur: Trotz eines gefühlten Dutzends paralleler Projekte – von Mayor of Kingstown über Lioness und Tulsa King – ist das Sheridan-Verse schlicht für Paramount ein Garant von hochwertiger, bodenständiger TV-Unterhaltung mit einem hohen Wiedererkennungsfaktor. Und zu diesen „Trademarks“ gehören dann eben auch ein Hauch von Cheesyness, ein bisschen zu viel Stereotypen und die Tatsache, dass bei Sheridan alles inklusive sämtlicher Menschen fast zu schön sind.
© Paramount Plus
Unser Fazit zur ersten Staffel von The Madison
Als Yellowstone-Ultra ist es schön zu sehen, dass die Welt von Sheridan auch ohne Duttons lebendig ist und der Serienmacher noch immer in einem traumhaften Setting mit einem sensationellen Cast schafft, die richtigen Töne zu treffen. Unter all den Geschichten ist The Madison die bislang melancholischste, die feministischste und die nachdenklichste. Somit hält es sich genau die richtige Waage zwischen erprobten Elementen und frischem Wind.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

