In Glennkill: Ein Schafskrimi sucht eine Herde von Mähdektiven nach einem schwarzen Schaf, das einen Bock geschossen hat. Das klingt doch nach einem tierischen Vergnügen, oder?
Glennkill – Darum geht’s
Schäfer George (Hugh Jackman) liest seinen geliebten Schafen jeden Abend Krimis vor und nimmt an, dass sie kein Wort davon verstehen. Doch als ein mysteriöser Vorfall das friedliche Leben auf der Farm durchbricht, wird den Schafen bewusst, dass sie selbst nun die Ermittlungen übernehmen müssen. Also folgen sie der Spur der Beweise und machen menschliche Verdächtige ausfindig. Dabei beweisen sie, dass auch Schafe brillant darin sein können, Verbrechen aufzuklären. Ein neuer, geistreicher Krimi der etwas anderen Art!

Kriminal-Felle mit Schafen-Verstand
Ohne Krimi geht die Mimi – oder in diesem Fall die Lily– nie ins Bett. Diese Obsession teilt sie mit Millionen anderer Menschen. Spätestens seit dem ersten Auftreten von Sherlock Holmes im Jahre 1886 befindet sich gefühlt die ganze Welt in einem unheilbaren Krimi-Fieber, denn bis heute landen Autor:innen von Kriminalromanen regelmäßig ganz oben auf den internationalen Bestsellerlisten. Diese Erfahrung durfte auch Leonie Swann 2005 mit ihrem Erstlingswerk Glennkill machen. Weltweit sammelten sich Herden von Fans, die sich an dem ersten Abenteuer der witzigen Wiederkäuer weideten. Erstaunlicherweise wird ihr Erfolgsrezept erst jetzt verfilmt.
Andererseits könnte der Zeitpunkt kaum besser sein. Noch immer sind Verbrechen im Film- und Serienformat eine sichere Bank, wie man z. B. am Erfolg der Eberhofer-, Department Q– oder Knives-Out-Reihe erkennen kann. Wichtiger als der Plot ist dabei oft das Setting. Rita Falk lässt ihren Helden im tiefsten Bayern ermitteln, die Verfilmungen von Jussi Adler-Olsen leben von der skandinavischen/schottischen Kühle und Rian Johnson setzt auf den Charme klassischer Agatha-Christie-Verfilmungen.
Glennkill spielt – wie es der Name bereits vermuten lässt – in Irland. Das allein wäre aber genauso wenig ein Alleinstellungsmerkmal wie ein mürrischer, exzentrischer oder traumatisierter Ermittler. In einem Mix aus Shaun das Schaf und Tatort schickt Leonie Swann deshalb einen Trupp tierischer Detektive los, um ein Verbrechen aufzuklären. Das Ergebnis ist ein amüsantes Krimi-Erlebnis, bei dem mal wieder der Weg das Ziel ist, bloß dürfte der den meisten sehr bekannt vorkommen.
Schafswolle für bekannte Strickmuster
Glennkill: Ein Schafskrimi arbeitet sich an der bekannten Struktur klassischer Kriminalgeschichten ab, ohne Erwartungshaltungen zu brechen oder eine zweite Ebene einzubauen. Der Fokus liegt dabei auf Familientauglichkeit und seichtem Humor, der ungeachtet des Mordfalls und zwei etwas düsterer Szenen die niedrige Altersfreigabe rechtfertigt. Die jüngeren Zuschauer werden vermutlich auch die Einzigen sein, die bei der Auflösung überrascht werden. Jeder andere weiß: Je verdächtiger sich eine Person verhält, desto unschuldiger ist sie. Da des Rätsels Lösung immer erst in den letzten zehn Minuten erfolgt, benötigen erfahrene Zuschauer keinen besonderen „Schafsinn“, um die vielen falschen Fährten zu durchschauen und zu erahnen, dass der erste Eindruck trügt. Das Motiv ist dabei so austauschbar wie die Täterfigur selbst, doch der Tathergang ist durchaus clever konstruiert und vierbeiniger Fahnder ermitteln zu lassen eine putzige Idee.
Im besten Fall könnte man aufgrund des durchgehend augenzwinkernden Tons von einer Parodie sprechen, denn die gängigen Klischees werden gleichermaßen bedient, wie sie als solche adressiert werden. Im schlechtesten Fall dient dieses Vorgehen nur der Legitimation, um bis hin zur Musikuntermalung ausschließlich auf Bekanntes zurückzugreifen. Glennkill erfindet aber selbst als Genre-Dekonstruktion das Rad nicht wirklich neu, hat aber mit Regisseur Kyle Balda (Ich – Einfach unverbesserlich 3) den richtigen Hirten engagiert. Durch seine jahrelange Erfahrung im Animationsbereich weiß er, wie man eine digitale Herde durchs Dorf treibt. Seine Sets sind liebevoll gestaltet, die Welt farbenfroh und die Inszenierung angenehm ruhig. Es wäre allerdings nicht nötig gewesen, zwischendurch Gespräche über Tod, Leben, Familie und Gott einzufügen. Diese weitreichenden Fragen werden derart plump beantwortet, dass man sich zwischenzeitlich – auch dank der irischen Dorfidylle – in einer Rosamunde-Pilcher-Parodie wähnt.
Ein Wolf hütet die Schafe
Humorige Verfilmungen von Kriminalromanen setzen seit jeher auf bekannte Darsteller:innen. Die meisten von ihnen sind hier allerdings nur zu hören. Im Original werden die Schafe unter anderem von Patrick Stewart, Julia Louis-Dreyfus und Brian Cranston gesprochen. Im Deutschen leihen dagegen Bastian Pastewka und Anke Engelke den Hauptakteuren Mopple und Lily ihre Stimmen. Sie ordnen sich – wie alle Sprecher:innen – den Charaktereigenschaften ihrer Figuren unter und versuchen erst gar nicht, mit einem bestimmten Sprachduktus aus der Schafsherde herauszustechen. Das ist zwar die absolut richtige Herangehensweise, macht ihre Besetzung aber auch ein wenig obsolet.

Ihre menschlichen Kolleg:innen wie Emma Thompson (Meine Stunden mit Leo), Nicholas Braun (Saturday Night) und Hong Chau (Wuthering Heights – Sturmhöhe) haben sichtlich Spaß an ihren exzentrischen Karikaturen, überlassen aber nur zu gerne den paarhufigen Protagonist:innen die Weide. Sie dienen ihnen bereitwillig als Punchlines für Gags und rücken ohne Zwang die benötigten Informationen heraus. Für die emotionalen Momente sind Hugh Jackman – der vielleicht doch nicht bis ins hohe Alter Wolverine spielen muss – und Molly Gordon (The Bear) zuständig. Ihre etwas komplexer ausgearbeiteten Rollen bewegen sich dennoch innerhalb der sehr eng abgesteckten Grenzen einer Koppel aus Konventionen. So bekannt einem das Schauspiel und der Verlauf auch vorkommen, einschlafen im Kinosaal gelingt selbst dann nicht, wenn man die Schafe zählt. Dafür ist Glennkill: Ein Schafskrimi dann doch zu unterhaltsam.
© Amazon MGM Studios
Unser Fazit zu Glennkill: Ein Schafskrimi
Glennkill: Ein Schafskrimi ist familientaugliche Krimiunterhaltung nach gängigen Mustern. Die niedlichen Tierchen werden die Herzen des Publikums erobern und der harmlose Humor regt zum Schmunzeln an. Wer jedoch „Bock“ auf Innovation, Spannung oder eine besondere Atmosphäre hat, sollte sich lieber auf anderen Weideflächen umsehen. Alternativen gibt es in diesem Bereich ja reichlich.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.
