Die Prime-Actionfilme waren zuletzt ein Auf und Ab. Nun kommt mit The Wrecking Crew der nächste mit Starbesetzung ums Eck. Wo verortet sich der Streifen mit dem Duo Bautista-Momoa qualitativ?
Darum geht’s in the Wrecking Crew
Die beiden entfremdeten Halbbrüder Jonny (Jason Momoa) und James (Dave Bautista) werden nach dem mysteriösen Tod ihres Vaters gezwungen, wieder zusammenzuarbeiten. Auf der Suche nach der Wahrheit kommen lang vergrabene Familiengeheimnisse ans Licht, Loyalitäten werden auf die Probe gestellt und eine Verschwörung offenbart sich, die ihre Familie zu zerreißen droht. Gemeinsam stellen sich die Brüder allem entgegen, was sich ihnen in den Weg stellt.

Reichen große Namen diesmal?
In 2025 waren die Filmprojekte, die direkt bei Prime Video hierzulande landeten – und die ebenfalls mit einer Stange an namhaften Stars aufwarteten, ein Wechselbad der Gefühle: Konnte G20 trotz Viola Davis nur Kopfschütteln auslösen, schafften es im Sommer Heads of State und Deep Cover kurzzeitig die Vorurteile gegenüber den Projekten des Versandriesen auszuräumen, nur damit in der Folge mit Play Dirty, Playdate und The Pickup gleich ein Trio einen Rückfall in schlechteste Zeiten manifestierte – ehe aber mit Trap House gen Jahresende zumindest noch etwas weihnachtliche Versöhnung erzielt werden konnte. Allesamt hatten mindestens vor, meisten auch hinter der Kamera Personal vorzuweisen, dem man prinzipiell schon etwas von Qualität abverlangen kann, doch vielfach waren die Skripte generisch, die Kreativität auf Sparflamme gedimmt und so blieb kaum ein 2025er-Prime-Actioner über den Jahreswechsel hinaus im Gedächtnis der Zuschauerschaft – und im popkulturellen erst recht nicht.
Zum Auftakt ins Action-Streaming-Jahr 2026 fährt der Dienst aber direkt wieder große Geschütze für The Wrecking Crew auf – und das nicht nur vor, sondern insbesondere diesmal auch hinter der Kamera, zeichnen als Autor niemand geringeres als Banshee-Showrunner Jonathan Tropper und als Regisseur Blue Beetle-Macher Ángel Manuel Soto verantwortlich. Und neben Jason Momoa und Dave Bautista in den Hauptrollen hat man mit unter anderem Morena Baccarin, Claes Bang, Temuera Morrison, Jacob Batalon und Frankie Adams in der Besetzung eigentlich kaum noch Ausreden, damit dieser Film nicht zumindest ein gelungener Start ins neue Jahr sein muss.
Standard-Action vor Urlaubskulisse
Um die Kuh gleich mal vom Eis zu schieben: Die Talsohle der qualitativen Achterfahrt scheint mit Playdate erreicht gewesen zu sehen, The Wrecking Crew ist ein deutlich besserer, wenn auch kein sensationell guter Actionfilm, der sich auf seine Zutaten verlässt, aber wirklich keinerlei Risiken eingeht. So liefert Soto hier nun einen locker-flockigen Inselausflug nach Hawaii, bei dem man schon mal ausdrücklich loben muss, dass sich optisch die On Location-Drehs voll und ganz auszahlen. Denn: Urlaubssehnsucht und Fernweh wird definitiv jede und jeder verspüren, der sich diesen Film im Winter auf dem heimischen Fernseher ansieht, während draußen Temperaturen im maximal einstelligen Bereich herrschen.
Und auch die soziokulturellen und folkloristischen Aspekte der Pazifikinseln schafft der Actioner gut zum integralen Bestandteil einer überwiegend bodenständig bis flachen Story zu machen. Ansonsten erinnert hier schon mal vom Vibe her einiges an die augenscheinlichen Buddy-Comedy-Vorbilder der letzten Jahrzehnte.
So weht natürlich ein Hauch von Beverly Hills Cop über der Inselwelt, vor allem im Hinblick auf das Innenleben der Ermittlungsbehörde, die Frotzeleien zwischen den Charakteren wecken unweigerlich Erinnerungen an die Kombi aus Will Smith und Martin Lawrence a.k.a. die Bad Boys und so wie sich die Geschichte hier aufbaut – ein Mord führt entzweite Verwandte wieder zusammen, hinter dem Ganzen steckt mehr als es anfangs scheint, schnell wird es laut, explosiv, aber jederzeit bleiben die Protagonisten trotzdem entspannt und scheinen von einem Elefantenhaut-dicken Plot-Panzer geschützt zu sein -, könnte sie auch im Kosmos von Lethal Weapon, The Nice Guys oder eben Beverly Hills Cop spielen.
Kurzum: Wer Innovation erwartet kann den 18-stündigen Flug auf die Vulkaninsel auslassen.
Die Stars haben Spaß, also haben wir auch Spaß
Doch obwohl The Wrecking Crew einen Standardmoment an den nächsten reiht, die Sprüche auch manchmal haarscharf die Fremdschamschwelle unterschreiten und zu kaum einem Moment Fallhöhe und spürbare Konsequenz hier drinsteckt, kann man sich wegen der gut aufgelegten Stars einem gewissen Charme dieses Action-Spaßes nicht erwehren. Denn auch wenn Jason Momoa nur wieder die nicht ganz verrückte Fassung seines Dante aus Fast and Furious zum Besten gibt, strahlt der Aquaman einfach weiterhin eine unheimliche Wärme und Sympathie aus, sodass man definitiv zu dem Schluss kommen kann, dass Momoa einer der wenigen Stars ist, die, obwohl sie quasi nur sich selbst immer wieder spielen, damit nie die Nervigkeitsgrenze überschreiten.
Tatsächlich muss man inzwischen sogar sagen, dass Ex-Wrestler Dave Bautista darstellerisch eine größere Range als der einstige GoT-Star abzubilden vermag, hier dann auch mal nicht den leicht naiven, aber liebenswürdigen Part spielt, sondern in der Paarung mit Momoa als Filmbruder als seriöser Ausgleich erstaunlich gut harmoniert. Entsprechend ist das Kernelement eines jeden Buddy-Movies, das Duo im Zentrum, hier schon mal ein Pro-Argument. Es macht zwar vor allem einen Heidenspaß, wenn sich die zwei Haudegen gegenseitig auf die Fresse hauen, aber wenn sie dann letztlich kooperieren, macht es genauso den Spaß, bei dem man kurzzeitig all den Ernst in dieser Welt vergisst.
Vorhersehbar? Ja vielleicht. Mehr davon? Immer her damit!
The Wrecking Crew will und soll gar nicht modern sein, vielmehr ist es eine ähnlich anachronistisch angelegte Produktion wie die koreanische Roundup-Reihe: Manchmal will man – genau wie eben früher – ein schlichtes Gut-gegen-Böse-Schema, sorglose Sprücheklopfer, garniert mit kantiger Action und abgerundet durch ein einigermaßen erinnerungswürdiges Finale. Eine Formel, die eben seit Urzeiten in diesem Genre funktioniert und die nur dann ins Straucheln gebracht wird, wenn man plötzlich versucht mit Biegen und Brechen beispielsweise politische Messages unterzubringen.

Da hier, wie geschrieben, wirklich keinerlei Experimente eingegangen werden, man aber trotzdem schon das Gespür für solides Charakterschreiben von Jonathan Tropper durchschimmern sieht, weil auch die One Liner fast ausnahmslos sitzen und der komplette Nebendarsteller-Cast aus Charakterköpfen mit starken Einzelmomenten besteht, sticht dieser Film doch am Ende aus dem gewöhnlichen Prime-Brei hervor. Wenn man aber grundsätzlich mit den beiden Headlinern nicht warm wird, dann ist dieser Streifen tunlichst zu meiden, denn was man bekommt ist Momoa und Bautista in Reinkultur – nur übertroffen von Scene Stealer Morena Baccarin, die schon in Deadpool durch ihre trockene Art in dramatischen Szenen einige Highlights kreiert hatte.
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Unser Fazit zu The Wrecking Crew
Im Rahmen der niedrigen Erwartungen, die durch die vergangenen Fehlschläge von Prime Video derzeit herrschen, ist The Wrecking Crew dann doch eine wuchtige, kurzweilige und sympathische Überraschung. Überrascht hingegen auf der inhaltlichen Ebene wird hier niemand. Dafür bekommen Buddy-Action-Fans ein Genre-Medley mit bestens aufgelegten Haupt- und Co-Stars.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

