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Agentenserien – moderne Klassiker

Jack Bauer, Jack Ryan oder Jackson Lamb? Muss man ein „Jack“ im Namen haben, um bei einem Geheimdienst angestellt zu werden? Wie ihr hier bei den besten Agentenserien erfahren werdet, lautet die Antwort Nein. Ein leicht zu merkender Name ist jedoch mitunter schon von Vorteil. Was macht das Genre darüber hinaus noch aus? Erfahrt es im folgenden Special!

Jack Ryan Staffel 4 - Offizieller Trailer | Prime Video DE

Agentenserien – Auf den Spuren von Bond und Co. abseits der Kinoleinwand

Fragt man zehn Leute auf der Straße nach dem besten Geheimagenten, erhält man vermutlich neunmal die Antwort James Bond. Doch während Ian Flemings legendärer Gentleman-Spion seit jeher fest mit dem Kino verbunden ist, gibt es unzählige ebenso klangvolle Namen, die quasi die TV-Antwort auf 007 sind. Wir werfen in diesem Special einen Blick auf das Agentenserien-Genre und fragen uns: Was macht die Faszination aus, die dazu führt, dass speziell in den letzten Jahren immer mehr neue Serien von nahezu allen Anbietern ins Rennen geschickt werden. Darüber hinaus erfahrt ihr dann, welche aktuellen und noch laufenden Serien unbedingt auf die Watchlist gehören und welche modernen Klassiker es wert sind neu- oder wiederentdeckt zu werden. Und wer den Artikel bis zum Ende liest, ehe er sich selbst zerstört, der bekommt in den Honorable Mentions auch noch ein paar Geheimtipps, bei denen wir über den Tellerrand hinausblicken.

Die 007 besten laufenden Agentenserien

Der Anlass ausgerechnet jetzt dieses Special zu verfassen, erklärt sich durch die Tatsache, dass die Neustarts an Agentenserien innerhalb der letzten Jahre (gefühlt?) massiv zugenommen haben. Der Zuspruch des Publikums ist dabei so hoch, dass vor allem bei Netflix nahezu alle Beispiele, im Gegensatz zu vielen anderen Serien, im Eiltempo verlängert wurden. Das hier soll natürlich keine wissenschaftliche Analyse des Zuschauerverhaltens sein, also Spekulationen, weshalb aktuell das Interesse an Geschichten rund um Spionage, Verschwörungen und Geheimdienstarbeit so hoch ist, werden weitestgehend außenvorgelassen. Vielleicht hat die geopolitische Lage damit zu tun, vielleicht ist es auch nur eine sich selbst bedingende Marktsituation oder vielleicht liegt es auch daran, dass speziell hier aktuell auch die aufstrebenden Newcomer eine Bühne bekommen. Was jedoch feststeht, ist unsere Auswahl an sieben momentan noch laufenden Agentenserien von verschiedenen Anbietern. Was macht sie jeweils aus?

The Night Agent

Gabriel Basso als Peter Sutherland
The Night Agent: Gabriel Basso als Peter Sutherland © Netflix

In The Night Agent schiebt ein einfacher FBI-Agent im Keller des Weißen Hauses Telefondienst und wartet auf Anrufe, die nie kommen. Als das Telefon eines Abends wider Erwarten klingelt, findet er sich inmitten einer gefährlichen Verschwörung wieder, die bis ins Oval Office reicht. Die anspruchsvolle Actionthriller-Serie basiert auf einem Roman von Matthew Quirk.

Zugegeben: Als der Verfasser dieses Artikels und auch der Kritik von Filmtoast zur Serie The Night Agent zu Beginn des Jahres diesen Neustart sichtete, hätte er niemals damit gerechnet, dass dieses Format so einschlagen würde. De facto ist der Neuling mit dem Newcomer Gabriel Basso in der Hauptrolle ein unerwarteter Megaerfolg für Netflix geworden. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber eines ist gewiss: Die Geschichte ist klassisch, geradlinig, aber unglaublich einnehmend und spannend. Der Protagonist ist dabei schnell sympathisch und zugleich noch am Anfang einer Reise, die Nebenfiguren sind ebenfalls durch die Bank weg perfekt besetzt. Für alte Genre-Hasen mögen die Wendungen zwar nicht so gut funktionieren wie für Neulinge im Agenten-Business. Doch alle Twists werden gut vorbereitet und sind gleichzeitig überraschend und logisch. Die Erwartungen an die zweite Staffel werden nun wachsen, aber wenn sich die Beteiligten gut eingespielt haben, kann die Serie dem Druck durchaus statt halten.

The Night Agent ist im Jahr 2023 bei Netflix gestartet und hat aktuell eine Staffel mit 10 Folgen. Staffel 2 wird 2024 erwartet.

The Recruit

Noah Centineo als Owen Hendricks, Angel Parker als Dawn Gilbane
The Recruit: Noah Centineo als Owen Hendricks, Angel Parker als Dawn Gilbane © 2023

In The Recruit gerät das Leben des jungen Anwalts Owen Hendricks (Noah Centineo) in seiner ersten Woche bei der CIA aus den Fugen, als er das Drohschreiben der früheren Agentin Max Meladze (Laura Haddock) in die Finger bekommt. Diese will die Spionageagentur auffliegen lassen, sofern sie nicht eines schweren Verbrechens freigesprochen wird, das man ihr vorwirft. Owen, der um die Welt reist, um seine Mission zu erfüllen und sich bei der CIA einen Namen zu machen, wird schnell in die gefährliche und oftmals absurde Welt der Politik und der hinterlistigen Strippenzieher hineingezogen.

Kurz vor dem Start von The Night Agent ging mit dieser Serie ebenfalls ein Newcomer an den Start, der jedoch etwas mehr auf einen frechen Protagonisten und eine etwas abgedrehtere Geschichte setzte, dabei aber ebenfalls klassisch und fokussiert blieb. Centineo und Haddock haben eine fantastische, aber vollkommen unerwartete Chemie vor der Kamera. Darüber hinaus gibt es funktionierende One Liner, intelligente Running Gags und reichlich Potenzial für die Fortführung. „Konventionell und doch frisch“, lautet auch hier die Devise – und damit das aktuelle Erfolgsrezept.

The Recruit ist im Jahr 2023 bei Netflix gestartet und hat aktuell eine Staffel mit 8 Folgen. Staffel 2 wird 2024 erwartet.

Fubar

Arnold Schwarzenegger als Luke Brunner vor einer brennenden Papiertonne im Anzug
Fubar: Arnold Schwarzenegger als Luke Brunner © Netflix

Ein CIA-Agent kurz vor der Rente deckt ein Familiengeheimnis auf und lässt sich auf eine allerletzte Mission ein. In der actiongeladenen, humorvollen Serie dreht sich alles um Familiendynamiken – nicht nur in der Welt der Spionage.

Arnold Schwarzenegger als Zugpferd, der vor der Kamera immer noch den Spaß seines Lebens haben darf – Damit hat Netflix einen weiteren Achtungserfolg hingelegt, der im Gegensatz zu den anderen Neustarts allein wegen der großen Namen nicht ganz so überraschend gewesen sein wird. Auch wenn die Serie ein bisschen wenig Neues bietet und insbesondere auch in der eigenen Filmografie des Hauptdarstellers wildert, kann man Fubar einen gewissen Charme nicht absprechen. Die Chemie zwischen Schwarzenegger und der Serientochter Monica Barbaro ist gut, die Action ein auf und ab – mit mehr auf als ab. Und da die Serie mit einer Story punktet, die tatsächlich auf eine DIN A4-Seite passt, hat man hiermit auch mal wieder ein Format, dass man locker nebenbei schauen kann. Etwas mehr Mut zur Komplexität und noch etwas abgedrehtere Action und die zweite Staffel verdient sich eine noch deutlichere Empfehlung.

Fubar ist im Jahr 2023 bei Netflix gestartet und hat aktuell eine Staffel mit 8 Folgen. Staffel 2 wird 2025 erwartet.

Citadel

Richard Madden als Mason Kane.
Richard Madden als Mason Kane © 2010-2023 Amazon.com, Inc. oder Tochtergesellschaften

Vor acht Jahren fiel Citadel. Die unabhängige globale Spionageagentur, die für die Sicherheit aller Menschen sorgen sollte, wurde von Agenten von Manticore zerstört, einem mächtigen Syndikat, das die Welt aus dem Verborgenen heraus manipuliert. Mit dem Fall von Citadel wurden die Erinnerungen der Eliteagenten Mason Kane (Richard Madden) und Nadia Sinh (Priyanka Chopra Jonas) ausgelöscht, nachdem sie nur knapp mit dem Leben davonkamen. Seitdem leben sie im Verborgenen und bauen sich unter neuen Identitäten ein neues Leben auf, ohne sich ihrer Vergangenheit bewusst zu sein. Bis Mason eines Nachts von seinem ehemaligen Citadel-Kollegen Bernard Orlick (Stanley Tucci) aufgespürt wird, der dringend seine Hilfe benötigt, um Manticore an der Errichtung einer neuen Weltordnung zu hindern. Mason sucht seine frühere Partnerin Nadia auf und die beiden Spione begeben sich auf eine Mission rund um die Welt, um Manticore zu stoppen. Dabei müssen sie sich auch mit ihrer Beziehung auseinandersetzen, die auf Geheimnissen, Lügen und einer gefährlichen, aber unsterblichen Liebe beruht.

Ja, die Kritiken zur hoch budgetierten Amazon-Premium-Serie fielen eher mittelmäßig bis schlecht aus. Dennoch soll die Auftaktstaffel hier in der Auflistung nicht fehlen, denn wenn der Versandriese an seinen Plänen festhält und die Internationalisierung des Citadel-Verse vorantreibt, dann ist die Chance da, dass sich im Laufe der Zeit doch noch etwas entwickelt, was in der Gesamtbetrachtung Sinn ergibt. Die ersten, überaus kompakten 6 Folgen von Citadel haben einen teils unfertigen, teils stückwerkartigen Eindruck hinterlassen, was auch auf Unstimmigkeiten hinter den Kulissen zurückzuführen ist.

Doch vielleicht kehrt in der Produktion ja nun Ruhe ein und man kann sich auf die Stärken konzentrieren. Denn auch wenn vieles Altbekannte in dieser Serie recycelt wurde, so haben einige Aspekte doch neugierig stimmen können. Wie weit reichen die Arme der geheimen Agentur, wie viele Agenten gibt es noch, wer spielt für welche Seite? Erste Antworten liefert wohl das italienische Spin-Off, dass im kommenden Jahr die Wartezeit auf die zweite Staffel verkürzen wird.

Citadel ist im Jahr 2023 bei Amazon Prime Video gestartet und hat aktuell eine Staffel mit 6 Folgen. Staffel 2 wird 2025 erwartet.

Jack Ryan

John Krasinski als Jack Ryan
John Krasinski als Jack Ryan © 2010-2023 Amazon.com, Inc. oder Tochtergesellschaften

Die Serie beginnt damit, dass der Ex-Marine und nunmehr für die CIA arbeitende Analytiker Jack Ryan (John Krasinski) unter anderem über verdächtige Banküberweisungen dem mutmaßlichen Terroristen Mousa Bin Suleiman auf die Spur kommt, den er für ähnlich gefährlich wie Osama bin Laden hält und der möglicherweise einen baldigen Anschlag plant. Dabei lernt er seinen Vorgesetzten James Greer (Wendell Pierce) kennen und eine Hass-Liebe entsteht, die später zu einer Freundschaft werden soll. Im Verlauf der nun mehr vier Staffeln bekommen es die beiden Protagonisten mal mit einer Bedrohung des Friedens in Venezuela, mal mit der Gefahr eines Wiederaufflammen des Kalten Krieges und mal mit internen Verschwörungen zu tun. Dabei gibt es immer wieder neue Verbündete und unerwartete Feinde.

Jack Ryan ist wohl die bekannteste Romanfigur von Autor Tom Clancy und schon in den Neunzigern gab es mehrere Iterationen, unter anderem mit Harrison Ford und Alec Baldwin. Die Amazon-Variante mit John Krasinski ist jedoch die erste Serien-Version – und nicht wenige Fans sagen inzwischen es ist auch die beste Verfilmung der Geschichten rund um den CIA-Analysten. Speziell die politischen Dimensionen genießen in der ernsthaften Umsetzung einen hohen Stellenwert, aber die Action kommt dabei nie zu kurz. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist, dass man die Serie auch tatsächlich nicht nur rund um den Globus spielen lässt, sondern auch dort filmt. Dadurch wird aus dem Agententhriller eine spektakuläre Weltreise voller Adrenalin, Action und Dramatik.

Jack Ryan ist im Jahr 2018 bei Amazon Prime Video gestartet und hat aktuell vier Staffel. Die vierte Staffel ist kürzlich geendet und damit auch die Serie. Ein Spin-Off ist allerdings schon in der Mache.

Slow Horses

Äußerlich strahlt Jackson Lamb (Gary Oldman) schon mal wenig Kompetenz als Agent aus .
Äußerlich strahlt Jackson Lamb (Gary Oldman) schon mal wenig Kompetenz als Agent aus © Apple TV+

Die Adaption des gleichnamigen Spionagethrillers Slow Horses handelt von einer Gruppe von MI5-Agenten, die aufgrund von dienstlichem Versagen im sogenannten „Slough House“ weitestgehend von ihrer normalen Berufsausübung abgehalten werden. Chef dieser Unterabteilung ist Jackson Lamb (Gary Oldman), der mehr damit beschäftigt ist, seine Mitstreiter zu erniedrigen als der eigentlichen Geheimdienstarbeit nachzugehen. Doch als River Cartwright (Jack Lowden) in diese Abteilung strafversetzt wird, wird das Team von Lamb doch plötzlich in eine große Angelegenheit verstrickt, deren Ausmaß sowohl die Führungsriege des MI5 als auch die höchsten politischen Ebenen Großbritanniens tangiert.

Slow Horses erweitert den Katalog von Apple TV mit einem thematisch aktuellen und doch in seinen Aussagen zeitlosen Spionagethriller. Die sechs Folgen will man am liebsten an einem Abend schauen, da trotz der eingestreuten Satiremomente, die ausgeklügelte Thrillerhandlung stets im Vordergrund bleibt. Nervenkitzel ist genauso sicher, wie der Fakt, dass sich Gary Oldman in seiner Rolle einmal mehr als einer der wandlungsfähigsten Schauspieler unserer Zeit zeigen darf.

Slow Horses ist im Jahr 2022 bei Apple TV+ gestartet und hat aktuell 2 Staffeln mit je 8 Folgen. Staffel 3 wird noch 2023 erwartet.

Teheran

Shervin Alenabi und Niv Sultan auf einem Motorrad nachts.
Shervin Alenabi und Niv Sultan in Teheran © Apple TV+

Im Zentrum der Handlung steht Tamar Rabinyan, eine junge israelisch-jüdische Frau, die im Iran geboren und in Israel aufgewachsen ist. Sie arbeitet als Agentin des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad vorwiegend im Iran und wendet dabei auch Hacker-Methoden an. Tamars Auftrag ist es, in Teheran die iranischen Flugabwehrraketensysteme zu stören, damit israelische Kampfflugzeuge ein iranisches Atomkraftwerk bombardieren und Israel den Iran so daran hindern kann, eine Kernwaffe zu produzieren. Im Teheraner Flughafen wechselt sie ihre Identität und tritt fortan unter der Identität von Zhila Gorbanifar auf, einer muslimischen Mitarbeiterin eines Teheraner Elektrizitätsunternehmens. In der Rolle versucht sie von der Zentrale dieser Firma aus die Stromversorgung des iranischen Radarsystems zu unterbrechen, um einen anhaltenden Angriff der israelischen Luftwaffe zu ermöglichen…

Eine gewisse Nähe, nicht nur geografisch, zu Homeland (s.u.) liegt auf der Hand, doch Teheran ist bis dato immer noch einer absoluter Geheimtipp. Im Gegensatz zu vielen amerikanischen Produktionen fehlen der Israel-Koproduktion selbstverständlich die großen Namen, wenngleich mit Glenn Close und in der dritten Staffel Hugh „House“ Laurie doch etwas Star-Glanz in die Spionage-Atmosphäre bringen. Das wäre jedoch gar nicht nötig, denn Niv Sultan spielt die Mossad-Agentin mit Bravour, sodass die Serie sogar schon mit einem Emmy und die Darstellerin ebenfalls mit einem Serienpreis prämiert wurde. Die Serie ist aktuell, differenziert und extrem nervenzehrend, verwebt bekannte Spionage-Aspekte mit einer unerwarteten Liebesgeschichte und sieht dabei auch noch hochwertig aus.

Teheran ist im Jahr 2020 bei Apple TV+ gestartet und hat aktuell zwei Staffeln. Staffel 3 wird die letzte sein und soll noch 2023 kommen.

007 moderne Klassiker unter den Agentenserien

Für den zweiten Teil unseres Features beschränken wir uns auf sieben Serienempfehlungen, die inzwischen als moderne Klassiker des Spionage-Genres betrachtet werden können, die dabei aber alle im neuen Jahrtausend über die Bildschirme flatterten. Natürlich gab es wahrscheinlich doppelt und dreifach so viele, die man hier auch zu den sieben besten hätte zählen können, aber wir haben uns bewusst für diese unterschiedlichen Vertreter entschieden, um eine hohe Varianz im Genre zu unterstreichen. Welche Agentenserien haben also das Genre seit Beginn des Jahrtausends geprägt?

Alias – Die Agentin

Sydney Bristow (Jennifer Garner) führt ein Doppelleben: offiziell ist sie eine Bankangestellte, tatsächlich arbeitet sie als Agentin für SD-6 – angeblich eine geheime Unterabteilung der CIA. Als Arvin Sloane, der Leiter von SD-6 erfährt, dass Sydney ihren Verlobten Danny Hecht in ihr Geheimnis eingeweiht hat, veranlasst er dessen Ermordung. Daraufhin quittiert Sydney den Dienst und wird somit selbst als Sicherheitsrisiko eingestuft. Nur knapp entgeht sie Sloanes Häschern, als Jack Bristow, ihr entfremdeter Vater, ihr unerwartet zu Hilfe eilt. Von ihm, der überraschenderweise ebenfalls im Dienst von SD-6 steht, erfährt sie, dass diese Organisation keineswegs Teil der CIA ist, sondern vielmehr zu dem Verbrechersyndikat der Allianz der Zwölf – einem Staatsfeind – gehört. Um Sloanes Vertrauen zurückzugewinnen, beschafft Sydney im Alleingang ein für Sloane sehr wichtiges Artefakt des Philosophen, Propheten und Erfinders Milo Rambaldi.

Alias ist zugleich der Durchbruch für Lost-Schöpfer J. J. Abrams und eine Blaupause des modernen Erzählens von Agentengeschichten gewesen. Über fünf Staffeln hinweg konnte man die Abenteuer von Bristow bewundern, die sich zahlreichen Verschwörungen stellen musste während sie die Artefakte von Rambaldi beschaffen muss. Vollkommen gelüftet wurde das Geheimnis um die Prophezeiung von den Autoren der Serie lange Zeit nicht. Erst im Schlussdrittel der allerletzten Episode der fünften Staffel löste sich das Rätsel auf. Bis dahin war man bei einem Stück TV-Geschichte dabei, mit dem Abrams auch seine später immer wieder verwendete Mystery-Box-Formel etablierte. Die Agentenserie ist voller Twists, Turns und Spannung, und noch heute absolut sehenswert.

Alias – Die Agentin lief zwischen 2001 und 2006 in 5 Staffeln mit 105 Folgen. Alle Staffeln kann man bei Disney+ streamen.

Homeland

Homeland Season 1 (2011) | Official Trailer | Claire Danes & Damian Lewis SHOWTIME Series

Die Serie beginnt damit, dass der seit 2003 im Irak vermisste und mittlerweile totgeglaubte Kriegsgefangene Nicholas Brody (Damian Lewis) durch eine US-Spezialeinheit befreit und in den USA als Held empfangen wird. Carrie Mathison (Claire Danes), eine mit einer bipolaren Störung lebende Geheimagentin der CIA, erhält den Hinweis eines Informanten, demzufolge ein Amerikaner in Gefangenschaft „umgedreht“ worden sei, und nimmt an, dass Nicholas dieser Mann sei, weshalb sie ihn – trotz fehlender Genehmigung – auch in seinem Wohnhaus elektronisch überwacht. Die erste Staffel dreht sich um die Frage, ob Nicholas tatsächlich ein „Schläfer“ ist, der für den al-Qaida-Terroristen Abu Nazir arbeitet, oder doch ein Held, und in diesem Zusammenhang um Carries Glaubwürdigkeit, die als einzige von ersterem überzeugt ist…

Die ersten beiden Staffeln waren speziell wegen der Chemie zwischen Danes und Lewis ein Stück Fernsehgeschichte: hochspannend, wendungsreich und garantiert nichts für Leute, die selbst zur Paranoia neigen. Dann musste sich die Serie neu erfinden und tat dies mehrfach, mal mit mehr, mal mit weniger Finesse und Fingerspitzengefühl. Dreh und Angelpunkt blieb dabei stets Danes Carrie Mathison mit ihrer fragilen Psyche, ihren inneren Dämonen und den daraus resultierenden ebenso fragilen zwischenmenschlichen Beziehungen. Mandy Patinkin als ihr Mentor war dabei immer ein Publikumsliebling und die Riege an Nebendarstellern in den acht Staffeln aller Ehren wert. Trotz der teilweise auch mittelmäßigen Staffeln und dem Gefühl des Auf-der-Stelle-Tretens, hat sich die Serie gen Ende wieder gefangen und konnte mit der achten Staffeln nochmal an die besten Zeiten anschließen. Das Ende ist – wie so oft, mit einer noch leicht geöffneten Tür für eine spätere Weiterführung – rund und hat Fans für die emotionale Reise belohnt.

Homeland brachte es zwischen 2011 und 2020 auf 8 Staffeln und 96 Folgen. Die ganze Serie ist bei Prime Video inklusive.

Person of Interest

PERSON OF INTEREST - Die komplette 1. Staffel - Offizieller Trailer Deutsch HD

Das reiche und geheimnisvolle Computergenie Harold Finch (Michael Emerson) hat eine Maschine entwickelt, die Nummern von Verbrechensopfern oder Tätern preisgibt – bevor das jeweilige Geschehen eintritt. Er engagiert den ehemaligen CIA-Agenten John Reese (James Caviezel) als dieser bereits sein Leben aufgeben will und rettet fortan Leute, die für die Regierung irrelevant erscheinen. Im Laufe der Zeit werden die beiden jedoch durch ihre Aktionen mit immer mehr Parteien konfrontiert, mit denen sie mit ihrer Arbeit nicht nur auf Wohlwollen stoßen. Ob Mafia, Polizei oder FBI – irgendwann ist alles miteinander verbunden und die künstliche Intelligenz gewinnt mehr und mehr Einfluss auf das Leben aller Beteiligter.

Was als Fall-der-Woche-Serie beginnt, wird spätestens ab der zweiten Staffel dann zur horizontalen Geschichte, denn jede Nummer, die die ominöse Maschine ausspuckt zahlt irgendwie aufs große Ganze ein. Das macht Person of Interest rein erzählerisch schon mal extrem einnehmend, doch insbesondere, das die Geschichte mit dem KI-Schwerpunkt von vor über 10 Jahren soviel vorweggenommen hat, was tagesaktuell unsere Nachrichten dominiert, gibt dem modernen Serienklassiker noch die Extra-Würze. Darüber hinaus schaffen es vor allem die Protagonisten einem ans Herz zu wachsen und selbst wiederkehrende Schurken sind allesamt mehrdimensional geschrieben, sodass die Serie durchaus einen gewissen Anspruch mitbringt und zum Mitdenken anspornt. Einige Spezialfolgen sind zudem Meilensteine der Seriengeschichte und das Ende gehört bis heute zu den besten Abschlüssen aller Zeiten. Kurzum: wer die Serie noch nicht gesehen hat, braucht keine Bedenken haben, dass sie inzwischen veraltet sein könnte. Mitnichten! Person of Interest funktioniert heute sogar besser denn je.

Person of Interest lief von 2011 bis 2016 mit insgesamt 109 Folgen. Derzeit gibt es die Serie komplett bei Freevee mit Werbung und teilweise bei Sky/Wow in der Flatrate.

24

CTU-Agent Jack Bauer (Kiefer Sutherland) erlebt seinen schlimmsten Tag und muss eine Katastrophe verhindern. Diese Prämisse gilt für jede Staffel der Serie, die jeweils einen Tag in Echtzeit entspricht. Ob Solo, der CTU, der CIA oder direkt dem Präsidenten der Vereinigten Staaten unterstellt -Jack Bauer ist zusammen mit den jeweiligen Einsatzkräften die größte Hoffnung, terroristische Bedrohungen auszuschalten. Dabei erhält er  immer wieder Hilfe von einer Analystin und anderen Verbündeten. Jack schreckt vor keiner Methode der Informationsgewinnung zurück, um sein Land und die Menschen, die ihm wichtig sind, zu beschützen und geht dabei immer wieder an mentale und vor allem körperliche Grenzen.

Ja, die Serie ist im Bezug auf die fragwürdige Moral des „Helden“ nicht allzu gut gealtert. Doch sie hat nun einmal das Genre entscheidend geprägt und in Sachen Spannungsaufbau im Agentenserien-Genre Pionierarbeit geleistet. Kiefer Sutherland hat sich zu einem Prototypen eines Agenten entwickelt, der im Nachgang viele Kino- und Serienfiguren beeinflusst hat. Dadurch, dass man auch inzwischen mit Abstand und der nötigen Distanz auf 24 schauen kann, kann man sich aber an einigen extrem spannenden Szenen und Folgen und auch immer wieder ordentlicher Action erfreuen und den kritischen Rest dabei ausblenden.

24 lief zwischen 2001 und 2010 in 8 Staffeln mit 192 Folgen. Im Disney-Plus-Abo sind alle Staffeln inbegriffen.

The Night Manager

The Night Manager: Trailer - BBC One

Jonathan Pine (Tom Hiddleston) ist Nachtwächter eines Schweizer Hotels. Als er mit der Ermordung seiner Geliebten konfrontiert wird schwört er dem verantwortlichen Waffendealer Richard Onslow Roper (Hugh Laurie) Rache. Er beginnt sich als Informant für den britischen Geheimdienst in Ropers Kreisen einzuschleusen – und muss im Kampf das Richtige zu tun selber zum Kriminellen werden.

John Le Carré ist so etwas wie der Godfather of modern british spy stories und einige seiner Geschichte wurden teils mehrfach verfilmt. Eine davon auch mit The Night Manager, die hierzulande in 8, in anderen Märkten in 6 Teilen, 2016 ein echtes TV-Event war. Das lag an dem sensationellen Aufeinandertreffen von Laurie und Hiddlestone, aber auch an der Souveränität einer Olivia Coleman. Darüber hinaus fesselt die Geschichte des skrupellosen Waffenhändlers auch heute noch, da der Serie ein Grad an Realismus anhaftet, der ein mulmiges Gefühl hinterlässt. Aktuell kursieren recht valide Gerüchte über eine Fortsetzung. Auch wenn diese mit dem Original-Cast kommt, diese Miniserie als solche ist ein Kleinod des Genres und Pflichtprogramm für Agententhriller-Fans.

The Night Manager ist eine abgeschlossene Miniserie mit 8 Folgen aus dem Jahr 2016 und bei Amazon Prime Video inklusive.

The Americans

The Americans | Official Series Trailer | FX

Seit den späten 1960er Jahren befinden sich die KGB-Spione Elizabeth (Keri Russell) und Philip Jennings (Matthew Rys) in den Vereinigten Staaten und  führen dort eine von ihrem Führungsoffizier arrangierte Ehe. Ihre beiden Kinder, die Teenager Paige und Henry, vervollständigen das Bild einer ganz normalen Familie. Elizabeth und Philip sind sich über die Jahre näher gekommen, jedoch wird ihr Alltag von ihrer Spionage- und Agententätigkeit bestimmt. Dann wird die Situation jedoch zusehends erschwert, denn ihr neuer Nachbar Stan Beeman ist ein FBI-Mitarbeiter. Philip findet zudem im Laufe der Zeit Gefallen am Leben in den USA und beginnt, seine Aufgabe infrage zu stellen.

Kalter Krieg, Ost-West-Konflikt, Kleinstadt, Gäääähn? Mitnichten! Allein die Auftaktsequenz von The Americans machte seinerzeit schon klar, dass hier eine hochspannende Konstellation konstruiert wurde, denn das fingierte Familienidyll der Jennings wird von zig Seiten immer wieder auf die Probe gestellt. Kern ist jedoch immer die „Familie“ geblieben und die Frage, wie echt sie womöglich doch ist – oder im Verlauf werden kann. Was passiert, wenn die Kinder älter werden und das Geheimnis erfahren? Wie hält man den FBI-Nachbarn auf Abstand? Ist man nur Spielball der großen Macht im Hintergrund und dadurch permanent davor das Messer in den Rücken zu bekommen? Paranoia-Thriller, Familiendrama, Politkrimi auf allerhöchstem Niveau, mit einer Schlusspointe, die man nie wieder vergisst. Die immerwährende Atmosphäre der Paranoia springt auch deswegen so gut aufs Publikum über, da die Macher auch ein exzellentes Gespür für Musikauswahl und Bilder bewiesen, die im Kopf bleiben.

The Americans hat es auf 5 Staffeln zwischen den Jahren 2013 und 2018 gebracht und insgesamt 75 Folgen. Zu sehen mit Disney-Plus-Abo.

Chuck

Chuck (Zachery Levi) ist ein Computerfachmann. Eines Tages erhält er eine E-Mail von einem ehemaligen College-Freund. Diese enthält eine in Bildern verschlüsselte Datenbank, die von der CIA und NSA betrieben wurde. Chuck speichert die gesamten Daten unfreiwillig in seinem Gehirn und ist fortan die einzige Quelle dieser streng geheimen Informationen…

Mir dieser Ausgangslage wurde Chuck zu einer der witzigsten Agentenserien im neuen Jahrtausend. Die Serie bedeutete den endgültigen Durchbruch für seine Hauptdarsteller Yvonne Strahovski und Levi und funktioniert auch heute noch wunderbar. Innerhalb unserer Empfehlungen ist diese Action-Comedy die wahrscheinlich lustigste Agentenserie. Voller Popkultur-Anspielungen und Detailliebe sprachen die Macher Josh Schwartz und Chris Fedak nicht nur die Genre-Fans an sondern hielten auch für Filmfans aller Generationen immer wieder Aha-Momente bereit. Trotz des komödiantischen Tons blieb die Spannung nicht auf der Strecke.

Chuck lief von 2007 bis 2012 und hat 5 Staffeln mit 91 hervorgebracht. Im Moment gibt es die Serie in keinem Abo, aber bei diversen Anbieter zum Kauf.


Die besten Agentenserien – 007 Honorable Mentions

Wie so oft ist auch die Beschränkung auf jeweils sieben aktuelle und etwas ältere Serien eine Qual der Wahl gewesen. Wir möchten daher hier noch einige honorable mentions anbringen und nahelegen, auch diese Agentengeschichten auf dem Zettel zu haben.

  • Kleo: Eine ehemalige DDR-Agentin sucht nach dem Mauerfall nach Rache und stößt auf eine Verschwörung. Eine rasante und tötliche Reise zwischen Berlin, Südamerika und Mallorca beginnt.
  • The Blacklist: Ein ehemaliger Offizier des Office of Naval Intelligence und einer der meist gesuchten Verbrecher der USA stellt sich in dem FBI. Allerdings will er nur mit einer bestimmten FBI-Agentin sprechen und bietet dafür an, bei der Suche nach Verbrechern und Terroristen zu helfen.
  • Deutschland 83/86/89: Ein DDR-Grenzsoldat wird als Spion in die Bundeswehr eingeschleust wird. Die Serie thematisiert die Spannung zwischen Ost und West im Kalten Krieg und die Gefahr eines Dritten Weltkriegs.
  • Archer: Sterling Archer ist beim International Secret Intelligence Service unter der Führung seiner Mutter als Agent tätig. Neben üblichen Einsätzen muss er sich mit allerhand skurrilen Charakteren herumschlagen. Dabei werden in der Zeichentrickserie Klischees bekannter Agentenformate bedient und durch starke Überzeichnung parodiert.
  • Kim Possible:Wenn Kim Possible in der Zeichentrickserie von Disney nicht gerade Schule hat oder mit ihrem besten Freund im Bueno Nacho sitzt, rettet sie die Welt mit Hilfe ihrer Spezialausrüstung, die sie von einem Computergenie erhält.
  • Counterpart: Howard Silk arbeitet seit dreißig Jahren für eine bürokratische UN-Agentur in Berlin; Seine Freigabe ist jedoch zu niedrig, als dass man ihm sagen könnte, was seine Arbeit im Hintergrund wirklich beinhaltet. Tatsächlich überwacht die Behörde einen Übergang zu einer parallelen Erde, einer Kopie von Howards Welt, die 1987 von ostdeutschen Wissenschaftlern geschaffen wurde und seitdem divergiert.
  • Spooks: Die Abteilung D des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5 unter Leitung von Harry Pearce ist für Terrorismusbekämpfung zuständig. Ihre Geheimagenten infiltrieren das Umfeld verdächtiger Personen, um Details ihrer Pläne zu erfahren und diese zu vereiteln. Dafür setzen sie auch Abhörmethoden ein und nutzen das dichte Netz an Überwachungskameras in London.

Ein Blick in die Zukunft der Agentenserien

Wie ihr oben bereits sehen konntet, gehen einige der Serien schon bald in neue Staffeln. Manche bekommen sogar Spin-Offs spendiert und einige Neustarts sind bereits in Aussicht, die das Genre erneut bereichern könnten. Und dann ist da noch der Elefant im Raum, denn seit der Übernahme von MGM durch Amazon machen regelmäßig Gerüchte die Runde, dass auch das Bond-Universum womöglich demnächst in die Serienwelt hineinwachsen könnte. Ein weiterer Trend ist, dass auch in großen Franchises Elemente von Agentenserien immer mehr Einzug finden, man denke an Andor bei Star Wars oder aktuell Secret Invasion im MCU. Dann gibt es natürlich noch einige Nachwuchshelden wie Alex Rider, die den alten Recken den Rang streitig machen wollen.

Was speziell bei den aktuellen Serien doch etwas auffällt, ist, dass proportional die Zahl männlicher Protagonisten in diesem Genre noch stark überwiegt. Ein Trend, der sich womöglich aufgrund genereller Diversitätsbemühungen drehen könnte. Und was wir bei unseren Beispielen etwas vernachlässigt haben, ist die Tatsache, dass auch aus Asien und Südamerika extrem viele Agentenserien kommen, die durchaus frische Reize bieten und auch hierzulande noch an Aufmerksamkeit gewinnen werden. Das jedoch ist dann womöglich Stoff eines weiteren Specials!


Und jetzt fragen wir euch: Was sind eure liebsten Agentenserien? Waren sie in dieser Liste dabei?

Wir sind gespannt auf eure Favoriten!

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Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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