Nachdem Kayce Dutton eine eigenen Fortsetzungsserie bekommen hat, geziemt es die Geschwisterparität, dass auch Beth‘ Geschichte fortgeschrieben wird. Das geschieht nun kurz nach dem letzten Yellowstone-Spin-Off Marshals mit Dutton Ranch. Und wieder stellt sich die Frage: Trägt die Westernwelt von Sheridan noch so gut, dass es binnen weniger Monate mehrere Serien hergibt?
Darum geht’s in Dutton Ranch
Nach den einschneidenden Ereignissen in Montana wagen Beth und Rip einen riskanten Neuanfang im rauen texanischen Hinterland, wo sie sich gegen eine übermächtige Konkurrenz und die Geister ihrer Vergangenheit durchsetzen müssen. Während das Paar versucht, sich fernab der Schatten von Yellowstone eine gemeinsame Zukunft aufzubauen, prallen sie auf brutale neue Realitäten und eine skrupellose rivalisierende Ranch, die vor nichts zurückschreckt, um ihr Imperium zu schützen. In Südtexas geraten sie in einen harten Überlebenskampf, bei dem ihr Zusammenhalt und ihre Loyalität mehr denn je gefordert sind.
Quo vadis, Beth & Rip?
Ja, über weite Strecken der Hauptserie war Beth Dutton, die Tochter des Patriarchen, der von Kevin Costner gespielt wurde, Publikumsliebling und insgeheim der Star von Yellowstone. Doch mit der Charakterentwicklung ab einem gewissen Punkt kurz vor dem Finale waren weder Fans noch Kritiker wirklich happy, sodass es schon kurz nach dem Serienende kritisch beäugt wurde, dass man nun ausgerechnet nochmal mit ihr und ihrer großen Liebe Rip Wheeler weiterarbeiten will. Soll nun also Dutton Ranch die Wogen glätten, indem man gewisse Fehlentscheidungen relativiert oder gar ausradiert? Macht man so weiter, wie man sich nun mal auf der Zielgeraden für die beiden Figuren entschieden hat? Und wie verbunden mit dem, was nunmal das Finale eigentlich an Konsequenzen für Beth und Rip bedeutet, ist die Sequelserie de facto? Viele Fragen stellen sich dem geneigten Fan der Franchise also vor Beginn.
Beth fragt nun also direkt in der Auftaktszene ihre große Liebe Rip, ob er sich je hätte vorstellen können hier zu landen. Und damit spricht sie ein Stück weit auch dem Publikum aus der Seele, das seit Beginn von Yellowstone ihren Werdegang verfolgt und sie entsprechend mal ganz anders kennengelernt hat. Denn ursprünglich hätte ihre Figur eher ins Succession-Milieu gepasst, nun reitet sie stilecht – und überzeugend – wie ein Cowboy aus dem Lehrbuch durch die Weiten der Prärie, hat die unterkühlten, modernen Büros, in denen sie einst Millionen scheffelte komplett hinter sich gelassen – zusammen mit dem, was sie zum Ende der Originalserie getan hat, hatte sie, wie wir wissen, aber wohl auch gar keine große Wahlmöglichkeit mehr.
Neuer Staat, neues Leben, …
Doch nicht primär die Flucht davor, von den eigenen Sünden eingeholt zu werden, führt zum Wechsel der Location von Montana nach Texas in Dutton Ranch. Die Serie beginnt mit einem gewaltigen Feuer, dass Beth, Rip und ihrem Ziehsohn Carter gar keine andere Wahl lässt, als nochmal bei Null zu beginnen. Das ist vielleicht in der Geschwindigkeit, wie es hier als Grund implementiert wird, etwas ungelenk, aber immerhin bleiben dann keine Fragen offen, weshalb man nun das zweite Post-Yellowstone-Spin-Off nach Marshals nicht mit diesem kreuzen wird. Denn Bruder Kayce ist nun also als Statthalter in Montana geblieben, während Beth tausende Kilometer weit weg eine Geschichte weiterschreiben, die tonal wiederum deutlich klarer auch als direkte Fortsetzung rezipiert werden kann.
War das Geschmachte von Beth und Rip schon zuvor immer mal wieder schon graduell kitschig und widersprüchlich zur Beth, die man ursprünglich mal eingeführt hatte, so setzt sich diese Melodramatik zwar zu Beginn erstmal noch fort, aber die überromantischen Liebesbekundungen weichen dann doch irgendwann der „alten“ schroffen Gangart, die Yellowstone einstmals ausmachte, weil sich die Neuankömmlinge in Texas nicht allzu lange Zeit lassen, um sich mit den Mächtigen vor Ort anzulegen. Was daraus folgt, ist typisches Sheridan-Modern-Western-Schema: Egal wie weit das Land, wie groß der Kuchen, wie zahlreich das Vieh ist, Streitigkeiten darum, wer das Alpha-Rudel ist, sind unausweichlich.
… neue Feindschaften, …
Inzwischen stellen sich in den von Sheridan verantworteten Serien immer mehr Redundanzen ein, die auch ein die-hard-Fan nicht mehr ausblenden kann, aber das noch wird der richtige Schalter umgelegt, weil die neuen Figuren dank exzellenter Besetzung gegen ihre Schablonenartigkeit erfolgreich anzuspielen wissen. In diesem Fall sind es dann Jai Courtney (Dangerous Animals), Annette Bening (Nyad) und allen voran Ed Harris (Westworld), die den Weg ins Sheridan-Verse finden und vom jeweils ersten Auftritt an zu bereichern wissen.
Die eher weniger namhaften und hierbei insbesondere die jüngeren und weiblichen Zuwächse in der Westernwelt hingegen unterstreichen eher den Vorwurf an Sheridan-Stoffe, mit Frauenfiguren eher Schwierigkeiten zu haben. Das liegt nicht an der jeweiligen Darstellerin, aber analog zur für ihre charakterliche Flachheit kritisierte Michelle Randolph-Figur in Landman sind hier sowohl die Natalia Alyn Lind- als auch die Morgan Wade- und Jessica Belkin-Figur (zumindest soweit ich schon in die erste Staffel reinschauen konnte) nicht sonderlich vielschichtig gezeichnet und müssen mal wieder für lapidare kalenderspruchartige Dialoge herhalten – oder für die für Sheridan ebenfalls typischen oberflächlichen, erwartbaren kleinen Love Stories.
… alles beim Alten
Dafür funktionieren die „Kerle“ im Cast wieder hervorragend, weil sie schlicht ins Klischee-Western-Bild, das uns Sheridan – mit Erfolg – nun seit knapp zehn Jahren vorgaukelt, passen: immer einen One-Liner auf den Lippen, immer den Finger am Abzug und kaum einer ohne Leiche im Keller. Ja, in allen Belangen ist Dutton Ranch damit als Sheridan-Werk fast schon blind identifizierbar, aber da dieses Sequel zu 95 Prozent ohnehin nur von Kennern von Yellowstone geschaut werden wird, ist das am Ende stimmiger als der Genre-Bruch in Marshals, wo man durch den leichten Crime-Procedural-Anstrich auch Quereinsteigern in Sheridan-Verse den Weg erleichtern will.
Rein inhaltlich allerdings ist es fast zu früh etwas zur Handlungsentwicklung dieser mutmaßlich ersten Staffel einer längerfristigen konzipierten neuen Storyline zu sagen. Denn vorab wurden nur zwei der neun Folgen gezeigt, die zwar als erster Eindruck taugen, aber natürlich noch keinerlei Pay-off-Momente liefern können. Die Stimmung aber passt, man spürt die Animositäten schon köcheln, merkt direkt, dass die Beth, Rip und Carter als „Eindringlinge“ in Texas in sich eingespielte Machtgefühle einbrechen und damit mehr als nur einen Konfliktherd aufmachen. Und da Beth sich – zum Glück – mit ihrer Art auch im neuen Territorium nicht zurückhalten kann, kann man sich als Fan schon ziemlich sicher auf die Eskalationsspirale in den verbleibenden Wochen mit Dutton Ranch in diesem Sommer freuen.
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Unser Erster Eindruck zu Dutton Ranch
Dutton Ranch fühlt sich mehr als noch das andere Spin-off von Yellowstone, das jüngst erst gestartet wurde, wie eine direkte Fortsetzung an. Bedeutet im Umkehrschluss: Nichts für Neueinsteiger, wenig Überraschungspotenzial für Sheridan-Kenner und die typischen Schwachstellen finden sich auch hier wieder. Doch grundlegend funktionieren die Kernfiguren weiterhin exzellent, die Neuzuwächse bringen frischen Wind rein, der sich noch auszahlen kann und der Locationwechsel nach Texas ist vermutlich schon eine größere Änderung als viele der festgefahrenen Hauptserie am Ende noch zugetraut hatten.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.
