Pünktlich zum Beginn der kalten Jahreszeit bringt Grey’s Anatomy-Star Jesse Williams die Sonne zurück auf die Bildschirme. Kann Hotel Costiera die Wartezeit bis zum nächsten Sommerurlaub verkürzen?
Darum geht’s in Hotel Costiera
Daniel De Luca (Jesse Williams) ist ein halbitalienischer ehemaliger US-Marine, der als „Fixer“ in eines der luxuriösesten Hotels der Welt zurück nach Italien, dem Land seiner Kindheit, kehrt. Das Hotel liegt an der spektakulären Küste von Positano. Neben der Bewältigung der Probleme der wohlhabenden Hotelgäste ist Daniel auch auf der Suche nach Alice, einer der Töchter des Besitzers, die einen Monat zuvor verschwunden ist. Daniel muss alles tun, um sie nach Hause zu bringen – doch sich denen zu stellen, die das Mädchen entführt haben, wird herausfordernder sein als jedes Problem, dem Daniel je gegenüberstand.

Urlaub fürs Gemüt
Serienschauen ist anstrengend geworden – zumindest, wenn man nur ein begrenztes Zeitkontingent hat. Jede Woche erscheinen gefühlt dutzende neue Serien, die unsere volle Aufmerksamkeit verlangen. Staffelübergreifend folgen wir einem komplexen Handlungsstrang voller Wendungen und müssen uns eine Vielzahl von Figuren mit ihren unterschiedlichen Motivationen merken, da ein Rewatch-Marathon mitunter mehrere Tage in Anspruch nimmt. Dank der aktuellen Veröffentlichungspolitik von Serien wartet man zudem wochenlang, um zumindest einen Teil der Geschichte einigermaßen zusammenhängend genießen zu können.
Hotel Costiera wirkt dem Luxusproblem entgegen und verbindet moderne Sehgewohnheiten mit klassischen Serienelementen. Die Geschichte ist angenehm kurz, schnörkellos erzählt und nach sechs Episoden abgeschlossen. Es braucht daher weder einen Rückblick vor den Folgen noch eine Zweitsichtung, falls weitere Staffeln erscheinen. Zwar gibt es einen übergeordneten Handlungsstrang, doch rückt dieser oft zugunsten des „Falls der Woche“ in den Hintergrund. Hotel Costiera legt den Fokus nicht aufs Erzählen, sondern weckt vorrangig Fernweh – und das gelingt der Serie wunderbar. Das Prime Format versucht sich gar nicht erst in der Kombination beider Elemente, um geschickt dem White Lotus-Vergleich aus dem Weg zu gehen.
Bella Italia
Die ersten fünf Minuten setzen das Setting: Wir erleben, wie unser gutaussehender Held in einer malerischen Umgebung – unterlegt von eingängiger Popmusik – böse Buben plättet und danach mit bildschönen Menschen in einem luxuriösen Club feiert. Diesen leichten Erzählton behält die Serie auch bei schwereren Themen wie Tod, Kidnapping, Betrug und Ausbeutung von Migranten bei. Jedes Problem wird umgehend und zur Zufriedenheit aller – außer den Antagonisten natürlich – gelöst. Unsere Held:innen stoßen nie auf größere Schwierigkeiten und sehen stets blendend aus – Blut, Schweiß oder Tränen sind ihnen völlig fremd.
Keiner der Fälle soll die Örtlichkeiten in ein schlechtes Licht rücken, denn Hotel Costiera ist in erster Linie ein vierstündiges Werbevideo für die märchenhafte Amalfiküste. Die Story wurde um den Drehort herum konzipiert und soll lediglich mögliche Ausflugsziele sinnvoll verbinden. Um die natürliche Schönheit des Ortes in atemberaubenden Bildern auf unsere Bildschirme zu übertragen, kamen moderne Kameras mit viel Beleuchtungsspielraum zum Einsatz. Dank etwas digitaler Nachbearbeitung sehen wir nicht nur die lebhaften Farben der Natur, sondern spüren die Sonne auf der Haut und haben den Duft des Meeres in der Nase.

Reich und Schön
Die Ästhetik des Landstrichs soll sich in den Kulissen und Figuren widerspiegeln. Die malerischen Gassen von Positano und die prachtvoll ausgestatten Villen entlang der Küste werden fast ausschließlich von Menschen mit perfektem Body-Mass-Index bewohnt. Natürlich tragen sie nur farblich passende Designerklamotten, denn ums Geld muss sich keiner Sorgen machen. Das lässt sich zurecht kritisieren, doch es passt leider auch zur Werbeclip-Ästhetik – und in die Reihe von etlichen Thrillern und Krimis im High Society Setting, die über die vergangen Jahre quer über alle Streamingdienste released wurden, sei es The Perfect Couple bei Netflix, Das Gift der Seele bei Prime oder eben The White Lotus von HBO. Dementsprechend legen die Serienschöpfer Elena Bucaccio und Francesco Arlanch hier nun auch nicht sehr viel Wert auf Schauspiel. Neben dem guten Aussehen wird allen Figuren maximal eine Charaktereigenschaft zugeschrieben.
Jesse Williams (Your Place or Mine) spielt einen sexy Charmebolzen, dem keine Aufgabe zu schwierig ist. Begleitet wird er von Genny (Jordan Alexandra), die mit ihren kurzen Kleidern La Dolce Vita repräsentieren soll, dem Dandy Tancredi (Sam Haygarth) als lustigem Sidekick und Bigné (Antonio Gerardi), einem Mann fürs Grobe. Sie alle leben den Traum vom unendlichen Urlaub, der uns ins nächste Reisebüro treiben soll.
© Amazon MGM Studios
Unser Fazit zu Hotel Costiera
Hotel Costiera ist in erster Linie eine Wohlfühlserie mit der Ästhetik einer Pasta-Werbung. Schöne Menschen erleben in noch schönerer Umgebung kleine Abenteuer. Spannung, Drama und Action werden in leicht bekömmlichen Häppchen serviert und am Ende gibt es – wenig überraschend – ein Happy End. Natürlich darf auch ein kleiner Ausblick auf eine mögliche zweite Staffel nicht fehlen. Der ist aber genauso unwichtig wie der Rest der Handlung, denn hier geht es nicht ums Mehr, sondern ums Meer.
Hotel Costiera erscheint am 24. September 2025 auf Prime Video.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

