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    Startseite » Star City
    Serien

    Star City

    Jan Wernervon Jan Werner26. April 2026Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    © Apple TV
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    Fünf Staffeln hat uns For All Mankind die US-amerikanische Perspektive auf die alternative Geschichtsschreibung im Space Race gezeigt, eine weitere wird noch folgen. Doch Apple TV hält an der Serienwelt unabhängig davon fest und wendet sich mit Star City nun der sowjetischen Sicht zu. Ist das Spin-off genauso bahnbrechend wie das langlebige Original?

    Darum geht’s in Star City

    Star City ist ein treibender paranoider Thriller, der uns zu dem Schlüsselmoment in der Nacherzählung des Space Race zurückverführt – als die Sowjetunion die erste Nation war, die einen Mann auf den Mond schickte. Aber dieses Mal erforschen wir die Geschichte hinter dem Eisernen Vorhang und zeigen das Leben der Kosmonauten, der Ingenieure und der Geheimdienstoffiziere, die unter ihnen im sowjetischen Weltraumprogramm verankert sind, und die Risiken, die sie alle eingegangen sind, um die Menschheit voranzubringen.

    Star City © Apple TV

    Gedankenspiele

    „Was wäre, wenn…?“ Ja, was wäre, wenn die Sowjets als erstes Land einen Kosmonauten einen Fuß auf die Mondoberfläche hätten setzen lassen? Was wäre, wenn ein Russe statt Armstrong den „small step for a man“ gegangen wäre? Wie hätte sich die Welt entwickelt? Eine Nuance im Weltgeschehen verläuft anders und schon ist das Universum nicht mehr dasselbe. Solche Alternative-History-Formate gab es schon vor For All Mankind. Doch die Apple TV-Serie hat das Konzept quasi nochmal neuerfunden – Fans würden sagen: perfektioniert. Jede Staffel machte wieder einen Sprung in Richtung unserer gegenwärtigen Jahreszahl und je näher sich die alternative Realität unserer Chronologie näherte, desto größer wurden gleichzeitig die Unterschiede.

    Inzwischen steht fest, dass die Sci-Fi-Serie von Apple TV mit Staffel 6 enden wird. Doch die Macher haben noch nicht genug erzählt, wenn es nach ihnen geht. Das Pferd wird nämlich nochmal aufgezäumt, denn bislang standen die Reaktionen der US-Amerikaner im Vordergrund, die sich nach dem Triumph der Russen im Rennen zum Mond nur noch mehr anstrengten und im Nachhinein wahrscheinlich aus der Niederlage sogar stärker hervorgingen. Die These von For All Mankind: hätte die Nasa dieses Space Race einst verloren, die Amerikaner hätten sich angestachelt davon erst recht zu den Eroberern des Weltalls entwickelt.

    Moment! Das heißt aber doch im Umkehrschluss, dass sich die Gegenseite, also die Sowjets, zum Zeitpunkt der amerikanischen Niederlage auf dem Höhepunkt befunden haben müssen – und von dort aus geht es bekanntlich nur in eine Richtung…

    Allein deswegen war es für Nedivi, Wolpert und Moore, das Trio, das beide Formate verantwortet, so reizvoll nachdem man sich Jahrzehnten des amerikanischen Aufstiegs angenommen hat, nun nochmal en Details vorzunehmen, wie in den Hinterzimmern der Macht und unter Wissenschaftlern der russischen Seite die Entwicklungen womöglich parallel verlaufen wären. Star City ist also Spin-Off, Reset und vielleicht Teil des bislang längsten Rashomon-likes aller Zeiten in einem.

    Neues Personal, neue Perspektive, neuer Look

    Die Spin-Off-Show steigt direkt mit einer eindrucksvollen Szene ein, in der ganz bewusst die Erwartungen des Publikums bezüglich des Sowjetregimes unterwandert werden. Durch diese Brechung bricht gleichzeitig direkt auch das Eis zwischen uns als Zuschauern und den neuen Figuren, die in der Pilotfolge dann allesamt extrem stark eingeführt werden. Wurde For All Mankind seinerzeit – und bis heute – immer der Vorwurf gemacht, der Einstieg sei für viele direkt ein Rausschmeißer, sodass manch einer gar nicht erst an den Punkt in Staffel 1 gelangt, ab dem langsam das Potenzial entfaltet wird, so haben die Macher für Star City diese Kritik erhört und liefern einen der besten Pilotfilme der letzten Jahre ab.

    Nicht nur werden direkt die wichtigen Handlungsträger über kurze, aber prägnante Momente effektiv charakterisiert, man etabliert auch vom ersten Bild an eine doch etwas andere Bildsprache. Diese ist auf der einen Seite genauso bahnbrechend und gutaussehend wie der Look der Hauptserie, doch fängt durch die stark entsättigten Bilder, die schon etwas an Chernobyl erinnern, das typische Sowjet-Feeling ein, ohne dabei zu sehr ins Klischee abzudriften.

    Cold-War-Espionage meets polyvalentes Charakterdrama

    Der Umgang mit den Kosmonauten, den Wissenschaftlern und auch der doch komplett andere Medienkontext im kommunistisch-totalitären Sowjet-Russland ist als Basis dieser Serie wahnsinnig fruchtbar, ergibt sich daraus doch eine ziemlich packende Mischung aus Spionage-Thriller, Science-Fiction und den menschlichen Dramen, die sich vor diesem Hintergrund abspielen. Dem ein oder anderen wird hier die unterschwellige Systemkritik, die zum Glück aber alles andere als plump eingebaut ist, bestimmt an die Drastik von The Handmaid’s Tale erinnern: Permanente Einschüchterung, unberechenbare Konsequenzen für kleinste Abweichungen vom oktroyierten Plan, Gefühlskälte nach außen, heftige Konflikte im Inneren.

    In diesem Staatsapparat gehen die Protagonisten von Star City auf verschiedene Weise mit den Bedingungen um. Rhys Ifans (House of the Dragon), Anna Maxwell Martin (Steal), Agnes O’Casey (Black Doves), Alice Englert (Ratched), Solly McLeod (House of the Dragon), Adam Nagaitis (Chernobyl), Ruby Ashbourne Serkis (The Immortal Man), Josef Davies (Andor) und Priya Kansara (Der Astronaut) bilden dabei ein Ensemble, aus dem zwar die beiden erst genannten durch ihre besondere Aura heraus strahlen, aber aus dem keiner wirklich zu sehr in den Vordergrund rückt, was wiederum exzellent zum kollektivistischen Ansatz der sowjetischen Lebenswirklichkeit passt, die hier sehr gut abgebildet wird.

    Zuletzt hat man in Ponies die besondere Stimmung in diesem doch merklich anderen politischen System ebenfalls einfangen und transportieren können, aber hier gelingt es nochmal um einiges besser dieses unangenehm beklemmende Grundgefühl beim westlich geprägten Publikum aufzubauen. Und auf diesem Nährboden schaffen es die Macher dann auch wiederum ein Suspense-Level hochzuhalten, was immer wieder an den Genre-Benchmark von The Americans herankommt. Denn Star City hat das, was vielen aktuellen Serien fehlt: Mut und Fallhöhe. So traut man sich immer wieder auch Figuren überraschend zu verabschieden und auch mit anderen Ideen das Publikum emotional zu schocken.

    © Apple TV

    Unser Fazit zu Star City

    4.5 Fast perfekt

    Star City verhält sich zu For All Mankind wie einst Better Call Saul zu Breaking Bad: Hat man erst gezweifelt, wie ein Spin-off zu einer so perfekten Serie überhaupt bestehen will, muss man schnell feststellen, dass dieses dem ursprünglichen Format in Teilen sogar den Rang abläuft. Die Alternate-History-Sci-Fi-Serie verbindet die schockierenden Details totalitärerer Repressalien mit herausragendem Charakterdrama und liefert dann noch atemberaubende Bilder auf und jenseits der Erde. So hat das Franchise auch mit dem anstehenden Ende der Hauptserie eine strahlende Zukunft vor sich.

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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