Mal wieder darf sich Dominic West in einer neuen Serie versuchen. Diesmal gerät er in die Mühlen zweier Elitekanzleien in London, weil er sich von Sienna Miller scheiden lassen will. Ist War eine Empfehlung wert?
Darum geht’s in der ersten Staffel von War
Der zentrale Konflikt in War wird zwischen den Kanzleien Cathcarts & Sons und Taylor & Byrne, die in einem aufsehenerregenden Rechtsstreit aufeinandertreffen, ausgetragen. Im Mittelpunkt der ersten Staffel steht die spektakuläre Scheidung des britischen Tech-Unternehmers Morgan Henderson (Dominic West) und des internationalen Filmstars Carla Duval (Sienna Miller). Der Fall entwickelt sich schnell zu einem öffentlichen Schlagabtausch, bei dem die rivalisierenden Kanzleien Cathcarts & Sons und Taylor & Byrne keine Gelegenheit auslassen, um für ihre Mandanten einen Vorteil zu erzielen. Dabei gerät der ehrgeizige Nachwuchsjurist Jonathan „Johnny“ Warren in eine ebenso faszinierende wie erbarmungslose Welt. Eine Welt, in der Ehrgeiz die wichtigste Währung ist, Loyalitäten auf die Probe gestellt werden und der Sieg über allem steht.

Ein weiterer Serien-Serienschöpfer
Es gibt diese Namen in der Serienwelt, bei denen sich sogar vielschauende Serienjunkies regelmäßig wundern, in welcher Frequenz diese Kreativköpfe neue Stoffe raushauen. Taylor Sheridan ist das Äquivalent von Paramount zu Shonda Rhymes bei Netflix oder zuletzt Ryan Murphy für Disney – und auch im britischen Bereich gibt es ein paar solcher Produktions-Garanten. Neben Peaky Blinders-Schaffer Steven Knight und Doctor Who-Showrunner Russel T. Davies hat sich inzwischen auch ein gewisser George Kay in diese Liga vorgearbeitet.
Kay ist dabei nicht nur umtriebig was die Zahl seiner Projekte angeht, sondern vor allem auch bezüglich seiner Arbeitgeber: Stag lief bei der BBC, Criminal und Lupin begleitete er für Netflix, The Long Shadow dann für ITV ehe er mit Hijack zum ersten Mal für Apple aktiv wurde. Doch in diesem Jahr hat der Brite sein Pensum nochmal ordentlich erhöht: Neben der zweiten Staffel Hijack legte er die Miniserie Gone für ITV und die schwedischer Thriller-Serie Blood Sacrifice nach und die nächste Apple TV Show – The Wanted Man mit Hugh Laurie wurde jüngst auch direkt für den Jahresstart 2027 terminiert.
Trotz aller dieser Baustellen hat er für Sky/HBO nun die Anthologieserie War konzipiert und dabei direkt zwei Staffeln geschrieben und gefilmt. Um die erste dieser beiden Geschichten geht es nun in diesem Beitrag. Was man bezüglich des Arbeitspensums in Verbindung mit einer Handschrift Kays hierbei schon einmal vorab sagen kann, ist, dass sich War zwar für Kay auf neuem Terrain bewegt, die Geschichte in Stil und Dramaturgie insgesamt aber doch in Teilen sehr stark an verschiedene Formate der letzten Zeit erinnert und daher nicht gerade ein Hort der Innovation ist.
Einmal mit alles, bitte!
Im vergangenen Herbst sorgte eine auf dem Papier gar nicht so unähnliche Serie von Hulu/Disney Plus weltweit für Fassungslosigkeit – aber auch für sensationelle Klickzahlen: Auch in All’s Fair ging es um Anwälte der Highsociety, nur eben in Kalifornien und nicht in London und „nur“ eben nicht mit einem so talentierten Schauspielensemble wie jetzt in War, sondern in Form einer auf Social-Media-Ikone Kim Kardashian zugeschnittenen One-Woman-Show. Tatsächlich aber war diese Anwaltsserie auf sämtlichen Ebenen der Kunst ein Armutszeugnis und mitunter das schlechteste Format von Ryan Murphy – und das will bei dessen schwankendem Output was heißen.
Ergo muss sich nun die neue Sky-Serie schon mal nicht an der Qualität der Hulu-Konkurrenz messen lassen. Dieser Sieg ist schon vor dem Anstoß gewiss. Vielmehr muss sich War aber aufgrund seiner stilistischen Verwandtschaft zu mehreren anderen Formaten nun diese Vergleiche gefallen lassen. Einerseits erinnert nämlich die neue Kay-Produktion durch das Londoner Setting verdächtig an die Finanzdistrikt-Show Industry – kann allerdings mit der Tiefgründigkeit und dem Zynismus der dortigen Dialogfeuerwerke nicht ganz mithalten.
Andererseits weckt War auch starke Erinnerungen an die beiden Erfolgsformate Good Wife und Good Fight, wobei dort noch mehr der Fokus ja auf die Anwälte gelegt wurde und hier nun DER Fall im Mittelpunkt steht. Und dann hat die Eskalationsspirale wiederum noch Schnittmengen mit der Netflix-Serie Beef und natürlich muss bei diesem Ehe-Streit an Die Rosenschlacht, – vor allem wegen Dominic West – The Affair und Szenen einer Ehe denken. Es ist ist also ganz schön viel Referenzmaterial bei dem sich dieser Neuling mal mehr, mal weniger offensichtlich bedient hat, aber tatsächlich schafft es George Kay mit Fokus und Verdichtung aus dem Altbewährten mit den starken Stars hier eine ziemlich starke Staffel vorzulegen, die im Verlauf exzellent die Spannungsschraube anzuziehen und über weite Strecken mit tollen Streitgesprächen (die wiederum ein bisschen an Sorkin-Projekte erinnern) zu unterhalten weiß.

Ensemble-Show statt Duell
Schon Industry schaffte es mit einem starken Score die Spannung nochmal zu kulminieren. In diesem Aspekt schließt War tatsächlich zum derzeitigen „Drama-in-London“-Benchmark auf, wählt dabei aber eine ganz andere tonale Basis, setzt auf ein treibendes Piano, vereinzelt Streicher und nur ab und an mal einen Needle Drop aus der Popmusik.
Ganz klares Einschaltargument ist aber das fantastisch von George Kay und den Regisseuren der Folgen orchestrierte Ensemble. Dominic West überzeugt einmal mehr als leicht überheblicher, gleichzeitig aber treudoofer und selbstsüchtiger Archetyp eines Mannes mit klischeehaft männlichen Schwächen. Das erinnert schon sehr an seine Performance in The Affair – nur dass er hier eben ultrareich ist und es damit doch auch ziemlich vordergründig um Geld geht. Sienna Miller hat andererseits die etwas undankbare Aufgabe eine Schauspielerin zu spielen, was sie naturgemäß etwas einschränkt. Damit ist sie möglicherweise die leicht auszumachende Schwachstelle in dem großen Ensemble, aber schlecht ist ihre Leistung nicht.
In der Riege der zahlreichen Juristen-Rollen ist es nun fast unmöglich, einzelne herauszustellen, weil es a) einfach sehr viele sind und b) vor allem in den Szenen, in denen die Anwälte aufeinanderprallen schlicht jede und jeder Eindruck hinterlässt. Am ehesten herausstechen können dann durch seine markante Sprechweise und sein einprägsame Erscheinung Pip Torrens als St. John Smallwood und Nina Sosanya als Beatrice Ubosi, Phoebe Fox, Celia Emrie und James McArdle.
Etwas altersmäßig durchs Raster fallen dann noch Emma Laird, die einmal mehr zwar nur eine kleinere Rolle, wie zuletzt in Bone Temple hat, aber der einzelne kurze Auftritte reichen, um ihren Abdruck zu hinterlassen, und natürlich Archie Renaux, der am ehestens so etwas wie die Stellvertreterfunktion für uns als Zuschauer in dieser Staffel verkörpert und dessen Entwicklung zwar auch bekannten Mustern folgt, aber durch seine Performance einen erheblichen Teil der Attraktivität des Formats vereinnahmen kann.
© RTL/Sky Deutschland
Fazit zu War - Staffel 1
War fühlt sich weniger nach George Kay als vielmehr nach Shonda Rhimes' Antwort auf Industry an. Unter den Anwaltsserien ist der Neuling aber ad hoc ins obere Regal einzusortieren, weil die Dialoge sitzen, die Spannung auf Anschlag ist und vor allem weil es gelungen ist, binnen weniger Folgen so vielen starken Darstellenden eine Bühne zu bereiten - und dabei sind nicht mal ausschließlich die Namen gemeint, mit denen die Serie beworben wird. Analog zu Industry ist hier nämlich der spannendste Aspekt weniger der Konflikt im Mittelpunkt, sondern was diese Ereignisse aus jungen, idealistischen Berufseinsteigern in einem Haifischbecken machen.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

